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Turm der lebenden Leichen (1972)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 20.08.2017, seitdem 81 Mal gelesen



Adam: "Well, there's one thing that's certain."
Dan: "What's that?"
Adam: "That this is not the luckiest island in the world, is it?"
Hamp: "That'd be true. Snape Island never brought anything but unhappiness and tragedy for anyone."


Zwei verschiedene Gruppen Menschen statten der unwirtlichen Felseninsel Snape Island zu unterschiedlichen Zeiten einen verh√§ngnisvollen Besuch ab. Die eine besteht aus vier amerikanischen Teenagern, die nach einem Jazz-Festival ein prickelndes Abenteuer suchen, die andere ist ein kleines, bunt zusammengew√ľrfeltes Team aus Arch√§ologen, welche auf der Insel verborgene Sch√§tze der Ph√∂nizier vermuten. Als Tower of Evil beginnt, hat die jungen Amerikaner ihr grausiges Schicksal bereits ereilt. Gary (John Hamill, Trog), Des (Robin Askwith, Horror Hospital) und Mae (Seretta Wilson, Psychomania) sind tot, ihre leblosen K√∂rper auf der kleinen Insel verstreut. Lediglich Penelope (Candace Glendenning, Satan's Slave) hat den Abstecher nach Snape Island √ľberlebt, allerdings konnte ihr fragiler Geist den erlebten Schrecken nicht verarbeiten und ist in den Wahnsinn gefl√ľchtet. Da√ü etwas Gr√§√üliches passiert ist, steht also schon nach wenigen Minuten fest. Wie es dazu gekommen ist, da√ü der eine aufgespie√üt an der Wand endet, da√ü der zweite am felsigen Strand regelrecht abgeschlachtet wurde und da√ü die dritte nackt am Steinboden im oberen Bereich des schmucklosen Leuchtturms liegt, wird im weiteren Verlauf des Filmes nach und nach enth√ľllt.

Die Arch√§ologen wissen √ľber das Massaker Bescheid, wagen sich aber dennoch nach Snape Island. Schlie√ülich kam der ermittelnde Polizist zum Schlu√ü, da√ü Penelope in einem Anfall von wahnsinniger Raserei ihre Freunde get√∂tet hat. Begleitet werden Adam (Mark Edwards, Blood from the Mummy's Tomb), Dan (Derek Fowlds, Frankenstein Created Woman), Nora (Anna Palk, The Nightcomers) und Rose (Jill Haworth, The Mutations) von einem Detektiv namens Brent (Bryant Haliday, Devil Doll), der denkt, da√ü an der ganzen Sache etwas faul ist, sowie von Hamp (Jack Watson, Schizo) und dessen Neffen Brom (Gary Hamilton), welche die Besucher mit ihrem Boot auf das Eiland bringen. Die sieben Menschen w√§hnen sich alleine auf der Insel, doch bald schon mehren sich die Zeichen, da√ü dem nicht so ist. Und da√ü von der unerbetenen Gesellschaft m√∂glicherweise eine t√∂dliche Gefahr ausgeht. Anfang der 1970er-Jahre befand sich der britische Genrefilm im Umbruch. Der √ľbernat√ľrliche (Fantasy-)Horror aus dem Hause Hammer Films, jahrelang ein verl√§√ülicher Erfolgsgarant, war pl√∂tzlich pass√©, auch wenn das Studio das vorerst nicht wahrhaben wollte und im Jahre 1972 mit Vampire Circus¬†(Circus der Vampire) und Dracula A.D. 1972 (Dracula jagt Mini-M√§dchen) gleich zwei neue Vampirstreifen in die Kinos brachte.

Der √ľberwiegende Teil des Publikums hatte genug von den klassischen Schreckgestalten; Graf Dracula, Baron Frankenstein (und dessen Kreatur), die Mumie und wie sie alle hei√üen, sie wurden verdr√§ngt von einer neuen Art von Horror. Einer realistischeren, grimmigeren, garstigeren Art von Horror. Im selben Jahr wie Tower of Evil schuf Alfred Hitchcock Frenzy, pr√§sentierte Pete Walker The Flesh and Blood Show¬†(Im Rampenlicht des B√∂sen) und drehte Gary Sherman Death Line¬†(Tunnel der lebenden Leichen). Dagegen kamen Vampire nicht an, und die goldene √Ąra der Hammer Films war damit Geschichte. Tower of Evil ist beileibe nicht der beste britische Schocker des Jahres, aber Regisseur Jim O'Connolly (The Valley of Gwangi), der George Baxts ersten Drehbuchentwurf komplett umschrieb, gelangen einige erstaunlich effektive Momente puren Horrors. Die Er√∂ffnungsszene, beginnend mit einer ungeheuer stimmungsvollen Luftaufnahme des Leuchtturm(modell)s, der unheildr√§uend aus dem nebelverhangenen Felsboden der Insel emporw√§chst, ist gro√üartig. Die n√§chsten Minuten, in welchen zwei M√§nner die Insel erkunden und unter anderem √ľber die Leichen der Touristen stolpern, sind ebenso toll. Gekr√∂nt wird diese so unheimliche wie grausige Einleitung mit zwei ganz famosen Schocksequenzen, die einen auch heute noch unwillk√ľrlich zusammenzucken lassen.

