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A-Team - Der Film, Das (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 28.03.2011, seitdem 937 Mal gelesen



Groß budgetierte Verfilmungen von altgedienten TV-Serien sind ja immer wieder gern lang gehandelte Güter und kommen meistens auf eine Wundertüte hinaus, die entweder schlußendlich die Nostalgie mit Füßen tritt oder das TV-Format in eine neue erfolgreiche, aber nicht selten stark veränderte Form überführt.
Mit der typischen 80er-Actionserie "Das A-Team" als Filmversion hatte man lange gespielt, so lange, bis der Kopf des Teams George Peppard schließlich diese Welt verlassen hatte und wirklich niemand mehr noch einen Cent auf so spezielle Charaktere wie Mr.T setzen wollte. Also mußte für das einfallsreiche, aber gewaltarme Quartett ein neuer Strauß Gesichter her und das machte nicht nur den Fans, sondern auch den Machern Sorgen. Einerseits mußten die neuen Gesichter funktionieren, andererseits das Erbe der Serie gewahrt bleiben, denn plotorientierte Flexibilität oder die Einführung von Superstars zum Ausgleich wie im Fall von "Mission Impossible" war hier nicht zu machen: hier wollte jeder die wiedererkennbaren Figuren.
Es muß sich ein Mann wie Liam Neeson, ein Charakterdarsteller, sich also zum Actionveteran umstrukturieren, ein Mr.T-Lookalike gefunden und ein smarter Typ wie Bradley Cooper aufgebaut werden, um dem neuen Team Leben einzuhauchen, auch wenn das Mißtrauen blieb.
Doch schlußendlich packte man all das in den Film hinein, was nach Ansicht von Fans und Produktion hinein gehörte: bekannte Darsteller, jede Menge Spaß und wild wuchernde Actionsequenzen, dazu die gewissen Elemente, die die Serie prägten und die Fans wiederzufinden erwarteten. Als da wären: der bekannte Spruch, daß man es "liebt, wenn ein Plan funktioniert", Baracus' Flugangst, Murdochs Verrücktheiten, der Charme von "Face"; die Backstory mit der in Ungnade gefallenen Militäreinheit und die Raffinesse im Planen und Durchführen kurzzeitiger riskanter Rettungspläne.
Das einzige Element, daß der Feder der Autoren teilweise zum Opfer fallen mußte, war das schon in der Serie enorm bemüht wirkende Auslassen tödlicher Gewalt. Schon in den Serienfolgen hatte man trotz höchstem Automatikwaffeneinsatz darauf verzichtet, die bösen Gegner zu meucheln, was man sich in der Filmversion dann präventiv ersparte, damit es nicht gänzlich kindlich wirkte. Tatsächlich arbeitete man aber vorsichtshalber sogar dieses Pazifismusmotiv mit in den Plot, als der in der Haft geläuterte B.A. Baracus mitten im Film dem Töten abschwört: offenbar eine Konzessionsentscheidung.

