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Zwei stahlharte Profis - Lethal Weapon (1987)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 14.05.2008, seitdem 2192 Mal gelesen



Als "Lethal Weapon" 1987 auf der Leinwand erschien, war diese Konstellation vordergründig nicht wirklich neu, nachdem schon 5 Jahre zuvor Nick Nolte und Eddie Murphy in 48 Stunden den Laden aufgemischt hatten, aber trotzdem bedeutete das Paar Riggs (Mel Gibson)/ Murthaug (Danny Glover) eine neue Zeitrechnung im Kino. Was Richard Donner hier schon vor 20 Jahren an Tempo und Action inszenierte, kann auch heute noch problemlos mithalten. "Nur 48 Stunden" wirkt dagegen wie ein betulicher Realo-Krimi.

Dabei setzt "Lethal Weapon" geschickt auf ruhige Momente und macht keineswegs den Fehler, den Betrachter mit Daueraction zu ermüden. Die ersten Bilder, die eine junge Frau im Drogenrausch zeigen, die sich vom Balkon stürzt, können eine Abendatmosphäre vermitteln, die einen fast melancholischen Blick auf eine USA wirft zwischen Luxus und alltäglicher Hässlichkeit. Der Tod wird so zur Belanglosigkeit.

Die Art wie "Lethal Weapon" das eigentliche Verbrechen hier fast unmerklich entwickelt, dass in seiner tatsächlichen Tragweite und brutalen Konsequenz deutlich über damals üblichen Thrillerkonstellationen angesiedelt war, gehört zu den Stärken des Films. Stattdessen werden immer wieder kleinere Fälle gezeigt, die Riggs und Murthaug, die zuerst noch jeweils alleine agieren, dem Betrachter charakterlich näher bringen sollen.

Die Regeln werden gleich zu Beginn festgelegt - Gibson spielt den jungen Cop mit der Vietnam-Einzelkämpferausbildung, der perfekt schiessen kann. Zum Supermann fehlt es nur an der charakterlichen Reife. Im ersten Teil ist er auf Grund des Todes seiner jungen Frau noch suizid-gefährdet, was sich in seinen völlig lebensverachtenden Einsätzen zeigt, in denen er zwar immer seinen Tod riskiert, aber letztendlich natürlich erfolgreich ist. Auch wenn Gibson den einsamen Kerl nachts in seinem heruntergekommenen Trailer gibt, der sich die Wumme in den Hals steckt, so wirkt das nicht wirklich überzeugend. Ernsthaft Angst hat man nicht um ihn. Das ist natürlich auch darin begründet, dass man sich des Weiterlebens einer der beiden Hauptdarsteller sicher sein kann, allerdings vermittelt Gibson nicht die Tragik, die hinter seinem Empfinden stecken sollte, sondern wirkt eher zappelig überagierend.

So ist es nur richtig, das Danny Glover zu seinem Partner wird, denn der 50jährige hat genau das, was Gibson fehlt - eine wunderbare Familie mit vielen Kindern. Er selbst pflegt eher den ruhigen Stil als Polizisten, der schon an seine Pension denkt, so dass Riggs für ihn geradezu ein rotes Tuch sein müsste. Merkwürdigerweise macht der Film aber nicht viel Federlesens um diese Konstellation und führt die beiden unterschiedlichen Charaktere sehr schnell zusammen. Zwar gibt es nach der Rettung eines Selbstmordkandidaten eine kurze Auseinandersetzung, aber das war's dann auch schon.

Schon ab der zweiten Hälfte des Films agieren Beide wie ein funktionierendes Team, Riggs wird schnell in die Familie von Murtaugh eingeführt und los geht die Action. Interessanterweise wird in diesem Zusammenhang immer wieder gerne betont, wie witzig die Dialoge sind und wie gut sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, aber tatsächlich funktioniert das Duo nach strengen Regeln. Die Gespräche zwischen den Beiden sind amüsant und voller "Running-Gags" , aber wirklich gelacht wird ausschliesslich über Murtaugh und seine Familie, über Riggs gibt es dagegen nie etwas zu lachen (außer man findet dessen manchmal irren Anfälle lustig).

