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Lincoln Verschwörung, Die (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 13.10.2011, seitdem 689 Mal gelesen



Da möchte es womöglich jemand dem legendären Clint Eastwood gleichtun: Auch wenn Hollywood-Urgestein Robert Redford seinen Ruhestand als Schauspieler bisher nicht angekündigt hat, nimmt der Star in letzter Zeit auch gern auf dem Regiestuhl Platz, um ambitionierte Projekte zu realisieren; bei seinem neusten Werk verzichtet er gar gänzlich auf eine Vorstellung vor der Kamera. Im Zuge der neu gegründeten “American Film Company” präsentiert Redford den ersten Teil einer Reihe, welche sich das nähere Beleuchten der amerikanischen Geschichte auf die Fahne geschrieben hat. Dabei greift er sich ein dunkles Ereignis des für Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten stehenden Landes heraus: Die Ermordung von Abraham Lincoln sowie die darauffolgende Gerichtsverhandlung. Entstanden ist dabei ein toll ausgestatteter Historienstreifen, dessen starkes Plädoyer für Gerechtigkeit leider von einigen Schwächen ausgebremst wird.

Es ist 1865, der amerikanische Bürgerkrieg neigt sich dem Ende entgegen. Während eines Theaterbesuchs wird US-Präsident Abraham Lincoln von einem rebellischen Südstaatler erschossen. Der Schütze ist ebenso wie einige Mittäter bald gestellt. Um die wütende Nation wieder in Ruhe zu versetzen, soll den Verschwörern mithilfe eines Militärgerichts ein schneller und unkomplizierter Prozess gemacht werden. Angeklagt ist auch die Pensionsbesitzerin Mary Surratt (Robin Wright Penn), welche die Verräter beherbergte und mit ihnen zusammengearbeitet haben soll. Senator Johnson (Tom Wilkinson), welcher Surratt vertritt, will eine faire Verhandlung erwirken - aufgrund seines umstrittenen Hintergrundes gibt er die Verteidigung jedoch ab. Stattdessen bittet er den Kriegsheld und aufstrebenden Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy) darum, diese undankbare Aufgabe zu übernehmen. Aiken stimmt zwar widerwillig zu, ist jedoch selbst keineswegs von der Unschuld seiner Mandantin überzeugt…

Ob Surratt nun wirklich schuldig war oder nicht, scheint für Redford von keinem allzu großen Interesse zu sein; weder ihrem Verteidiger noch dem Zuschauer ergibt sich schlussendlich ein klares Bild diesbezüglich. Vielmehr ist dem Regisseur daran gelegen, die ungerechte Willkür von Staatsmännern bloßzustellen, welche aus blinder Rachgier und der Unkompliziertheit zuliebe die Werte sowie Überzeugungen ihres Rechtssystems verraten. Die Dreistigkeit, mit der die politischen sowie juristischen Amtsträger die geltenden Regeln und Gesetze verbiegen und brechen, wird dabei ebenso einfach wie auch packend illustriert; die Hilf- und Ausweglosigkeit der vermeintlichen Täter ist auf bedrückende Weise spürbar. Hier wird nichts romantisch verklärt oder geschönt, die erbarmungslosen Geschehnisse sowie der fragwürdige Ausgang werden historisch akkurat geschildert und angeprangert.

Leider bremst diese Machtlosigkeit gegenüber der Staatsspitze die Spannung innerhalb des Gerichtssaal nicht unwesentlich aus. Da die Einzelheiten der amerikanischen Geschichtsschreibung nicht unbedingt jedem deutschen Zuschauer bekannt sein dürften, beginnt die Verhandlung äußerst interessant und mitreißend. Wenn sich jedoch gegen Mitte des Prozesses herauskristallisiert, dass selbst das beste Argument der Verteidigung angesichts der vorher gebildeten Meinung der Jury kein Gewicht hat, büßt der chancenlose Kampf viel von seiner Anziehungskraft ein; ohne auch nur einen Funken Hoffnung fällt das Mitfiebern relativ schwer. Hier wäre es nun die Aufgabe von gut ausgearbeiteten Charakteren, ihr offensichtlich unausweichliches Schicksal dramatisch und emotional zu gestalten. Aufgrund der Kälte und Verschlossenheit der Angeklagten mag sich jedoch keine wirkliche Sympathie für eben jene einstellen. Besser sieht es bei ihrem Anwalt aus, welcher trotz seiner Zweifel einen Feldzug für die rechtsstaatlichen Prinzipien führt; wissend, dass diese heikle Mission schwere Folgen für sein privates Leben hat.

Selbst wenn die Zeichnung nicht bei jeder Figur gut gelingt, ist den Darstellern selbst indes kein Vorwurf zu machen. James McAvoy trifft ebenso wie Robin Wright Penn den richtigen Ton und gibt daher eine gelungene Vorstellung ab, die von einer netten Supportriege, u.a. Tom Wilkinson als aufrichtiger Ehrenmann und Alexis Bledel als verständnislose Gattin, komplettiert wird. Die Mimen dürfen dabei vor wunderbaren Kulissen agieren, welche den Geist des 19. Jahrhunderts gekonnt auferstehen lassen; Sets sowie Requisiten sind gut gewählt und wirken durch und durch authentisch. Die Art und Weise, wie sich das ziemlich kontrastarme und leicht milchige Bild der längst vergangenen Epoche anzunähern versucht, ist sicherlich unter der Kategorie Geschmackssache einzuordnen.

Fazit: Für einen vollends mitreißenden Justiz-Thriller mangelt es gegen Ende hin leider an Spannung, für ein packendes Drama ist einem das Schicksal der Angeklagten zu gleichgültig. Dafür punktet Robert Redfords perfekt ausgestattetes Historien-Werk mit einer geschichtlich akkuraten Nachstellung ungeheurer politischer und juristischer Ereignisse, deren beklemmende Bloßstellung ein starkes Plädoyer für Gerechtigkeit darstellt. “Die Lincoln Verschwörung” erweist sich somit für alle, die an dem Stoff Gefallen finden, als interessante Geschichtsstunde.

6/10


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