Und so wirklich letztendlich der gesamte Film: wie eine Konzession an alle, denen man es Recht machen wollte. Schließlich durfte man ein recht ordentliches Budget in den Actionszenen verpulvern, verstärkten CGI-Einsatz animieren und auch noch Stars fürstlich bezahlen, damit dann auch jeder das bekam, was er bei der Bestellung zu erwarten hätte.
Tatsächlich stellte der Film aber gar nicht die Kernfans zufrieden, die mit personellen Umstellungen sowieso nicht klar kommen, sondern nahmen das Werk mehr mit einer "Besser-als-Nichts"-Haltung entgegen. Die Actionfans hatten im Gegensatz dazu mehr von der Sache, denn was es hauptsächlich zu entdecken gab (vor allem in der stark um Dialoge und Charakterausformung geschnittenen Kinofassung), war eine Montage wild-hysterischer und total unwahrscheinlicher Actionszenen, die den naiven Spaß zugunsten von Bombast ablösten.
Festhalten konnte man sich nur an den bemüht nachgestellten Figuren, die zwar nicht zu Karikaturen gerieten, aber dennoch mehr Mittel zum Zweck waren, den komplett in einen Film gestopften Serienplot auf Kurs zu halten. Die dramaturgischen Gewichtungen verschoben sich im Vergleich zur Serie dabei stark. Neesons "Hannibal" war eh mehr der bemühte Versuch, Peppard in draufgängerischer Launigkeit zu kopieren, was aber mit zunehmender Laufzeit immer mehr dahinschrumpft, weil das Skript sich im Vergleich zur Serie mehr und mehr auf Bradley Coopers "Templeton Peck" konzentriert. Den Charme der Sidekicks tauschte man auch aus, denn wo in der Serie Dwight Schultz den grimmigen Mr.T dominierte, wirkt der bulligen Quinton "Rampage" Jackson überraschenderweise enorm charmant, während Sharlto Copley als "Howling Mad Murdoch" leider nie irgendein unterhaltsames Profil entwickeln kann, wie er es etwa noch in "District 9" schaffte.

Doch am Ende hakte man eh nur Plotelemente ab, um einen abendfüllenden Film vollzubekommen, stellt die Bildung des Teams nach, läßt sie dann in Ungnade fallen und anschließend zu der flüchtigen A-Team-Einheit werden, ehe das Finale den normalen Status Quo wieder herstellt, zumindest soweit, wie man in Bezug auf eine mögliche Fortsetzung gehen konnte. Damit umgeht man die Beliebigkeit der Serienhandlung (die hier gar nicht stattfindet), schlachtet stattdessen jedoch nur "action set pieces" aus, die gut aussehen und viel Bruch machen, was dem Charme der Serie nicht entgegenkommt.
Anstelle eines sie ständig verfolgenden Militärs hat man den Plot dann noch mit der einzigen Frauenfigur ergänzt, eine robust-sarkastische Jessica Biel, die zwischen Pflichterfüllung und Faszination hin- und hergerissen ständig einen Schritt zu spät kommt. Daß sie noch den meisten Witz transportiert, wird in der längeren "extended"-Fassung deutlich, die ihr einige vergnügliche Szenen gönnt, die der Serientradition wesentlich angemessener sind. Ebenfalls etwas Humor synthetisiert der Film noch aus seinen beiden CIA-Schurken Pike und Lynch, die sich an der eigenen Verdorbenheit erfreuen und ansonsten trocken über die Absurdität des Geschehens herziehen, aber gegen die Aura der Helden leider kaum bestehen können.

Alles anders zu machen und dennoch das Althergebrachte vorsichtig zu bewahren, kann natürlich nicht befriedigend klappen, vor allem wenn man einen Film von vornherein in zwei Versionen produziert, die jedem Geschmack gerecht werden sollte. Viel Radau ist eine feine Sache, aber totale Absurdität ist wiederum eine andere (der Fallschirmsprung eines Panzers aus einem Flugzeug samt rettenden Sturz in einen See ohne jede Verletzungen zählt vermutlich zu den surrealsten Einfällen) und die Spielfreude der Darsteller kann nicht verhehlen, daß man in einem mechanischen Vehikel feststeckt, das Teenager zuballern und Altfans kumpelhaft bei der Stange halten soll.
Man kann dem Film nicht wirklich böse sein, aber selten hat man so viele Plotelemente in so viele Actionsets gestaucht, um gleichzeitig noch einem halben Dutzend Hauptdarsteller einigermaßen gerecht werden zu wollen - das kann einfach nicht klappen.
Heißt: hängen bleibt da irgendwie gar nichts, es sei denn man steht auf die ganz große Zerstörungsorgie mit großen Sprüchen. Für den kultigen Actionspaß glänzen hier, wenn überhaupt, leider nur die falschen Leute und das genügt leider nur für eine Kurzzeitgedächtnisanregung, morgen ist die Chose vergessen und der nächste Typ mit den ganz großen Kalibern steht schon im Flur. (5,5/10)


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