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Xin - Die Kriegerin (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 02.03.2010, seitdem 836 Mal gelesen



Anders als in Wong Jings Nervenkrise On His Majesty's Secret Service, der im Grunde ein ähnliches Setting samt Sujet und deren eigentümlichen Stellung als mindere Komödie pflegt, unterliegt der einstmals Chasing Shadows Betitelte nicht der Um- und Unterformung , die ihn dem ganz eigenen persönlichen Verständnis des Regisseurs anpasst. Wo bei Wong der Inhalt im meist gravierend lauten Ausdruck in Vordergrund steht und die funktionale Form des zu parodierenden Genres auf wenige bauliche, rein dem schnöden Zweck und schon gar nicht ornamental schöne Architektur zurückgestellt ist, so erschafft das Team aus Francis Ng und Marco Mak eine im starken Maß okkasionelle Außenwelt. Die elementaren Wahrnehmungen und Empfindungen dieser hier präsentierten Wuxia-Ereignisse rufen auch einen seelischen Eindruck des stofflich Gegebenen hervor, dass seine Ereignisse zwar ebenso nicht ständig ernst nimmt, aber auch das Visuelle und Geistige der Vorlage vor Augen flackern lässt.

Dabei verwundert auf den ersten Blick gerade die Beteiligung von Francis Ng vor und hinter der Kamera als mittreibende Kraft für die Reise durch ein Schattenspiel längst vergangener Epochen und ebenso bis vor Kurzem aus der Mode geratener filmischer Gattungen. Ng erscheint weder besonders mit der Kunst epischer Heldensagen verbunden noch dafür als Person geeignet, zu sehr aus der Rolle fallend verglichen mit seiner sonstig darstellerischen Auswahl und zu sehr kund gebend im Spiel. Die Linie an Erfahrungen reicht dennoch über Auftritten in Kung Fu Cult Master über The Bride with White Hair bis hin zu The White Dragon, einem der letzten Vertreter um heroische Schwertkämpfer(innen] in luftigen Höhen zauberhafter Bambuswäldchen.
Gegenständlichkeit und Objektivität, im Phantasielande, wo die Örtlichkeiten anonyme Bezeichnungen wie "Sideroad Town" tragen und auf der Karte zwischen ebenso in aller Kürze beschriebenen "Black Lake" und "Mount Cloud" zu finden sind:

Ming-Dynastie.
Der bisherige Supreme Master of Martial Arts, der aus der Mongolei stammende Changgong [ Francis Ng ] hat freiwillig in einem Duell die Krone dieser Ehre an Na-Lan, den Führer der Mandschurei-Armee abgetreten, um sein weiteres Leben in gewisser Anonymität, unheheiligt von ihn herausfordernden Kämpfern und so in Ruhe fortführen zu können. Sein Fortgang auf das chinesische Festland ist aber nur kurz von Frieden geprägt, platzt er doch in die erbitterte Suche von der verführerischen Xin [ Pace Wu ] nach Emperor Mings versteckten Schatz, die damit das Geheimnis entschlüsseln will, wie das Land einst aufgebaut wurde und so auch das Ryukyu Königreich vom jetzigen Mutterland ablösen möchte. Fünf Jahre nach dem ersten Zusammentreffen von dem nun mehr schlecht als recht ein Restaurant führenden Changgong mit Xin und dem Zuwachs ihrer "adoptierten" Tochter Tang Wei [ Xie Na ] ist die Jagd nach der Beute immer noch im Gange und die Anhängerschaft sogar angewachsen. Nicht nur, dass auch die drei Assassinen Jet, Andy und Jackie Tang weiterhin auf der Lauer liegen, so hat sich der Bürgermeister Gu Yue-jin [ Hao Dang ] der Kleinstadt "Sideroad Town" auf die Pirsch und der reich erbende Grundstücksbesitzer Lord Xu San-guan [ Jaycee Chan ] in Tang Weis Nähe begeben.