Leider erreicht Tower of Evil das Niveau dieses furiosen Beginns in weiterer Folge nur noch ein einziges Mal, und zwar als Penelopes Schilderung der Ereignisse im Rahmen einer psychedelischen Hypnotherapie den H√∂hepunkt erreicht. Da knallt uns O'Connolly gekonnt eine derma√üen effektiv zusammengeschnittene Szenencollage des Gemetzels vor den Latz, da√ü man v√∂llig baff ist und nur anerkennend staunen kann. Diese paar wuchtigen Sekunden schaffen es eindringlich, das Grauen, dem Penelope ausgesetzt war, f√ľhlbar zu machen. Da wundert man sich dann auch nicht mehr, wieso sie den Verstand verloren hat. Der Rest des Filmes steht dann v√∂llig im Schatten dieser fulminanten Sequenz. Das soll jetzt nicht hei√üen, da√ü die zweite H√§lfte des Streifens schlecht w√§re, aber man hat irgendwie das Gef√ľhl, da√ü die Luft etwas raus ist, zumal nach diesem H√∂hepunkt f√ľr einige Zeit kaum etwas von Belang passiert. Ein klarer Fall von zu fr√ľh verschossenem Pulver. Aufgrund der nicht uninteressanten Figurenkonstellation, der erstklassigen (Studio-)Location, den guten Schauspielern und des bis kurz vor Ende nicht v√∂llig gel√ľfteten Mystery-Elements bleibt man als Zuschauer gerne dran, nicht zuletzt, weil die Geschichte mit diversen gef√§lligen Exploitationzutaten wie nackte Haut, recht blutige Morde und makabre Nahaufnahmen (etwa einer schleimigen, verfaulenden Leiche) gew√ľrzt ist.

Wie Mario Bavas im Jahr zuvor entstandener Reazione a catena¬†(Im Blutrausch des Satans) nimmt auch Tower of Evil vieles von dem vorweg, was im popul√§ren Genre des Slasherfilms, welches nach Halloween (1978) und Friday the 13th (1980) erst so richtig zu voller Bl√ľte reifte, zum Standard z√§hlen wird. Ein begrenzter Schauplatz, ein irrer Killer, kreative und blutige Mordtableaus, weibliche Br√ľste, ein Final Girl, das es mit dem Scheusal aufnehmen mu√ü... das alles wird hier schon recht ansprechend in Szene gesetzt. Selbst die in Filmen dieser Art fast schon allgemeing√ľltige Regel "Sex bedeutet Tod" wird hier bereits etabliert (freche Ansagen wie "What's a girl to do when her husband's away? Masturbation is so boring!" erh√∂hen die Lebenserwartung der Frau, welche diesen Spruch losl√§√üt, nicht unbedingt). Positiv hervorzuheben ist die Idee mit den ph√∂nizischen Artefakten respektive dem Altar zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Baal, welche das unheimliche Flair, das Snape Island umgibt, noch ein wenig verst√§rkt. Auch in Punkto unheilschwangerer Atmosph√§re kann Tower of Evil √ľberzeugen; man sp√ľrt quasi das Verderben, das √ľber die Besucher hereinbrechen wird, lange bevor es soweit ist. Die reichlich angestaubten Make-Up- und Gore-Effekte sind okay (ein Gl√ľck, da√ü Desmond Dickinsons Kamera nicht zu lange draufh√§lt), und auch Kenneth V. Jones' Score ist recht ordentlich geraten.

Und ordentlich ist auch das passende Wort f√ľr den Film. Tower of Evil ist gute, kurzweilige Horrorkost mit so manchem denkw√ľrdigen Moment. Schade ist nur, da√ü der Film ab etwa der Mitte die sichere und konventionellere Route w√§hlt und viel zu fr√ľh zum H√∂hepunkt kommt. Das gelungene Finale entsch√§digt dann jedoch wieder f√ľr dieses Malheur sowie f√ľr den einen oder anderen Durchh√§nger.

PS: Egal, wie intensiv man sucht, aber man wird in Tower of Evil trotz der deutschen Titel Turm der lebenden Leichen bzw. Devil's Tower - Der Schreckensturm der Zombies keine lebenden Toten finden.


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