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No Reason (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 09.11.2010, seitdem 3264 Mal gelesen



ACHTUNG: Dieses Review bezieht sich auf die gekürzte KJ-Verleih-Fassung des Films (Laufzeit: ca. 68 Min., Laufzeit uncut: ca. 74 Min.). Sorry, ich hab’s nicht mehr erwarten können… 


                                                     NO REASON   

                                                            oder  

                               „Ein Fan am Rande der Selbstverleumdung(?)“


Jennifer führt ein stinknormales Kleinbürgerdasein. Sie hat einen Ehemann und ein Kind, gerade heute steht der Umzug in eine größere Wohnung bevor. Ausgerechnet heute läuft aber alles schief: Die Nachbarin nervt rum, der Postbote, der darum bittet ihr Klo benutzen zu dürfen, kackt ihr das Badezimmer voll, dann erfährt sie, dass ihr Alter sie betrügt. Jetzt erstmal ein entspannendes Bad, denkt sich Jennifer. Dabei nickt sie ein. Zu Bewusstsein kommt sie nackt in einem blutbesudelten Raum voller abgetrennter Körperteile…

Ittenbach ist back! Drei Jahre sind seit DARD DIVORCE ins Land gegangen (die FAMILIENRATGEBER ignoriere ich einfach mal diskret) und die Splattergemeinde dürstet es nach Blut und Eingeweiden.
An den modernen Stil des bayerischen Splatter-Papstes dürfte sich mittlerweile jeder Fan gewohnt haben. Und selbst diejenigen, die Ittenbach kritisch beäugen seit er international agiert und sich wieder nach Trash-Feinkost á la PREMUTOS zurück sehnen, ich wette selbst sie erwarten jedes neue Werk mit schäumender Neugier.

Worum handelt es sich bei NO REASON also nun? Ittenbach versetzt seine Protagonistin in eine Art finstere Parallelwelt, die wie in HELLRAISER nur aus Folter und Pein zu bestehen scheint. Jennifer durchläuft dabei mehrere Levels, ein rotes, ein grünes, ein blaues und schließlich ein gelbes, welche jeweils mit dem entsprechenden Farbfilter überlegt sind. Kameratechnisch ganz schön tricky, der Olaf! Naja, Jennifer wacht jedenfalls zunächst in einem Raum voller blutiger Leichenteile auf. Eine imaginäre Stimme spricht mit ihr. Dann erscheint ihr ein maskierter Folterknecht, der sich an allen Charakteren austobt, mit denen Jennifer zu Beginn Stress hatte. Der Postbote, die Nachbarin, der fremdgehende Göttergatte - alle werden sie auf übertreiben brutale Weise nieder gemeuchelt.
So geht das dann eine Zeit lang weiter. Jennifer durchläuft anschließend im Eva-Kostüm auch Level 2, 3 und 4. Dem Raum mit den Leichenteilen folgen ein Fetisch Club, eine Gothic-Disco und eine SM-Party. Der Zuschauer macht die Bekanntschaft mit gesichtslosen Wesen und Golum-Viechern. Der Folterknecht palavert währenddessen mit Jenny in ultra hochgestochenem Ton pseudointellektuellen Scheiß von wegen „Ich bin deine Hypostase(…). Ich kämpfe darum deine Seele wieder zur Splenilität zu bringen“ – weiß der Geier, was das bedeuten mag. Tja, und gegen Ende löst es sich natürlich auf, warum Jennifer diesen Horrortrip durchmacht, doch das, liebe Kinder, erfahrt ihr erst, wenn ihr den Film selber anschaut.

Klingt reichlich bizarr und genau das ist es auch. Streckenweise sitzt man vor der Mattscheibe wie der Ochs vorm Berg und weiß nicht so recht, was man mit dem Dargebotenem anfangen soll. Wer sich etwas in Geduld übt, wird jedoch belohnt.
Das storytechnische Kuddelmuddel kann aber leicht erklärt werden: Das Erzählen einer vernünftigen Geschichte war ja immer die große Schwäche von Ittenbach. Was ist also die logische Konsequenz? – Genau: Keine Geschichte erzählen! Einfach mal den Plot in der Kiste lassen und volle Kanne drauf los splattern! So gefällt einem das!

