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A-Team - Der Film, Das (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 13.08.2010, seitdem 2687 Mal gelesen



„Kein einfacher Plan"

Mit den Leinwandadaptionen beliebter TV-Serien ist das immer so eine Sache. Einerseits profitiert man enorm vom Bekanntheits- und Popularitätsgrad des Originals, womit Marketing und Werbung wie von selbst laufen und die nicht immer einfach zu weckende Neugier gratis dazu geliefert wird. Schließlich will jeder wissen, inwiefern sich Geist und Emotion der oft kultisch verklärten Kindheitserinnerungen wiederbeleben lassen.
Genau darin liegt aber auch das große Problem. Die wenigstens würden diesen Serien im Erwachsenenalter noch irgendetwas abgewinnen können, wenn sie genau so über den heimischen Bildschirme flackern würden, schließlich haben Sehgewohnheiten und eigene Vorlieben sich zwangsläufig meist stark verändert. So gesehen muss der schwierige Spagat gelingen, an die nostalgischen Gefühle der Fans zu appellieren und trotzdem eine dem modernen Kino angemessene Form zu finden. Bleibt man zu nahe am Vorbild, besteht die Gefahr der Lächerlichkeit und/oder Langeweile. Entfernt man sich zu weit, muss man sich der berechtigten Frage stellen, warum man nicht gleich einen Originalfilm gedreht hat.

Trendsetter für diese Relaunch-Welle war eindeutig die immens erfolgreiche Kinoversion von Mission: Impossible. Bei I Spy war das Ergebnis schon um einiges ernüchternder. Absolute Tiefpunkte dieses Recycling-Wahns sind aber zweifellos der uninspirierte Neuaufguss von Mit Schirm, Charme und Melone sowie die beiden unsäglich überkandidelten und strunzdummen Drei Engel für Charlie-Knallbonbons. Trotz solcher Flops setzt Hollywood allerdings nach wie vor unbeirrt auf diesen eher klapprigen Gaul. Neuestes Verwurstungsopfer ist Das A-Team. Ein nicht gerade leichtes Unterfangen, erlangte die Serie um eine vierköpfige Spezialeinheit ehemaliger Elitesoldaten doch vor allem aufgrund schräger Einfälle und skurriler Situationen ihren Kultstatus, beides sicherlich nicht unbedingt erste Wahl um ein modernes Massenkinopublikum zu ködern.

Wenig überraschend ist davon im fertigen Film auch nicht allzu viel zu sehen. Vielmehr arbeitet Regisseur Joe Carnahan mit maßloser Übertreibung und irrwitzigen Actionszenarien um dieses Manko wett zu machen. Einsamer Höhepunkt in dieser Hinsicht ist ein aus einem abgeschossenen Flugzeug stürzender Panzer, den die vier Helden durch mehrmaliges Abfeuern seines Geschützes an Fallschirmen schwebend in einen See lenken, aus dem sie dann nahezu unversehrt zur Fortsetzung ihrer Mission hinaus tuckern. Trotz eines augenzwinkernden Grundtons und immer wieder durchschimmernder Selbstironie ist diese Dampfhammervariante eines Grundelements der Serie dann doch eine Spur zu großkotzig.
Auch der zu lösende Fall bewegt sich in ganz anderen Dimensionen als die wesentlich bodenständigeren Aufträge in der TV-Version. Hier gilt es nicht dem einfachen Bürger gegen profane Kriminelle beizustehen, sondern eine groß angelegte Verschwörung um im Irak entwendete Dollar-Druckplatten aufzudecken, in die nicht nur das amerikanische Militär, sondern auch die CIA verwickelt ist.

