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Cabin in the Woods, The (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 28.02.2013, seitdem 345 Mal gelesen



Sehr geehrter Herr Whedon, sehr geehrter Herr Goddard,


man kann ihnen wahrlich nur die Hand schütteln, zu diesem Erfolg. Nicht nur, dass Sie es geschafft haben in einem zwar beliebten aber auch stark kritisierten Genre ein Erfolg sowohl bei Kritikern als auch Publikum zu landen. Nein, Sie haben sich damit aus dem Tief der Serienschreiberlinge (LOST, Buffy, Angel, Alias, …) in den Olymp der respektierten Filmemacher katapultiert.

„… So intelligent, so unterhaltsam“, „genug mit dem Klischees“, „dieser Film wird das Genre verändern“, ja, die Herren Kritiker waren sich alle einig, Ihr Film wäre die bitter benötigte Frischzellenkur des Genres. Und doch ist es, wie bei so vielen Hypes: Sie schüren Erwartungen, die niemals erfüllt werden können.

Das liegt zunächst an dem gar nicht so intelligenten Aufbau der Handlung und der ersten Hälfte, die leider dann doch sehr nach Schema F verläuft. "Nun gut", könnten Sie nun erwidern, "das ist ja gerade der Witz." Eine Standardsituation zu entwerfen um sie dann geschickt zu unterwandern, aufzulösen und neu zusammenzusetzen.

Doch genau hier liegt ein erstes Manko: Wieder einmal ist es nicht gelungen, die Clique der jungen Wilden realistisch und frei von den üblichen Klischees zu zeichnen. Was bringt es, die Mechanismen des Horrorfilms durch Manipulation von außen zu erfüllen, wenn unsere 10 kleinen Negerlein von Anfang an aus dem Standardrepertoire eines jeden Genreflicks entnommen wurden, und somit gar kein Einfluss nötig wäre. Wie interessant wäre es doch gewesen, richtigen Menschen dabei zuzusehen, wie Sie in durchs Drehbuch vorgegebene Verhaltensweisen fallen. Zwar wird immer wieder darauf hingewiesen, unsere Protagonisten würden wider ihrem Verstand handeln, doch es bleibt eben reine Behauptung. Stereotype sind eben Stereotype.

Zum Glück kann sich der Zuschauer von diesem Manko durch zahlreiche, nicht immer hochmotivierte Genrezitate ablenken. Sei es nun die titelgebende Hütte, in deren Keller mit Sicherheit auch ein Tonband auf das Abspielen wartet, oder ein würfelähnliches Puzzle das gerne in fremde Dimensionen verführen würde. Warum es dann schlussendlich ausgerechnet Zombies (nun gut, Redneck-Zombies) sein müssen, die dem jungen Volk nach dem Leben trachten, enttäuscht gerade bei der angebotenen Artenvielfalt des Bösen (nicht nur mir wäre ein Wassermann definitiv lieber gewesen).

Während wir nun (endlich) dem erwarteten Sterben zusehen können, ebenso wie dem Metakommentar von Außen, könnte man fast vergessen sich eine entscheidende Frage zu stellen: Für wen wird das Alles eigentlich gefilmt? Sind wir Zuschauer etwa in Wirklichkeit der große Alte, bzw. Cthulhu, bzw. das elementare Böse? Und wenn ja, in welcher verdammten Parallelwelt spielt das dann? Oder machen wir es uns zu schwer und Ihnen, meine Herren, zu leicht? Würde die innere Logik der Geschichte nicht verlangen, dass auch mal zwei Helden oder am Ende gar keiner das Schlachtfest lebend verlassen? So haben wir doch schließlich im Keller ein buntes Sammelsurium an Geschöpfen aus Filmen, die nicht alle dem beliebten Slasherstandard folgen. Eine Urgewalt wie Pinhead verfolgte mitnichten das Fünfergespann aus Nerd, Kiffer, Sportler, Schlampe und Jungfrau. Und konnten nicht Kirsty und ihr Steven am Ende gemeinsam entkommen? Waren es nicht gerade die Redneckfilme an deren Ende meist kein „last man standing“ mehr übrig war – bis auf das Monster selbst?