Bevor es euch zerreißt – Thema „Splatter“: Der Gore wird in der gekürzten Fassung freilich nur angedeutet. Zu erahnen ist aber so manches, wie z.B. eine fiese Augen-OP, eine Kastration, eine Enthauptung, komabrutaler Kindsmord und ein Amoklauf mit einer Axt. Das gewiss nur ein Bruchteil von dem, was hier tatsächlich so abgeht. Splattertechnisch dürfte der Streifen einem ziemlich orgiastischem Feuerwerk gleichkommen. Die FX, die man in der gekürzten Fassung zu Gesicht bekommt, sind jedenfalls saugeil und machen Lust auf mehr.

Es stellt sich aber die Frage: Hat Ittenbach im Vergleich zu seinen vorigen Werken dazugelernt? Ist er besser geworden?
Diese Frage ist nur schwer zu beantworten. Rein technisch passt alles. Naja, das mit den verschiedenen Farbfiltern ist natürlich ziemlicher Quatsch. Der Versuch, visuell ein wenig anspruchsvollen zu wirken, funktioniert in dem gegebenen Low-Budget-Rahmen leider nicht. Das mit der logischen Story hat Ittenbach ja auch noch nie hingekriegt… Insgeheim scheut man sich als Fan wahrscheinlich davor der Wahrheit ins Auge zu sehen und zu bekennen, dass Ittenbach nicht besser, sondern eher schlechter geworden ist und NO REASON ein für alle Mal beweist, dass der Meister seinen Zenit längst überschritten hat. Vergleicht man das neueste Ittenbach-Werk mit den aktuelleren Rose-Produktionen (z.B. UNRATED- THE MOVIE) könnte man beinahe meinen, dass die Filme vom einstigen Schüler Rose mittlerweile mehr Spaß machen.
Ich bin ja selbst ein größerer Freund von Ittenbachs Frühwerken als ich es von den neueren Machenschaften bin. PREMUTOS, BLACK PAST und BURNING MOON liebe ich über alles. Dennoch war NO REASON der erste Ittenbach seit langem, der mich mal wieder so richtig bei den Eiern gepackt hat und mich an die Qualitäten des Splatteronkels erinnert hat. Aus dem dullen Einheitsbrei der Direct-to-DVD-Landschaft sticht der Streifen zweifelsohne allein dank seiner Unkonformität und der brachialen Gewaltdarstellung heraus. In Bezug auf letzteres macht dem alten Itti nämlich noch lange keiner was vor. Das einzige, was Ittenbach zu fehlen scheint, ist ein größeres Budget. Mann Olaf, wie wär’s!? Rühr mal 50 Liter weniger Kunstblut an und verzichte auf zwei-sechs Latexgliedmaßen, damit du dir mal 'nen anständigen Kameramann und evtl. sogar 'nen Drehbuchschreiber leisten kannst!

Was gibt’s noch Erwähnenswertes: Die Schauspieler machen ihre Arbeit überaus gut. Unter ihnen Andreas Pape (KETTENSÄGEN ZOMBIES, SPACE WOLF), wie immer Ittenbachs Frau Martina und in einer Nebenrolle ein sich mit der deutschen Sprache äußerst schwer tuender Herr namens Timothy Balme, der breiten Masse wohl eher bekannt als der Lionel aus Peter Jacksons BRAINDEAD. Der abgefahrene Plot übersteigt jedoch eindeutig das Können der Darsteller. Sie können, ebenso wenig wie die billigen Sets und die restliche Ausstattung, mit dem surrealistisch angehauchten Höllentrip mithalten. Das Ergebnis: unfreiwilliger Humor, der neben der todernste Stimmung des Films leider etwas störend wirkt.

Splatter:                                                               (+)(+)(+)(+)(?)
Story:                                                                    (+)(+)(?)(-)(-)
Hoffen, dass die Uncut-Fassung
nicht allzu lange auf sich warten lässt:         (+)(+)(+)(+)(+)


Ein sehr kryptisches und unkonventionelles Machwerk, zumindest auf den ersten Blick und für Ittenbach-Verhältnisse. Der finale Twist mit der philosophisch und moralisch angehauchten Botschaft rundet das Gesamtergebnis aber prima ab. Über das billige Flair können leider nur die gottgleichen Special-FX hinwegtäuschen.
Fazit:
Ittenbach kann’s immer noch! Auch wenn man vieles hätte besser machen können und die Zweifel im Hinterkopf immer lauter werden, der Streifen rockt – Basta!
Einwände?? Ich hör' dich nicht, ich hör' dich nicht! LALALA LALALALA...


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