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Cabin in the Woods, The (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 22.08.2012, seitdem 1676 Mal gelesen



Kleinere Spoiler enthalten!

Was ist wahre Leidenschaft zum Horrorfilm? Das Herunterkurbeln der immer gleichen Abläufe, mal mehr, mal weniger originell verpackt und das willenlose Abnicken des ewig konsumierenden Publikums? Oder ist es das Aufzeigen und genüssliche Zurschaustellen aller Schwächen und Makel, die das Genre bis tief zurück in die 80er Jahre behaftet? Wes Craven hat diese Frage bereits gestellt, Drew Goddard und Joss Whedon beantworten sie. Mit geradezu chirurgischer Präzision legen sie die inneren Organe des Horrorkinos frei und beweisen, dass es nur noch durch Zerstörung zu retten ist. Dabei ist ihnen jedes Klischee lieb und billig, um eine große Inszenierung zu vervollständigen, die bis jetzt einmalig scheint.

Was als Hommage an "Tanz der Teufel" beginnt, entwickelt sich dabei rasend schnell zu einer Tour De Force, die wirklich jeden Aspekt abklappert. Relativ zügig wird nämlich klar: hier werden alle bekannten Motive aufgegriffen, eben weil wir Horrorfans sie so lieben. Hinterwäldler, Monster, dämliche Entscheidungen der Twens - alles dabei und doch ganz anders. Diesmal wird hinterfragt! „Wir sollten uns trennen, so können wir besser suchen." - „Wieso eigentlich?" Alleine dieser Dialog lässt die Zunge schnalzen und befreit, weil dieser Moment schon so lange überfällig war. Derlei Beobachtungen sind ständig zu verzeichnen, dass man Angst bekommt, man könnte etwas übersehen. Gespickt ist das Ganze noch mit vielen Überraschungen und bösen Pointen.

Der Spaß an „Cabin In The Woods" rührt dann ganz einfach daher, dass die Mechanismen des Horrors und das Reglement ganz offen angesprochen werden. Dabei bekommt jede Horrorkultur ihr Fett weg. Besonders gelungen dann auch die kurzen, aber treffenden Seitenhiebe auf das fernöstliche Gruselkabinett und deren merkwürdige Wirkung auf westliche Zuschauer.

Härtetechnisch geht es durchweg zur Sache, aber nie übermäßig brutal oder selbstzweckhaft. Blut und Splatter werden dezent und stilvoll eingesetzt. Das Infernal-Finale ist dann nur ausufernd, weil es eben eine weitere Konvention ist, die befriedigt werden muss. Gleichzeitig wird es aber ad absurdum geführt, wenn vor lauter Gemansche nicht mehr oben von unten unterschieden werden kann. Da treffen absichtlich mies anmierte Riesenschlangen (Asylum-Style) auf Killerclowns, dass es eine wahre Freude ist. Trotz allem wird am Ende ganz klar, dass es der ursprüngliche Horror ist, der Eindruck hinterlassen hat. Uralte Kreaturen, Geschöpfe wie aus dem Lovecraftschem Schaffen, die immer noch am meisten Schaudern lassen. Das man sich dabei bedeckt hält und so mancher Zuschauer deswegen enttäuscht sein wird, ist dann nur ein weiterer Grund, dieses Phänomen anzusprechen, wenn auch nur in einem Satz. Dieser lässt dann aber wohl jeden, der das Unbekannte liebt, grinsen.

Wenn der Abspann zu den Klängen von „Nine Inch Nails" abläuft, wird man mit einem zufriedenen Gefühl zurückbleiben. Man hat etwas neues gesehen, etwas originelles und das allein reicht schon völlig. Eine Fortsetzung wird gar völlig verneint. Bravo!


„Cabin in the Woods" ist kein Horrorfilm, es ist vielmehr ein Kommentar dessen, was wir am gespielten Schrecken lieben und welchen Blödsinn wir dafür immer und immer wieder in Kauf nehmen. Eine hintergründige Analyse, aber auch offensiv genug, um selbst dem letzten Denkfaulen zu zeigen, dass das Genre ewig auf der Stelle tritt. Die festen Regeln blockieren sämtliche Kreativität und liegen wie schwere Ketten an. Um diese zu sprengen, muss sich der Horror selbst überwinden.

„Tucker & Dale" haben es auf ulkige Art vorgemacht und hier wird es erbarmungslos auf die Spitze getrieben. Wer sich an so einer Zerstörungswut erfreuen kann, wird förmlich weggeblasen. Pflichtprogramm für jeden, der sich gerade wegen der Imperfektion so sehr am phantastischen Film erfreut.


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