Wenig als Geheimnis gehütet ist die Herkunft des Humors, der sich zwar keineswegs auf die Grundeigentümlichkeiten des Genres und auch nicht auf die simple, oder doch schon eher primitive Variante des Einstreuens altbackenen Slapsticks wie bei Wongs in jeglicher Hinsicht parasitären Ökonomie, sondern auf die Gegenüberstellung von Satz und Satzteil bezieht. Tracing Shadow ist theoretisch nur deswegen keine episch-historische Behandlung im pathetischen bis hin zum enthusiastischen Ton, da die gezeichneten Wirklichkeiten absichtlich nicht übereinstimmen. Es gibt eine rationale Welt und eine irrationale; eine Parallelstellung aus gläubig erzählter Vergangenheit und dem Nichtvergessenkönnen der Gegenwart, aus Anpassung und Aufsplittung. Dabei existiert der Witz einzig fast nur darin, dass alle drei Gegner von Changgong ebenso aussehen [sollen] wie ihre Namensvetter, also Jet Li, Andy Lau und Jackie Chan als die etablierten Größen des Filmbusiness mimikriert und als Bild der Dezentralisation formiert werden. Das geschieht bisweilen ohne Skrupelzwang [Jet Li wird wegen seiner Anwesenheit beim Tsunami und dem anschließenden humanitären Spendeneinsatz für allerlei hilfstätige Organisation auf den Arm genommen] , bisweilen auch in ganz lebenserleichternder, besser als Wiederholung dienender Polemik [Jackie wird permanent auf seine Nase angesprochen oder bekommt immer eins genau darauf] . [Dass man aus der Andy Lau Personifikation nicht wirklich etwas heraus filtern kann, und die Figur optisch schmuck einfach nur im Raum steht, ist dann noch der beste Kalauer.]

Der große Rest abseits dieses Herausreißen in die Unwirklichkeit, wobei der Gesamteindruck wegen der ständigen Anwesenheit der mehr oder weniger ähnlich gehaltenen, später gar in Scharen auftretenden lookalikes aber durchaus noch verhältnismäßig homogen ist, bekommt man ansonsten die seit spätestens den frühen Neunziger wohl bekannte Einheit aus topographischer Flucht, bedeutungsgemäßen Prophezeiungen, einem in Rhythmus und Melodie eher auf tänzelnd angelegten Schwertkampfszenen und einer allgemein sensuellen Diktion, die die Einbildungskraft fataler Feinfühligkeit erwärmen soll. Durch vielerlei Abenteuer zum gleichen Ziel hin durchführend, darf man besonders die auf Sorgfalt und guter Beurteilung gerichtete Ausstattung, die zur vollen Freiheit kommende Kamera und den verführerischen Geschmack gelangende Bild- und Tonmontage loben, die das eher mediokre, dennoch allein im wenig beachteten Kinoeinsatz nicht wieder eingespielte Budget von 3 Millionen USD im besten Wissen und Gewissen zu nutzen verstehen. Die Szenerien von jeweils den Standardpunkten wie Restaurant, Tempel, eben das viel genutzte Bambuswäldchen oder auch dem kurzen Ausflug um die Stadtmauer oder auf das freie Feld herum beschreiben in knapper Vollständigkeit den Reiz des Versinken in diese Zierraten eines lyrischen Stoff; was die intendierte Hommage an Filmemacher wie King Hu, Li Han-hsiang und Chang Cheh im rein äußerlichen Maße problemlos sichtbar und schlüssig, als Massenunterhaltung konzipiert und somit auch absolut vertrauenswürdig macht, aber niemals auch nur annähernd die ausschlaggebende Rolle der Vorbilder erlangen macht.

Auch die Actionszenen weisen die entsprechende Memoria an einstiges Kulturgut, ihr unternehmerisches Initialprinzip und so das gründliche Ausschöpfen der Choreographie auf, wird im poetischen Bewusstsein von Umgebung, Figuren und Gegenständen durch die nächtlichen Oberflächen geschwungen und gesegelt, mit aus dem Nichts schießenden Pfeilen und metallenen Wurfsterne attackiert oder in spontan fließender Fähigkeit das Schwert gezückt. Die Kehrseite der Medaille ist vor allem die stetige Beliebigkeit und auch die Auflösung des Ganzen in die einzig recht uninteressant gehaltene Schatzsuche, bei der zwar rein effekttechnisch noch einmal ein wenig geklotzt und dieser Einsatz gerade für chinesische Verhältnisse auch relativ gut eingefügt ist, aber das Wackeln von Erdboden und Kamera nicht wirklich befeuernd durch Mark und Bein geht.


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