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My Soul to Take (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 01.05.2011, seitdem 991 Mal gelesen



Von den Kritikern heftig zerpflückt und an der Kinokasse wenig erfolgreich – „My Soul to Take“ erhielt bald das Label eines Vollflops, dabei ist Cravens erster Film seit „Red Eye“ ein durchaus interessanter Beitrag zum Horrorgenre.
Abel (Raúl Esperanza) ist schizophren, wie „My Soul to Take“ schnell durch seine Montage klarstellt. Das wäre nicht so dramatisch, wäre eine der Persönlichkeiten nicht ein gesuchter Serienkiller, der Abel bedroht: Stellt er sich, so müssen seine Frau und sein Kind dran glauben. Abel hört nicht, muss fühlen und wird von den Cops gestellt, die aber nicht mit der Stehaufmännchen-Kondition des Killers gerechnet haben, der diverse Cops verwundet und bei der Fahrt ins Krankenhaus verschwindet – ist er tot, hat er überlebt? Das sind die Fragen, die nun die Auftaktsequenz aufwirft.
In jener Nacht wurden sieben Kinder geboren, allesamt Frühgeburten, die sogenannten Riverton Seven: Ein Asiate, eine Bibelfeste, ein blonder weiblicher Schulschwarm, ein Footballpenner, ein blinder Schwarzer (Doppelminderheitenalarm) sowie die Außenseiter Alex (John Magaro) und Bug (Max Thieriot). Bug steht etwas neben sich, ist aber etwas ganz besonderes und ein (geplanter) Alternativtitel für den Film war auch „Bug“.

16 Jahre nach jener verhängnisvollen Nacht häufen sich die bösen Omen und tatsächlich scheint der Killer zurück zu sein? Aus dem Totenreich? Hat er von einem der Jugendlichen Besitz ergriffen oder will er sie gleich alle ermorden?
All diese Fragen beantwortet „My Soul to Take“ dann auch, allerdings erst gegen Ende und nicht unbedingt sauber eingeleitet. Lange macht Regisseur und Drehbuchautor es dem Zuschauer schwer durchzublicken, baut kaum einen vernünftigen Spannungsbogen auf, ehe dann im Filmfinale die Erkenntnisse auf den Zuschauer einprasseln. Durch die späten Erhüllungen ist natürlich Mitraten garantiert, doch leider wirkt „My Soul to Take“ über weite Strecken reichlich konfus, so sehr einige der Enthüllungen auch ins Schwarze treffen, z.B. wenn man gegen Ende erfährt in welchem Verhältnis Bug und Schulcliquenchefin Fang (Emily Meade) zueinander stehen. Beide Figuren haben auch Taufnahmen (Adam und Lea), werden jedoch meist bei ihren Spitznamen gerufen, die auch als „telling names“ fungieren, die sie in der sozialen Hackordnung klar einsiedeln, als kleines Insekt oder gefährliches Beutetier.

Auch im Bereich Figuren macht Craven es dem Zuschauer nicht immer einfach. Der religiös erzogene Regisseur zeichnet Penelope (Zena Grey) eben nicht als katholische Spinnerin, wie es im Horrorgenre gerne gemacht wird, sondern als wachsame Unheilsprophetin, die sich für Bug interessiert, der aber wiederum lieber der blonden Planschkuh Brittany (Paula Olszynski) hinterherguckt – und dann wird Penelope das zweite Opfer des Killers, ehe der Hauch von Außenseiterromanze weiterentwickelt werden kann. Ebenso überraschend wird auch eine weitere, erst durchaus als bedeutend aufgebaute Figur das vierte Opfer des Killers und das überraschend, weil es so unvermittelt und unspektakulär daherkommt. Ebenso wie die Figuren hat Cravens Drehbuch auch die innere Logik nicht immer ganz im Griff, z.B. woher Fangs Status an der Schule kommt und wie sie ein so absurdes Imperium, das mehrere 1.000 Dollar erwirtschaftet, an der Highschool funktionieren soll.
Doch trotz all seiner Mängel und Eigenheiten ist „My Soul to Take“ ein ideenreicher, ausgesprochen faszinierender Film. Teilweise wurde er als übernatürlicher Slasher abgetan, aber das tut dem Film unrecht, da der Slasher-Part durchaus solide umgesetzt ist, aber nur einen zu vernachlässigenden Teil des Films ausmacht. Die Morde sind immer recht spannend inszeniert, aber kurz und eher handlungsunterstützend als exponierte Höhepunkte. Die Story ist gar nicht schlecht konstruiert, wird nur eben nicht besonders überzeugend an den Mann gebracht. Vor allem fallen aber phantasievolle Einzelszenen wie das Referat über Condor (ein bizarres Highlight des Films) oder der kreativ wie kunstvoll gemachte Abspann auf, der zu den eindrucksvollsten der letzten Jahre zählt.

Vor allem aber ist „My Soul to Take“ voll mit In-Jokes und Referenzen an Cravens Werk. Die Idee des Serienkillers aus dem Totenreich hatte er mit „Nightmare on Elm Street“ und „Shocker“ populär gemacht, an letzteren erinnert auch die bereits ermordete Helferfigur, die Bug nach ihrem Ableben unterstützt. Auch die zynischen, lustigen Sprüche des Rippers könnten glatt von Freddy Krüger oder Horace Pinker stammen. Und wenn sich der Cop des Films mit einer Sanitäterin über die Voodoo-Wiederkehr, die sie von ihrem Vorfahren kennen könnte, redet, dann hört man „Die Schlange im Regenbogen“ trapsen.
Hauptdarsteller Max Thieriot ist vielleicht auch nicht unbedingt die glücklichste Wahl, hatte sich schon mit Filmen wie „Der Babynator“ nicht unbedingt hervorgetan und macht hier einen durchaus routinierten Eindruck, müsste aber mehr geben um den Film wirklich tragen zu können. Unter den Nebendarstellern fallen vor allem Emily Meade, John Magaro und die hübsche Zena Grey mit ihren starken Performances auf, Raúl Esperanza spielt in der Auftaktsequenz groß auf, während der Rest vom Fest dann irgendwas zwischen Routine und Mittelmaß abliefert.

„My Soul to Take“ ist alles andere als perfekt, gerade erzählerisch hakt da doch so einiges. Das ist schade, denn so nutzt der Film nicht sein volles Potential aus, doch mit seinem überbordenden Ideenreichtum und seinem eigenwilligen Ansatz ist er doch deutlich interessanter als die Unmengen von 08/15-Produktionen im Horrorgenre.


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