N
ein meine Herren, so wahnsinnig intelligent, so durchdacht, wie Ihr Werk vom Feuilleton himmeljochjauchzend gelobt wird, ist es nicht.

Dafür, und das kann man neidlos zugestehen, ist es eine tatsächlich neue Geschichte. Und allein das ist im Horrorbusiness wirklich was wert. „Cabin in the woods“ mag nicht wirklich spannend sein, dazu sind die Situationen an sich zu bekannt, aber man will dennoch wissen, wie das Ganze enden soll und welche Überraschungen noch auf einen lauern. Anders gesagt: er macht Spaß.

Einen Fehler haben Sie jedoch begangen, der mich grämt und den ich Ihnen nicht verzeihen kann: Sie haben die Postproduction in die fettigen, pickeligen Hände von Programmierern und Grafikern gegeben! Warum nur? Da haben Sie es tatsächlich geschafft mit einem für heutige Verhältnisse moderaten Budget von 30 Mio. Öcken einen Film zu schaffen der einigermaßen originell ist und vor allem teuerer aussieht als er ist – und dann sieht man das „Making of“ und das leichte Lächeln gefriert zur Schockstarre.

Denn genau dieses „Making of“ zeigt einem, was der Film hätte sein können – nämlich der Traum eines jeden Horrorfans. Da wurden in mühevollster Arbeit Masken, animatronische Effekte, Prosthetics, uvm. Hergestellt um sie dann in Millisekunden zu verheizen. Um Sie durch schlecht gemachte CGI-Effekte zu verdecken. Oder um Sie im schlimmsten Fall dem Boden des Schneideraums zum Opfer fallen zu lassen. All das, was sich Fans des Genres schon seit Jahren wieder zurückwünschen, die Abkehr von seelenlosen Computereffekten, die einfach NIEMALS echt aussehen können, all das war im Übermaß vorhanden. Und dann kommt dieser pizzafressende Grafiker und meint er müsse auch noch ein Wörtchen mitreden.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, Ihr Film ist ein netter Zeitvertreib mit netten Ideen, teilweise ganz netten Schauspielern (nicht auf Seiten der Twens) und einem netten Ende. Aber: Er hätte der beste Film der letzten Dekade werden können (zumindest in diesem Genre). Und diese Chance haben Sie (warum auch immer) verspielt. Die Effekte in „Jurassic Park“ wirken eben nur deswegen selbst heute noch up-to-date, weil Animatronics, neben Kostümen, neben Computereffekten gleichberechtigt existierten. Wenn Sie mir auf der anderen Seite einen Film der nur 10 Jahre alt ist nennen können, der seine Effekte ausschließlich aus dem PC bezieht und gleichzeitig heute noch unverbraucht wirkt, bekommen Sie von mir meinen alten 468er (immerhin mit 8 MB RAM) geschenkt. In wenigen Jahren wird ihr Film einer unter vielen sein, die dem Zeitgeist zum Opfer fallen. Und das ist der Unterschied zu einem Klassiker wie „Scream“.

Schade meine Herren, denn die Enttäuschung wiegt so schwer dass ich nicht anders kann, als Ihnen zwei an sich verdiente Punkte in der Wertung abzuziehen. Vielleicht ist es die Hoffnung, zukünftige Bilderstürmer mögen sich das zur Warnung nehmen. Schließlich stirbt die Hoffnung auf eine bessere Welt zuletzt.

Wie sagte schon Lieutenant Frank Drebin so schön:

Ich möchte eine Welt, eine Welt in der Würmer und Insekten endlich wieder schmecken. Ich möchte eine Welt, in der ich aus einer Toilette trinken kann, ohne Ausschlag zu kriegen.

Ich wiederum wünsche mich zurück in eine Welt, in der Horrofilme noch ohne mittelmäßige Computereffekte auskamen.

Hochachtungsvoll doch enttäuscht, Ihr

holgocop


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