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Cabin in the Woods, The (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 07.08.2012, seitdem 2556 Mal gelesen



Mit „The Avengers“ räumte Joss Whedon jüngst so richtig ab, den von ihm und Drew Goddard geschriebenen „Cabin in the Woods“ wollte in den USA allerdings kaum einer sehen – zu intelligent für die amerikanischen Horrorfans, wie böse Zungen urteilten.
Es beginnt relativ untypisch für einen Teenhorrorfilm: Sitterson (Richard Jenkins) und sein Kollege Hadley (Bradley Whitford) quatschen in einer unterirdischen Einrichtung über ihr Privatleben, aber auch über bevorstehende Aufgaben. Details werden keine genannt, auch keine genretypischen Signalworte (wie ausgebrochene Forschungsobjekte) erwähnt, stattdessen einfach nur Flurpalaver, dessen Banalität ebenso irritiert wie Interesse weckt.
Darauf wird es dagegen jedoch vollkommen generisch, wenn eine Gruppe von Studenten aufbricht um den Urlaub in einer Waldhütte zu verbringen: Die unschuldige Dana (Kristen Connolly), ihre beste Freundin Jules (Anna Hutchison), offenherzig (und natürlich blond), deren Freund, der sportliche Curt (Chris Hemsworth), sein belesener Kumpel Holden (Jesse Williams) sowie der Kiffer Marty (Fran Kranz). Damit man das typische Figureninventar zusammen, das auf einen prophetisch labernden Tankwart trifft und in einer Waldhütte nächtigt, der allerdings die „Evil Dead“-typische Verandaschaukel fehlt.

Für die Figuren unsichtbar, für den Zuschauer umso klarer allerdings ist die Tatsache, dass Sitterson, Hadley und ihre Mitarbeiter die Teenies beobachten, das Geschehen sogar steuern – und dass sie auf die Einhaltung der Genreregeln des Teenhorrorfilms achten…
Im Gegensatz zu den immer wieder zum Vergleich herangezogenen „Scream“ ist „Cabin in the Woods“ nur bedingt ein Film, der sein Genre gleichzeitig parodiert und bedient. Sicher, er arbeitet nicht mit „Scary Movie“-Ulk, aber Freunde des klassischen Horrors werden weniger bedient. Es gibt ein paar Schockszenen, es gibt Morde, es gibt Blut (im Finale sogar ordentlich, wenn der Film Splatterzüge annimmt), doch ein klassischer auf Spannung gezirkelter Teenhorror ist „Cabin in the Woods“ nicht, zu deutlich steht das Metakonzept im Vordergrund.

Was jedoch kein Nachteil ist, denn Whedons und Goddards Film ist über weite Strecken unheimlich smart, braucht Vieles gar nicht auszusprechen. Dass Sitterson und Hadley die Geschehnisse steuern wie Regisseure und Drehbuchautoren, dass sie auf Klischees und (inszenierte) Figurendummheit achtgeben, weil ein Publikum es so will, dass die Wetten und das Abfeiern gemordeter Teenies in der Einrichtung Fans im Kino und Videoabenden spiegeln – dies und mehr schwingt im Subtext mit, muss aber gar nicht erst ausgesprochen werden. Auch schön sind die wissenschaftlichen Erklärungen für dumme Blondinen, plötzlichen Hormonüberschuss und dumme Entscheidungen im Angesicht des Todes, eine Fundgrube für Genrefans ist die Szene im Keller der Hütte, in der die Protagonisten quasi jedes Artefakt zur Beschwörung von Unheil finden, von Schmuck über Tagebücher und Filmaufzeichnungen bis zu einer „Hellraiser“-artigen Puzzlekugel.
Whedon und Goddard haben das Genre genau studiert, den amerikanischen Teeniehorror, selbstironisch verweisen sie in einigen Szenen andere Genretraditionen wie den J-Horror, der Lovecraft-Kenner darf bei behutsamen Referenzen wissen den Kopf nicken. Und wenn der Film bei der Kellerszene zuerst Möglichkeiten verneinen mag, so bekommt der Zuschauer später mehr geliefert. *SPOILER* Es bleibt nicht bei den Zombie-Rednecks, nein, es gibt im Finale noch weitaus mehr an Monster und Mördern zu sehen. *SPOILER ENDE* Selbst da, wo der Film sich verweigert, ist er clever: *SPOILER* Endlich mal ein Film mit Zombies und einer Belagerung bei dem weder Schrotflinte noch Kettensäge zum Einsatz kommen. *SPOILER ENDE*

Das komödiantische Timing stimmt, die Effekte sind gerade angesichts des Budgets sehr überzeugend und wem der Film anfangs zahm erscheint, dem sei gesagt, dass Whedon und Goddard im Finale ordentlich die Kuh fliegen lassen. Doch auf den letzten Metern strauchelt „Cabin in the Woods“ dann etwas: Ein grandioser Cameo ist zu bewundern, doch es muss auf einmal alles zu Tode erläutert werden (wobei der Genrefan den Film auch ohne das Palaver verstehen würde), Hauptfiguren wechseln mehrfach ihre Meinung in den letzten Minuten des Finales – es scheint fast so als wäre den Machern unheimlich viel eingefallen, nur kein wirklich runder Schluss für ihren famosen Irrsinn.
Dafür wusste das Gespann Whedon-Goddard was es an seinen Darstellern hatte: Richard Jenkins und Bradley Whitford bekamen selten soviel Screentime wie hier und waren selten so gut wie hier, als Statler und Waldorf im unterirdischen Bunker sind sie ganz groß. Die Jungdarsteller sind recht überzeugend, wobei vor allem Kristen Connolly in Erinnerung bleibt, während Chris Hemsworth trotz durch die Bank weg guter Darbietungen nicht an seine Performances als Thor heranreicht. „The Shield“-Kenner dürfen sich zudem über eine Nebenrolle von Brian White freuen.

Im Abgang ist „Cabin in the Woods“ nicht ganz so stilsicher zuvor, so famos der Film auch mit Genremustern spielt, so detailverliebt er auch ausgestattet und inszeniert ist. Trotzdem: Der wohl smarteste Horrorfilm seit langen und ein gefundenes Fressen für Genrefans, die sich an Meta-Filmen wie „Scream“ und „Feast“ erfreuen können.


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