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Buried - Lebend begraben (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 03.05.2011, seitdem 950 Mal gelesen



Das ist das Schicksal von Paul, einem amerikanischen Lastwagenfahrer und Familienvater, der in einem Holzsarg aufwacht. Er wurde lebendig begraben und weiß weder, wer ihm das angetan hat, noch warum. Seine einzige Chance, diesem Alptraum zu entkommen, ist ein Handy. Schlechter Empfang, ein rapide schwindender Akku und Sauerstoffmangel sind die schlimmsten Feinde in seinem Wettlauf gegen die Zeit: Paul hat nur 90 Minuten, um gerettet zu werden.


Was soll man von einem Film erwarten, dessen gesamte Geschichte sich in einemr sarg√§hnlichen Holzkiste abspielt und die zudem noch mit nur einem einzigen Schauspieler besetzt ist? Man k√∂nnte recht voreilig dem Trugschlu√ü erliegen, das man mit 90 Minuten gepflegter Langeweile konfrontiert wird, denn was soll bei diesen extrem minimalen Grundvorraussetzungen schon gro√üartig passieren, was einen durchgehend gut und spannend unterhalten k√∂nnte? Wer sich diese Fragen stellt und dadurch zu der Antwort gelangt, sich diesen Thriller erst gar nicht anzusehen macht einen riesengro√üen Fehler, denn trotz seiner sp√§rlichen Ausstattung bietet "Buried" eine Menge mehr als so mancher gro√üe Blockbuster. Sicherlich ist das Geschehen an sich allein schon durch den √§usserst beengten Schauplatz nicht dazu in der Lage, Abwechslung im √ľblichen Sinne zu bieten, der Film bezieht seine Spannung und Atmosph√§re aus der gegebenen Situation, in der sich der Protagonist Paul Conroy (Ryan Reynolds) befindet und diese ist an Bedrohlichkeit und klaustrophobischer Grundstimmung nur schwerlich zu toppen. Allein schon bei der Vorstellung, das man sich selbst in dieser aussichtslosen Lage befinden w√ľrde, sorgt f√ľr schweissnasse H√§nde und ein ganzzeitig vorhandenes Gef√ľhl extremster Beklemmung, denn schon nach wenigen Minuten Spielzeit sieht man sich selbst schon nicht mehr als Zuschauer, sondern befindet sich selbst in dem h√∂lzernen Sarg, denn die Identifizierung mit der Situation und dem Betroffen entsteht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, das man es kaum mitbekommt.

Wohl nur √§usserst selten hat man einen Thriller gesehen, der mit wirklich so minimalen Mitteln eine so gewaltige Wirkung auf den Betrachter hinterl√§sst, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Die Szenerie strahlt dabei eine enorme Sogwirkung aus, die einen f√∂rmlich in die Holzkiste hineinzieht und bis zum Rnde nicht mehr freigeben will. Nat√ľrlich kann dieses Gef√ľhl nur entstehen, wenn man sich auf diesen kleien, aber √§usserst feinen Thriller einl√§sst und wenn man diversen Kritiken Glauben schenken darf, dann ist l√§ngst nicht jeder dazu in der Lage. Da wird teilweise von Langeweile und mangelnder Spannung geredet, wobei man sich fast zwangsweise die Frage stellen muss, ob wir alle den gleichen Film gesehen haben. Vielmehr hat Regisseur Rodrigo Cortes seinem Werk von der ersten Minute an eine herrlich d√ľstere und extrem beklemmende Atmosph√§re verliehen, die √ľber die gesamte laufzeit so dicht erscheint, das man sie mit einem Messer durchtrennen k√∂nnte. Damit diese aber auch beim Betrachter zur vollen Entfaltung kommen kann, muss man selbstverst√§ndlich dazu in der lage sein, sich in die aussichtslose Lage des Betroffenen hineinzuversetzen, der hier lediglich ein Handy zur Verf√ľgung hat, um √ľberhaupt Kontakt zur Aussenwelt aufzunehmen. Und insbesondere die gef√ľhrten Telefonate sind in meinen Augen ein weiteres gro√ües Highlight der Geschichte, dr√ľcken sie doch immer mehr die Tristesse und Hoffnungslosigkeit der Situation aus, in der sich Paul befindet. Kaum jemand h√∂rt ihm richtig zu und trotz intensivster Schilderung seiner Lage wird er dennoch immer wieder in Warteschleifen gelegt, was schon eine ordentliche Portion Sarkasmus in die Geschehnisse einflie√üen l√§sst. Den absoluten H√∂hepunkt in dieser Beziehung erlebt man allerdings, als ihn der Personalchef seiner Firma anruft und ihm die fristlose K√ľndigung ausspricht, obwohl er ganz genau weiss, was mit Paul geschehen ist. Obwohl diese Passage f√∂rmlich vor Hohn trieft und vollkommen absurd erscheint, kann man keineswegs dar√ľber schmunzeln, viel zu sehr ist man selbst mit der Ernsthaftigkeit des Szenarios besch√§ftigt.

