Ansicht eines Reviews

Buried - Lebend begraben (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 22.09.2011, seitdem 421 Mal gelesen



Ryan Reynolds ist mein Lieblingsschauspieler. Nicht wegen seiner großartigen schauspielerischen Leistungen, nicht weil er toll aussieht, sondern einfach weil ich ihn als Typ total sympathisch finde und seinen Humor total mag. Die meisten seiner Filme habe ich gesehen, und so war Buried quasi auch ein Muss für mich. Besonders viel erwartet hab ich von dem Streifen ehrlich gesagt nicht, und wäre da nicht Reynolds gewesen, würde ich ganz ehrlich zugeben, dass ich nur meinem Mann (BurnedEyez) zuliebe zugestimmt habe, den Film anzusehen. Wie interessant kann es schließlich schon sein, 90 Minuten lang einem Typen zuzuschauen, der in einem Sarg unter der Erde eingeschlossen ist? Das klang für mich nach einer absoluten One Man Show, und zudem beschwor es bei mir unweigerlich Bilder des einzigen anderen Films herauf, der mir in Zusammenhang mit Einsamkeit, Isolation und Ausweglosigkeit aufkam: Cast Away. Und ich fand Cast Away furchtbar. Kein Griff ins Klo, sondern ein Sprung in die Kläranlage.

Aber um Cast Away soll es hier nicht gehen, sondern um Buried. Die Story ist einfach gestrickt: Paul Conroy (Ryan Reynolds) wacht in einem einfachen Holzsarg auf. Es ist dunkel, und er hat augenscheinlich nichts bei sich als ein Feuerzeug und ein Handy. Es stellt sich heraus, dass Paul Trucker für ein großes US-Unternehmen ist und seine Tätigkeit im Irak ausübt. Ein einfacher Ziilist, der jetzt von Aufständischen als Geisel genommen wurde und unter der Erde vergraben wurde, um Lösegeld zu fordern. Über das Handy steht Paul fortan in Kontakt mit den Entführern, seiner Familie, seinem Arbeitgeber, einem Betreuer und verschiedenen Behörden, und der Zuschauer darf beobachten, wie sich die Verzweiflung bei Paul immer weiter steigert. Die Story klingt erstmal recht einfach gestrickt, und im Grunde genommen ist sie das auch.

Es geht hier nicht um eine erzählte Geschichte, sondern vielmehr darum, den Zuschauer in der klaustrophobischen Atmosphäre gefangen zu nehmen, was dem Film auch voll und ganz gelingt. Man leidet mit Paul, man schöpft Hoffnung mit Paul, man zweifelt mit Paul, man versucht sich mit Paul zu beruhigen. Was den Machern hier gelungen ist, blieb leider bei Cast Away auf der Strecke: man identifiziert sich mit Paul, man steht ihm nahe, und das aus einem ganz einfachen Grund: Paul ist ein Typ wie Du und ich. Er ist kein Soldat, sondern ein Zivilist, ein kleines Licht in einer großen Firma, hat eine kleine Familie, hat den Job nur angenommen, weil sie das Geld brauchten. Spannend wird der Film auch durch die verschiedenen Gespräche, die unser Protagonist führt. Das Gespräch mit seinem Chef, der Paul kündigt und sich zudem noch rechtlich absichert, während sein Mitarbeiter in einer Kiste begraben liegt, macht nicht nur Paul wütend, nein, es macht auch uns stinksauer. Genau wie Paul hoffen auch wir, dass seine Frau sich meldet und er noch einmal mit ihr sprechen kann. Und genau wie Paul glauben auch wir nicht daran, dass sich die Regierung den Arsch aufreißt für einen einfachen Zivilisten. Kurz gesagt: der Film lebt von der Atmosphäre, die in diesem Fall wirklich bombastisch zieht.

Die Kameraführung ist meiner Meinung nach das Beste, was man aus dem begrenzten Raum rausholen kann. Natürlich gibt es viele Nahaufnahmen, das bleibt nicht aus, wirkt aber auch bewusst so gewollt. Aber selbst wenn die Kamera langsam ausblendet, hat man nie den Eindruck, dass sich das Geschehen woanders als in der Kiste abspielt. Die Phasen, in denen das spärliche Licht komplett erlöscht, sind nervenzehrend, nicht etwa weil sie langweilig wären, sondern weil man fiebert, er möge doch das Licht wieder anmachen. Insgesamt ist der Plot in sich abgeschlossen, und mir taten sich weder offene Fragen noch Logiklücken auf. Über die Geschichte mit der Schlange lässt sich streiten, aber ich denke mir, dass so ein Tier sich sicher durch lockeren Sand bewegen kann, da ja auch erwähnt wird, dass Paul sich nur einen Meter unter der Erde befindet. Was mir ein wenig eigenartig vorkam, war, dass man in Zeiten moderner Technik nicht in der Lage war, Pauls Handy zu orten. Aber gut, ich bin kein Technikfreak, ich bin am Ende doch nur ein Mädchen, das keine Ahnung von so etwas hat. Was mich ein wenig gestört hat, war die Passivität Pauls am Ende. Ich hab mich gefragt, warum er nicht versucht hat, sich mit Brachialgewalt frei zu kämpfen, wenn doch die Möglichkeit besteht, dass er wirklich nur einen Meter unter der Erde liegt, von lockerem Wüstensand begraben. Aber gut, auf der anderen Seite konnte ich auch die Resignation und Enttäuschung nachvollziehen, die ihn erfasst haben muss.

Alles in allem war der Film für mich sehenswert, schockierend, spannend...das Ende war zugegebenermaßen vorhersehbar, aber dennoch verstörend. Ich habe da gesessen und noch einige Minuten lang auf den Bildschirm gestarrt, um das Gesehene sacken zu lassen. Ein Ryan Reynolds hat hier gezeigt, dass er nicht nur den smarten Sunnyboy in einer Romantikkomödie oder den Haudrauf in einem Actionstreifen mimen kann, sondern dass er durchaus sehr gute schauspielerische Qualitäten besitzt. Der Streifen hat meine Erwartungen weit übertroffen, und ich kann ihn bedenkenlos mit 9 Punkten bewerten und weiterempfehlen.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "LC" lesen? Oder ein anderes Review zu "Buried - Lebend begraben (2010)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von LC

Zurück


Copyright © 1999-2018 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

670 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Fate (2003)
Jack und das Kuckucksuhrherz (2013)
Recall, The (2017)
Regression (2015)
All Is Lost (2013)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich