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Lincoln Verschwörung, Die (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 28.09.2011, seitdem 1366 Mal gelesen



Nach dem Attentat auf Präsident Abraham Lincoln werden mehrere Tatverdächtige, darunter Mary Surratt (Robin Wright), wegen Bildung einer Verschwörung festgenommen und vor ein Militärgericht gestellt.

Ihr Verteidiger Aiken (James McAvoy) übernimmt sein Amt nur widerwillig, zu sehr steht er unter demselben kollektiven Schock wie die restliche Bevölkerung und hofft insgeheim nach Verurteilung der Schuldigen wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Doch bereits seine ersten Kontakte mit Mary bringen ernsthafte Zweifel an deren Rolle als Mit-Verschwörerin.

Im Laufe seiner Verteidigung wird Aiken klar, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Fall handelt bei dem es um Schuld oder Unschuld geht. Immer klarer tritt in den Vordergrund, dass er sich auf einen Machtkampf zwischen Justiz und Staatsinteresse eingelassen hat und Mary dabei bestenfalls das Faustpfand für ihren wirklich am Attentat beteiligten Sohn ist.

Robert Redford ist einer der letzten ganz großen Hollywoods. Als Schauspieler prägte er Filme wie „Butch Cassidy And Sundance Kid“, „Der Clou“, „Der große Gatsby“, „Die Unbestechlichen“ und viele mehr. Das Redford sich seit 1980 auch als Regisseur hinter die Kamera stellt, dürften vielen jedoch bis heute unbekannt sein. In über dreißig Jahren kamen dabei knapp zehn Filme zustande, deren jüngstes Beispiel „The Conspirator“ nun auch hierzulande veröffentlicht wird.

Viele von Redfords Arbeiten sind geprägt von einer dezent kritischen Sicht auf familiäre, soziale und politische Missstände seines Heimatlandes. „The Conspirator“ macht hier keine Ausnahme, diesmal jedoch wurde tief in der us-amerikanischen Geschichte gegraben um den Fall von Mary Surratt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und dabei deutliche Parallelen zur jüngeren US-Geschichte zu ziehen.

Soweit recherchierbar kann man sagen, dass bei dieser Verfilmung größtmöglicher Wert auf historische Genauigkeit gelegt wurde, was sich im gesamten Set-Design und den Kostümen genauso widerspiegelt wie im Ablauf der Handlung. Damit dürfte klar sein, dass keine reißerischen oder effekthascherischen Szenen im Film zu erwarten sind.

Der Auslöser für den folgenden Prozess, also das bzw. die Attentate zu Beginn sind auch schon das maximale an Action des ganzen Films. Der Rest der ca. 120 Min. Spielzeit widmet sich ganz der historisch akkuraten Umsetzung des Prozesses gegen Mary Surratt und den daran beteiligten Charakteren. Diese Tatsache mag man als Zuschauer einerseits hinsichtlich eines ungeschönten historischen Einblicks zu schätzen wissen, andererseits jedoch fehlt es dem Film dann doch an Höhepunkten, denn auch die Gerichtsszenen bieten nur wenige der von mir so heißgeliebten spitzfindigen Wortgefechte.

Nahezu der komplette Cast spielt extrem zurückhaltend aber überzeugen, wobei natürlich James McAvoy und Robin Wright am meisten Entwicklungsspielraum und Screentime für ihre Charaktere zugestanden bekamen. Daneben geben sich aber noch durchaus namhafte Akteure wie Tom Wilkinson, Justin Long, Kevin Kline, Evan Rachel Wood und Colm Meaney als Nebenrollen praktisch die Klinke in die Hand. Im Englischen heißen diese Nebendarsteller bekanntlich „Supporting Artists“, also unterstützende Darsteller und genau diesen Zweck erfüllen alle der hier genannten perfekt. Sie unterstützen mit ihren teilweise unter drei Minuten liegenden Auftritten ohne Rücksicht auf den eigenen Bekanntheitsgrad und eventuell damit zu verbindende Screen-Time die Wirkung des Films ungemein. Als Beispiel sei hier Tom Wilkinson genannt, der mit einem genialen Südstaaten-Akzent (zumindest in der Original-Fassung des Films) ausgestattet, die „Erst-Verteidigung“ von Mary übernimmt.

Vom ganzen technischen und inszenatorischen Ablauf kann man „The Conspirator“ und Regisseur Redford nichts vorwerfen. Der Film ist im Rahmen seiner Konzeption oberflächlich betrachtet fehlerfrei.

Fazit: „The Conspirator“ ist alles andere als der nächste Fast-Food-Verschwörungsthriller, der mit Getöse, 3-D und Brimborium im Kino um die Ecke aufschlägt. Dieser Film ist vielmehr von der unaufgeregten Sorte, tiefergehend und überzeugend umgesetzt, wenn auch insgesamt etwas arm an Höhepunkten und Spannung (6,5 von 10 Punkten).


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