Ist in diesem Film der Spannungsbogen schon von Anfang an vorhanden, so baut er sich doch mit zunehmender Laufzeit immer weiter auf, handelt es sich doch auch um einen Wettlauf mit der zeit, da Paul von seinem Entf√ľhrer ein Ultimatum gestellt wurde. So zieht dann auch ab den zweiten Filmdrittel langsam aber sicher auch die Hektik Einzug in das Geschehen, die sich ganz automatisch auch auf einen selbst √ľbertr√§gt. Zudem scheint auch eine Rettung mittlerweile nicht mehr ganz aussichtslos, denn ein Rettungsteam ist auf dem Weg in das Gebiet, in dem Conroy vergraben ist. An diesem Punkt beginnt dann auch die Phase, in der man den Betrachter in ein absolutes Wechselbad der Gef√ľhle st√ľrzt, denn die aufkommende Hoffnung auf Rettung wird immer wieder durch andere Dinge zerst√∂rt und die Spannungskurve steigert sich so langsam dem absoluten Siedepunkt entgegen. Es ist wirklich sehr schwer in Worte zu fassen, aber man muss das Gef√ľhls-Chaos selber miterlebt haben, das dieser Film in einem ausl√∂st, ansonsten kann man sich noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Emotionen einen w√§hrend dises Filmes durchtoben, so das man wie gebannt vor dem heimischen Bildschirm sitzt und den Blick auch nicht eine einzige Sekunde davon l√∂sen kann. Mit schweissnassen H√§nden leidet man mit einem Mann mit, der zwischenzeitlich schon sein Testament mit der Video-Funktion des handys aufgenommen hat, um im n√§chsten Moment durch einen Anruf wieder viel Hoffnung auf eine gelungene rettungsaktion bekommt.

Rodrigo Cortes spielt wirklich absolut mit den ureigensten √Ąngsten, die wohl jeder normale Mensch in sich tr√§gt, was w√§hrend der laufzeit bei einem selbst stark zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig hat er es hervorragend verstanden, das sich Hoffnung und totale Resignation nahezu perfekt miteinander abwechseln, bis es letztendlich zu einem Ende gelangt, das sich viele Leute eventuell anders vorgestellt haben. Wie die ganze Sache nun letztendlich ausgeht, wird an dieser Stelle selbstverst√§ndlich nicht verraten, denn das sollte sich jeder am Besten selbst ansehen. "Buried - Lebend begraben" ist auf jeden Fall ein Thriller voller Suspense und extremer Spannung von der ersten bis zur letzten Minute. Ausserdem ist dieses Werk ein absolutes Paradebeispiel daf√ľr, das man selbst mit einem einzigen darsteller und einer Holzkiste als Schauplatz eine Story kreieren kann, die einem teilweise wirklich die Luft zum atmen nimmt weil die aufkommende Spannung ganz einfach kaum zu ertragen ist. Wer einen echten Hochspannungsthriller voller Suspense und mit einer nahezu gigantisch beklemmenden Stimmung zu sch√§tzen weiss, der sollte sich dieses kleine Meisterwerk keinesfalls durch die Lappen gehen lassen. Aber Leute mit Platzangst sollten sich darauf einstellen, das "Buried" f√ľr sie eine echte Herausforderung darstellen k√∂nnte, denn in diesem Sarg ist wirklich nicht viel Platz.


Fazit:


Meine pers√∂nlichen Erwartungen an "Buried - Lebend begraben" waren schon √§usserst hich angesetzt, doch wenn ich ganz ehrlich bin, wurden sie noch stark √ľbertroffen. Selten habe ich einen Film erleben d√ľrfen, bei dem man ein solch extremes Gef√ľhl der Beklemmung versp√ľrt, das einen wie eine zu eng geratene zweite haut umschlie√üt. Dadurch verschmelzt man f√∂rmlich mit der gegebenen Situation und sieht sich selbst in diesem vergrabenem Sarg liegen. So kann man die verschiedensten Gef√ľhlslagen viel intensiver und besser nachvollziehen die Paul hier durchtoben m√ľssen, wie bespielsweise der st√§ndige Wechsel aus Hoffnung und Resignation. So erscheint dieser Film wie ein interaktives Seherlebnis, an dem man wirklich schon fast korperlich, aber vor allem psychisch beteiligt ist. Cortes hat mit "Buried" einen Thriller geschaffen, den man ganz sicher nicht so schnell vergisst, pr√§gt sich das Szenario doch unausl√∂schlich in das Ged√§chtnis ein und hinterl√§sst eine √§usserst nachhaltige Wirkung. F√ľr mich pers√∂nlich stellt der Film ein Meisterwerk dar, das im genre ganz oben anzusiedeln ist und das ich nur w√§rmstens weiterempfehlen kann.


10/10


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