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72 Stunden - The Next Three Days (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 13.12.2010, seitdem 1546 Mal gelesen



John Brennan (Russell Crowe) ist alleinerziehender Vater eines kleinen Jungen. Seine Frau Lara (Elizabeth Banks) sitzt seit drei Jahren im Gefängnis weil sie angeblich ihre Chefin umgebracht haben soll.

Als endlich klar ist, dass Lara lebenslänglich im Gefängnis bleiben muss, reift in John der Entschluss Lara aus dem Gefängnis zu befreien.

Einen Thriller/Krimi hatte man von Paul Haggis, dem mehrfachen Oscarpreisträger (L.A. Crash), sicher nicht als nächstes Projekt erwartet. Dennoch spricht es für Haggis Vielseitigkeit, sich nun auch in diesem Genre zu versuchen. Diesmal erneut als Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion.

Haggis wäre allerdings nicht Haggis, wenn sein neuer Streifen „The Next Three Days“ sich nicht in irgendeiner Form von der typischen filmischen Massenware unterscheiden würde. Der Unterschied ist hier zwar nicht allzu groß, aber dennoch sichtbar.

Wo andere Filme dieses Genres meist gleich in die Vollen gehen, baut Haggis seine Handlung erst langsam auf. Zu Anfang wird das glückliche Familienleben der Brennans gezeigt, dass ziemlich abrupt durch das Auftauchen der Polizei zerstört wird. Danach folgen mehrere Szenen, die zeitlich auseinanderliegend die Auflösung für den Polizeieinsatz bringen und nahtlos dazu übergehen Johns wachsende Einsamkeit und Frustration aufzuzeigen. Haggis hält sich hier weder mit vielleicht zu erwartenden Gerichtsszenen auf, noch geht er darauf ein ob nun Lara wirklich eine Mörderin ist oder nicht. Er geht hier seinen eigenen Weg. Dieser ist zwar nicht sehr temporeich, aber dramaturgisch gut angelegt und interessant genug den Zuschauer bis zum zweiten Akt bei der Stange zu halten.

Dieser zweite Akt widmet sich dann vollständig Johns Wandlung vom Durchschnittsbürger zum Kriminellen. Das Erzähltempo steigert sich und auch die Spannung steigt merklich an. Hier zeigt sich auch, dass Haggis seinen Protagonisten sehr natürlich wirken lässt, denn Johns Versuche an falsche Papiere zu kommen sind anfangs recht linkisch, so wie man sich wahrscheinlich selbst in einer solchen Situation anstellen würde.

Was dem Film seinen Titel gab ist dann die Überleitung zum dritten Akt, als Lara völlig unerwartet innerhalb von drei Tagen in ein anderes Gefängnis verlegt werden soll und John seine Pläne in die Tat umsetzen muss.

Dieser letzte Akt ist dann in Sachen Spannung und Tempo erneut eine deutliche Steigerung und fesselt den Zuschauer bis zum Ende.
Auf dem Weg dahin wird bis auf die Szene als John die Drogendealer überfällt auf Gewalt verzichtet, was gerade diese Szene heraushebt, ist sie doch der Punkt ab dem John die Grenze endgültig überschritten hat und nie wieder zurück in sein altes Leben gehen kann.

Man sieht hier schon, dass dem Darsteller des John einiges an schauspielerischem Können abverlangt wird, gilt es doch die oben erwähnte Veränderung der Figur glaubhaft darzustellen. Ein Fehler war es sicherlich nicht Russell Crowe hierfür zu casten. Der Mann hat sein Talent und seine Wandlungsfähigkeit in den letzten Jahren mehr als einmal bewiesen, dennoch überzeugt er in Bezug auf die Gefühle zu seiner Frau nicht wirklich. Um aus Liebe aus dem so sicheren, normalen Leben auszubrechen muss diese Liebe schon sehr tief sein, was weder Crowe noch dem Drehbuch gelingt zu vermitteln. Die langsame Wandlung zur kriminellen Seite gelingt da schon besser und spätestens als dieser Schritt getan ist, ist auch Crowe in seinem Element und überzeugt vorbehaltslos.

Elizabeth Banks hat es da bedeutend leichter, ihre Rolle erfordert nicht so viel Veränderung wie die von Crowe, dennoch kann man sagen, dass sie ihre Sache hier gut macht.

Neben den beiden Hauptdarstellern sei hier noch ein Kurzauftritt von Liam Neeson erwähnt. Er spielt hier einen Knacki, bei dem sich John die ersten Infos für die Befreiung holt. In dieser kurzen Szene überzeugt Neeson mehr als Crowe in der ganzen ersten Spielhälfte.

Fazit: „The Next Three Days“ von Paul Haggis wird garantiert kein neuerlicher Oscaranwärter des preisgekrönten Regisseurs/ Autors werden. Auch wird der Film keine Besuchermassen in die Kinos locken und irgendwelche kommerziellen Rekorde brechen, denn dazu ist er nicht konventionell genug. Trotzdem haben wir es hier mit einem interessanten, spannenden und etwas anderen Krimi/Thriller zu tun, der gut zu unterhalten weiß.


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