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A-Team - Der Film, Das (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 15.08.2010, seitdem 1567 Mal gelesen



Das Alpha-Team um Colonel John „Hannibal" Smith, bestehend aus Templeton „Faceman" Peck, Bosco „B.A." Baracus und H.M. „Howling Mad" Murdock, ist eine hochangesehene Eliteeinheit, stationiert im Irak. Kurz vor der Abreise aus dem Kriegsgebiet werden sie von dem CIA-Mann Lynch über eine letzte geheime Mission informiert. Dollar-Druckplatten sollen aus dem Besitz von Rebellen entwendet werden. Hannibal und seine Jungs führen den Auftrag aus - und werden anschließend von Mitgliedern der privaten Sicherheitsfirma Black Forest verraten und vor einem Kriegsgericht verurteilt. Doch das lässt das A-Team natürlich nicht auf sich sitzen, mit Lynchs Hilfe können sie entkommen und gehen die heikle Aufgabe an, ihren Ruf wiederherzustellen...

...aber los geht alles in Mexico, eben da, wo 1983 auch die Pilotfolge „Mexican Slayride" startete. Um einen verschwundenen Journalisten und seine besorgte Kollegin geht es aber freilich nicht. Der abtrünnige General Tuco will zur Strecke gebracht werden und das A-Team ist auch noch gar kein Team. Ein paar ganz coole Szenen mit Grinsen und Zigarre, dem Anklingen der altbekannten Titelmelodie, zusammengeketteten Kampfhunden, großmäuligen Sprüchen, krachenden Fäusten und schmucken Namenseinblendungen später jedoch sind Hannibal, Face und B.A. zumindest schonmal vorgestellt und gemeinsam mit dem cerebral ziemlich zerballerten Piloten Murdock starten sie in eine wilde Helikopterverfolgungsjagd, die für den einstigen Airborne-Ranger B.A. nicht folgenlos bleiben soll und deren explosives Ende Hannibal zum ersten Mal seinen Lieblingsspruch entlockt: »I love it when a plan comes together.« So weit, so gut und auch ganz nett: Hannibal plant, Face schlemt, B.A. kloppt, Murdock spinnt, passt soweit.

»Ten years ago, a crack commando unit was sent to prison by a military court for a crime they didn't commit. These men promptly escaped from a maximum-security stockade to the Los Angeles underground.« Vor und zwischen diesen zwei die einzelnen Episoden einleitenden Sätzen ist eine Menge Platz, und den versucht Joe Carnahans „The A-Team" zu füllen. Für das beinahe immer gleiche Schema der Serie, innerhalb dessen jemand in Not sich an die unschuldig verurteilte Kommandoeinheit wendet und gemeinsam gegen skruppellose Geschäftsleute und andere kriminelle Machenschaften vorgegangen wird, bleibt da erstmal kein Platz. Der Plot in A-Team Origins wird im Irak vom CIA-Mann Lynch losgetreten, der will Dollar-Druckplatten aus Bagdad beschafft haben, was Hannibal und Co. in einer spektakulären Lastwagenraubaktion auch gelingt, aber in einem Desaster für ihn, Face, B.A. und Murdock endet, als ihr General Morrison bei einem Anschlag getötet wird, die Druckplatten vom Black Forest-Söldner Brock Pike gemopst werden und das Alpha Team ungerechtfertigterweise vor ein Kriegsgericht muss, unehrehaft entlassen und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wird.

Mit massakrierten Tante-Emma-Ladenbesitzern und Schönheiten vom Lande in Bedrängnis hat das „A-Team" 2010 nichts am Hut, der gutmenschliche Ansatz, den Unterdrückten mit Kraft und Tat zur Seite zu stehen und zu unhinterfragter, da moralisch gerechtfertigter Selbstjustiz zu greifen, der der Serie ihren harmlosen Charme verlieh, kann der Film also nicht bieten. Was er ersatzweise im Angebot hat ist da leider weniger sympathisch und (einen natürlichen Gerechtigkeitssinn beim Serienfan voraussetzend) weniger involvierend. Hier gilt nun zunächst die Ehre der Uniform, die Wiederherstellung des für's Vaterland erkämpften Rufes und für ein militärfernes und ideologisch weniger nah am Ethos der Armee positioniertes Publikum kommt das teils reichlich zackig und pathetisch rüber. Was wohl auch noch zu verkraften wäre, wenn die Geschichte selbst nicht total uninteressant und in jedem Glied ihrer Konstruktion austauschbar präsentiert wäre. Mit Schlagwörtern wie altmodisch oder Hommage an das Flair der Vorlage ist das nicht zu entschuldigen, wenn jede Wendung lange vor ihrem Passieren bereits im Schaufenster präsentiert wird und der unnötig verkomplizierte Plot mit seinen viel zu willkürlichen und lieblosen Wechseln zwischen Bündnis und Verrat einfach nicht vom Fleck kommt.