Handlung und Action folgen also dem simplen Prinzip „Schneller, größer, lauter", bleiben noch die Charaktere. Liam Neeson gibt den ergrauten Anführer Colonel John „Hannibal" Smith als bärbeißigen, nie um einen flotten Spruch verlegenen Strategen und kommt damit George Peppards Interpretation recht nahe. Umsichtige Planung und nüchterne Situationsanalyse gehören ebenso zu seinem Repertoire, wie verbale Provokation des Gegners und Risikobereitschaft.
Auch Hangover-Star Bradley Cooper hat sein Rollenvorbild Dirk Benedict offenbar genau studiert. Lieutenant Templeton „Face" Peck ist ein unverschämt gut aussehender, stets freundlicher Womanizer, dessen umgängliche Art schnell Vertrauen schafft und deshalb prädestiniert ist, die jeweiligen Gegner einzulullen und zu täuschen. Darüber hinaus ist er ein geborenes Organisationstalent, der auch die ausgefallensten Ausrüstungswünsche Hannibals problemlos beschaffen kann.
Der vermeintlich geisteskranke Captain „Howling Mad" Murdock beherrscht Fluggeräte aller Art und überrascht Freund wie Feind Genre mit unkontrollierten Ausbrüchen und unorthodoxem Verhalten. Sharlto Copley macht seine Sache ganz gut als Team-Clown und steht dem Original Murdock Dwight Schultz in Sachen Wahnsinn in nichts nach.
Bleibt noch Sergeant Bosco Albert Baracus, kurz B.A. für „Bad Attitude", hier sind allerdings die Fußstapfen die Mr. T hinterlassen hat Kratergroß. B.A. war und ist die bekannteste und beliebteste Figur des Teams, ein Umstand der seinerzeit dazu führte, dass der eigentliche Hauptdarsteller und damit eifersüchtige George Peppard und Mr. T nicht mehr direkt kommunizierten. Ähnliche Probleme dürfte es zwischen Neeson und Jackson kaum geben. Quinton Jackson müht sich zwar redlich als muskelbepackter, von dauernder Flugangst gepeinigter Mechaniker mit Irokesenschnitt und patentierter schlechter Laune, reicht aber zu keinem Zeitpunkt an die Präsenz und den eigenwilligen, selbstironischen Charme seines Vorgängers heran.
Insgesamt ist die Figurenzeichnung aber durchaus gut gelungen und erstaunlich nah am Original. Leider nimmt Joe Carnahan seine Figuren über weite Stecken viel zu Ernst, was nicht nur in einem solch völlig überzogenen Szenario häufig unfreiwillig komisch wirkt, sondern leider auch das durchaus vorhandene komödiantische Potential seines perfekt zusammengestellten Casts viel zu selten ausschöpft.

Das A-Team ist als Gesamtpaket keinesfalls so schlecht, wie es das dürftige US-Einspiel (unter 80 Millionen Dollar) oder der engagierte Regisseur (Carnahan hat das müllige Tarantino-Plagiat Smokin´ Aces verbrochen) vermuten lassen. Er ist aber auch nicht so gut, wie er hätte sein können, wenn etwas mehr Handlung, mehr Übersicht bei den hektisch geschnittenen Actionszenen und vor allem etwas mehr Witz Einzug gehalten hätten.
Nach einer launigen und knackigen Einführung der Teammitglieder verliert sich der Film immer mehr in überbordendem Krawall und vernachlässigt die spleenigen und augenzwinkernden Zwischentöne, welche die TV-Serie so unverwechselbar machten. Hannibals Zigarre, B.A.s schwarzer CMC-Van, Murdocks sprechende Socke und die Verfolgung der vier Helden durch die Militärpolizei sind nette Reminiszenzen, reichen aber nicht aus, um den Esprit des Originals wiederaufleben zu lassen.
Hannibals Standartspruch -„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" - wird den Produzenten der Neuauflage bisher sicher nicht so häufig über die Lippen gekommen sein. Allerdings hat auch das A-Team immer einen Plan B in petto und den gilt es dann eben in einer möglichen Fortsetzung umzusetzen. Ohne nüchterne Situationsanalyse und darauf reagierende Improvisation kommt schließlich auch Mastermind Hannibal nicht aus.


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