Von einer Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiss kann hier nicht die Rede sein. Während Danny Glover sich alle Mühe gibt, neben dem Witzbold auch den Helden zu geben (was ihm gut gelingt), so ist Gibson hier der klassische weiße Held. Zwar mit ein paar Ecken und Kanten, aber immer mit dem Hoheitsanspruch über die gültige Meinung. Seine Belustigungen über die bemühte Polizeipsychologin treffen sicher auf allgemeine Zustimmung, sind aber bei genauer Betrachtung schlicht peinlich (und steigern noch die Unglaubwürdigkeit seiner angeblichen Selbstmordlust).

Dass Riggs im Gegensatz zu Murtaugh der weniger korrekte Typ ist, kehrt sich im Film ins Gegenteil. Geschickt wird von Beginn an die Rechtfertigung einer Selbstjustiz vorbereitet. Während Riggs Bewaffnung und sein im polizeilichen Sinne unkorrektes Verhalten anfänglich seinem seelischen Zustand zugeschrieben wird, baut der Film mit den zwei Verbrechern Mr.Joshua (Gary Busey) und General McAlister (Mitch Ryan) an der Spitze ein solches Bedrohungspotential auf, dass damit Riggs Verhalten zunehmend gerechtfertigt wirkt. Murtaugh, der sich noch eine Zeit lang bemüht, entsprechend der gesetzlichen Vorschriften zu agieren, schwenkt komplett zu Riggs Haltung über, womit das Team im eigentlichen Sinn geboren wird. Der Austausch innerhalb des Paares Riggs/Murtaugh findet zwar statt, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Riggs gibt die Regeln für die Verbrechenskämpfung vor, Murtaugh ist der Mann fürs Private.

Auf Grund der sympathischen Darstellung Danny Glovers wirkt das Team Riggs/Murtaugh äußerlich sehr homogen und gleichberechtigt, so wie auch die gegenseitige Wertschätzung nie in Frage gestellt ist. Die letztlich klischeehafte Rollenverteilung (schwarz = emotional, weiss = zielstrebig) ist schon in der Besetzung verborgen. Mel Gibson war spätestens seit seinen "Mad Max"-Einsätzen der Mann für die Action, vielleicht auch für den kleinen Wahnsinn, der beim Publikum als Held akzeptiert wurde. Dagegen konnte Glover letztlich nicht ankommen und behielt innerhalb des Teams immer die Rolle als 1b.

Der Gesamteindruck von "Lethal Weapon" ist deshalb aus heutiger Sicht zwiespältig. Auch zwanzig Jahre nach seiner Entstehung ist der Film als Actionfilm in Sachen Rhythmus, Stunts und Ideen vorbildlich, auch wenn der Endkampf etwas unter einer unnötigen Länge krankt. Das Paar Gibson/Glover funktioniert auch heute noch, aber es bedarf schon einer gewissen Ignoranz, um nicht zu erkennen, dass die Witze hier auf sehr festgefahrenen Rollenverteilungen und Vorurteilen beruhen.

Problematisch ist aber die Offensichtlichkeit in der Begründung der Selbstjustiz und der moralischen Rechtfertigung, das Heft des Handelns in "Cowboy-Manier" in eigene Hände zu nehmen. 1987 nahm dem Zuschauer die unglaubliche Brutalität der Gangster noch den Atem, denn Donner zog hier kräftig an der Gewaltschraube, weswegen die Reaktion von Riggs/Murtaugh fast zwangsläufig schien. Heute ist man Verbrechen dieser Art gewohnt, was die Konstruiertheit der Herführung des Show-Downs deutlich macht - leider ein stilbildender Storyaufbau für die gesamte Serie (6/10).


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