Das, was an der Geschichte unspektakulär aber genreüblich natürlich auch ein Stück weit vernachlässigbar ist (auch bei der Serie standen ja schließlich nicht wirklich die ausgetüftelten Storylines im Vordergrund), versucht „The A-Team" auf den üblichen Wegen eines Hollywood Sommerblockbusters auszugleichen: krachen und rummsen muss es! Abgesehen davon, dass Regisseur Caranahan Action oft mit Hektik vertauscht oder beides zu einem Brei zusammenmatsch, also quasi Hection fabriziert, funktioniert das für sich genommen ganz ordentlich. Die Helijagd zu Anfang, der Überfall des A-Teams auf den Druckplattentransport, der Flugzeugabsturz mit Panzer und der Showdown am Hafen von L.A. - das sind schon recht ansehnliche, teils mies getrickste, aber damit (ähnlich wie „G.I. Joe") die Absurdität der over-the-top-Aktionen unterstreichende Sequenzen. Nur passen sie nicht ins Setting. Die Hectionszenen aus „The A-Team", besonders der Schluss mit seinem kollabierenden Frachtschiff, würde sich gut im „Terminator"-Franchise oder einer Comicverfilmung machen, irgendwo da, wo un- oder übermenschliche Wesen und Kräfte aufeinander losgehen. Gewöhnliche, wenn auch kampferprobte und spezialisierte, letztlich aber ans ganz einfachst fleischliche und dadurch begrenzte gebundene Menschen, wie es Hannibal, Face, B.A. und Murdock eben doch sind, wirken zwischen herabkrachenden Containern und an Seilen über gewaltige Explosionen hinwegschwingend halt deplatziert.

Das kann man zum Teil leider auch von den neuen Gesichtern des A-Teams behaupten. Stand Februar 2001 gab es einst Besetzungsgerüchte um Mel Gibson, Christian Bale, Ving Rhames und Jim Carrey, wie diese damalige Traumbesetzung sich geschlagen hätte ist natürlich rein spekulativ. Immerhin klingen Namen wie Liam Neeson (nicht die gewöhnlichste, spätestens nach „Batman Begins" und vor allem „96 Hours" aber auch keine abwegige Wahl), Bradley Cooper (im Moment sicher mit am nächsten dran am typischen Beau mit Player-Attitüde) und Sharlto Copley (nach seinem starken Auftritt in „District 9") auch nicht viel schlechter, einzig bei Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Quinton „Rampage" Jackson waren Zweifel angesagt, wobei er aber auch am wenigsten mimisch gefordert hätte sein sollen. Nur ist Jackson schon mit dem geforderten überfordert, zum Beispiel mit der dulligen Anti-Gewalt- und Glaubens-Attitüde, die B.A. zwischenzeitlich verpasst wird. Ob als Wink an den wiedergeborenen Christen Mr. T, der nach der Heilung seines Lymphknotenkrebses den Gottesglauben predigt, oder einfach nur so eingebaut, Jackson versagt in jeder Szene, die mehr Emotion als seine Faust in Magen oder Gesicht des Gegners von ihm fordert. Zumindest optisch passt's. Der ergraute Neeson spielt meist eine Spur zu grantig und verbissen, überlegene Gelassenheit wäre wohl auch nicht jeder Lage angebracht, fehlt seinem Hannibal aber schon sehr. Cooper... ja, der ist schon ok, seine irgendwie ziehsohnmäßige Beziehung zu Hannibal ist genauso oberflächlich, wie die obligatorischen Frauengeschichte, auch, weil ihr gemeinsamer Hintergrund noch über den Film hinausreicht. Schlicht zu kurz kommt Copley, der nie so richtig Bindung ans Team zu finden scheint und dessen Verrücktheiten sich auf quasselige Sprüche und abgedrehte Popkulturzitate begrenzen (die teils gar ihrer Zeit um Jahre voraus sind...). Jessica Biel sorgt für ein bißchen unterkühlten Sexappeal, der letztlich völlig verzichtbar gerät, Patrick Wilson steigert sich als CIA-Mann Lynch in eine seltsame Großspurigkeit.

Vor allem in der ersten Stunde werden sie ständig gesagt, gerufen und gebrüllt, die bekannten Namen: »Face! Hannibal! B.A.! Murdock! Face! B.A.! MurB.FaHannidockceB.bal!« Als müssten sich nicht nur die Darsteller gegenseitig, sondern auch der Film sein Publikum immer wieder daran erinnern, wen sie da eigentlich spielen, daran erinnern, dass man hier den großen „A-Team"-Film zu sehen bekommt. Andernfalls wäre davon auch nichts zu merken, denn wenn „The A-Team" eine Sache in voller Ausprägung ist, dann diese: austauschbar. Etwas eigenes, das man so nirgendwo sonst geboten bekommen würde, besitzt der Film nicht und dazu verhelfen ihm weder die überkandidelten Hection-Sequenzen (Hektik+Action=Hection), noch das unter- bis überforderte Darstellerquartett. Vom Ganzen separiert hat der Film seine unterhaltsamen Momente, sowohl was die Figuren, als auch die Inszenierung angeht, nur im gesamten mischen sich längere Strecken des Leerlaufs ein, zu der die schnarchige Story und die Undynamik des Teams mit den viel zu seltenen Reibungen der Charaktere beitragen.


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