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Cabin in the Woods, The (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 22.11.2012, seitdem 475 Mal gelesen



Wer glaubt, Wes Craven hätte das Meta-Potenzial im Horrorfilmgenre mit seiner „Scream-Reihe" (1996-2011) hinreichend ausgelotet, der wird von „The Cabin in the Woods" (2011) eines Besseren belehrt. Drew Goddard lädt sein Publikum dazu ein, über das Horrorgenre im Allgemeinen und die Rolle des Zuschauers im Speziellen zu reflektieren. Es gelingen ihm dabei einige bitterböse Kommentare, die unter anderem eine der stärksten Anfangs- und Schlussszenen des laufenden Kinojahres zur Folge haben. Bei aller Metaüberfrachtung stört es nur unwesentlich, dass er ein ganz entscheidendes Element vernachlässigt, das einen guten Horrorfilm ausmacht: Spannung.

Die zurückhaltende Dana (Kristen Connolly), der athletische Jock Kurt (Chris Hemsworth), die Schlampe Jules (Anna Hutchinson) der Schlaukopf Holden (Jesse Williams) und der Doper Marty (Fran Kranz) wollen in einer entlegenen Waldhütte die Sau raus lassen. Doch der Trip entwickelt sich für die Gruppe ganz anders als geplant. Eine mysteriöse Macht versucht sie, einen nach dem anderen umzubringen. Nach und nach decken sie die Hintergründe auf, die weit bizarrer sind, als sie sich jemals hätten träumen lassen.

Die erste Szene eines Films muss den Zuschauer packen. Das kann durch pures Spektakel passieren, oder, indem man dem konditionierten Zuschauer etwas serviert, das er partout nicht erwartet. Genau mit so einer Überraschung watet die Eröffnungsszene von „The Cabin in the Woods" auf. Damit werden gleich zwei Dinge selbst bei jenen Zuschauern erzeugt, die sich schon vorher darauf eingestellt hatten, keinen herkömmlichen 08/15-Backwoodslasher vorgesetzt zu bekommen. Konkret erzeugt die erste Szene in all ihrer grotesken Normalität, die schließlich durch eine donnernde Titeleinblendung konterkariert wird, gleichsam extreme Verunsicherung und maximale Aufmerksamkeit. Dieser filmische Schlag in die Erwartungshaltung des Publikums bildet den passenden Rahmen für die weitere Handlung von „The Cabin in the Woods". So wird eindrucksvoll klargestellt, dass die eingangs beschriebene Story, die bei anderen Genrevertretern nur von Einfallslosigkeit zeugen würde, hier eine pure Versuchsanordnung sein wird.

Dass die Figuren innerhalb dieser Versuchsanordnung, so schablonenhaft sie vorsätzlich auch gezeichnet sein mögen, trotzdem einigermaßen sympathisch und interessant bleiben, ist dem gelungenen Drehbuch zu verdanken. Dessen geschliffenen Dialoge und pointierten Szenen tragen überdeutlich die Handschrift von Joss Whedon („Buffy", „Firefly", „The Avengers"). Jeder Charakter der zum Untergang verdammten Jugendlichen wird mit mindestens einer Charaktereigenschaft ausgestattet, die über den normalen Stereotyp hinausgehen und zum moderaten Mitfiebern einladen.

Verdammt zu ihren Rollenklischees können die Hüttenbewohner allerdings kaum schauspielerische Akzente setzen. Von den Kids bleibt einzig Chris Hemsworth einigermaßen im Gedächtnis, der den Streifen bereits vor seinem Durchbruch als marvelscher Donnergott „Thor" (2011) abdrehte. Er schafft es, seinen einfach gestrickten Jahrgangs-Schönling und Quarterback in seiner im eigenen hemdsärmlich-jovialen Art wider erwartend sympathisch erscheinen zu lassen. Noch besser trifft es die perfekt geschriebenen Nebenrollen, bei denen vor allem das Duo Bradley Whitford und Richard Jenkins ein tolles Comedy-Timing beweist und einige bizarr-komische Momente beisteuern kann.
Inhaltlich werden -ganz ähnlich wie bei „Scream-Reihe" (1996-2011)- Genrekonventionen innerhalb der Spielfilmhandlung zunächst bewusst ironisch kommentiert, nur um sie in letzter Instanz doch zu bedienen. Vor allem im Zuge der Ereignisse in der titelgebenden Hütte geschieht dies in beeindruckender Weise clever logisch und dabei stets unterhaltsam. Regisseur Drew Goddard stellt so ganz offen seine Hassliebe zum Genre und dessen Fans zur Schau, indem er ihnen in letzter Konsequenz eine prinzipielle Kunstfeindlichkeit unterstellt. Denn letztendlich geht es in „The Cabin in the Woods" auch darum, dass das Publikum, das sinnbildhaft für den finalen Antagonisten im Film steht, keine Experimente und keine Abweichung von erprobten Schematas duldet. Klingt abgehoben? Ist der Film teilweise wohl auch, was das eher magere Boxoffice und die äußerst unterschiedlichen Bewertungen erklären könnte. Und einen weiteren Vorwurf muss sich „The Cabin in the Woods" gefallen lassen: Bei allen Qualitäten, die er unbestreitbar hat, spannend oder gar gruselig ist er kaum. Das mag man angesichts des offensiv vorgetragenen Subtext verschmerzen, aber gerade das spannende Element ist unzertrennbar mit dem Horrorgenre verknüpft. So schafft es Goddard denn auch bei der zwischenzeitlichen Flucht aus der Hütte nicht, den Spannungsbogen konsequent aufrechter zu halten. Dafür entschädigt dann aber ein unglaublich intensiver letzter Akt, der die Konfrontation zwischen den Überlebenden und den Antagonisten auf die Spitze treibt. Hier werden dem Zuschauer praktisch im Sekundentakt blutige (aber leider z.T. mäßig getrickste) Unglaublichkeiten um die Ohren geworfen und die Handlung zu einem äußerst konsequenten und kompromisslosen Ende geführt.
Kino, das sich Gedanken über das Kino macht. Für einen Film- und speziell Horrorfilmfan ist „The Cabin in the Woods" (2011) - um es mit den Worten des Films zu sagen- ein echtes Gottesgeschenk. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass er nach der Studiopleite von MGM über ein Jahr unvollendet in den Archiven schlummerte muss man für die verspätete Kinoauswertung besonders dankbar sein. Die weitestgehende Abwesenheit von Spannung wird durch die komischen Elemente, die zwischen Parodie und Satire pendeln, locker wettgemacht. „The Cabin in the Woods" ist verdammt mutiges und sehr unterhaltsames Besserwisserkino, das durch seine Konzentration auf die recht vordergründigen Metareflexionen einen Gutteil der angepeilten Zielgruppe allerdings eher ratlos und enttäuscht zurücklassen dürfte. Alle anderen dürfen sich freuen.

Daran werde ich mich noch lange erinnern: Das konsequente Ende.


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