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Guard - Ein Ire sieht schwarz, The (2011)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 12.12.2011, seitdem 914 Mal gelesen



Es gibt sie also doch noch, - diese kleinen, schlichten Komödien, die mit den Eigenheiten ihres Settings und dem Zusammenspiel der Figuren funktionieren. Kein 3D, keine CGI-Action, aber eine Menge Charme und frecher Humor, den dieses Debüt des Iren John Michael McDonagh durchziehen.

Connemara an der Küste von West-Irland: Dorfpolizist Gerry Boyle (Brendan Gleeson) hat seine eigenen Definitionen von Rechtschaffenheit, zockt ein paar verunfallten Teens die Drogen ab und pflegt während seiner freien Tage die Anwesenheit von Prostituierten.
Als wegen eines Drogentrios der FBI-Mann Wendell Everett (Don Cheadle) aufkreuzt, wird Boyles Alltag mächtig aus dem Gleichgewicht gerissen…

Die Geschichte ist voll und ganz auf Gleeson zugeschnitten, was von der ersten Szene an eine Wohltat ist. Zunächst dominiert der zynische Polizist mit lakonischen Kommentaren, der Mischung aus Schnodder und Unbedarftheit, die seine Figur rasch zum unangefochtenen Sympathieträger katapultiert. Doch ihm werden auch Ambivalenzen eingeräumt, was sich im immer wiederkehrenden Zusammenspiel mit seiner kranken Mutter offenbart, zu der er ein liebevoll-freundschaftliches Verhältnis pflegt und dabei natürlich nicht vergisst, ihr den Flachmann ins Pflegeheim zu schmuggeln.

FBI-Agent Everett bildet insofern einen guten Kontrast, als dass der Anzugträger bei seinen Ermittlungen im Ländlichen bald an seine Grenzen stößt, spätestens beim gälisch sprechenden Dorfbewohner, der sich auf seine Art aus der Affäre einer Befragung zieht.
Die leicht besserwisserische Art vergeht ihm gegenüber Boyle rasch, denn bei diesem weiß man nie so genau, ob der nun wirklich so blauäugig ist, oder so raffiniert kontert, um stets im rechten Moment das As aus dem Ärmel zu zaubern.

Auch die drei Dealer entsprechen keineswegs den Klischees der bösen Jungs, denn eher beiläufig unterhält man sich über die moralischen Folgen des Jobs, macht Witze über Stellenausschreibungen für Komplizen und philosophiert gerne mal mit Nietzsche, während ein Exekutionsauftrag schon mal an der Gesprächigkeit des potentiellen Opfers scheitern kann.

Überhaupt punktet die Erzählung durch die unberechenbaren Einschübe und den kleinen Episoden skurriler Randfiguren, wie den frechen Jungen mit Hund oder dem Mittelmann der IRA. Dass die Uhren in Irland scheinbar ein wenig anders ticken, durchzieht den kompletten Streifen und dennoch bildet er beileibe kein Loblied auf die Kultur, sondern zieht selbige zynisch durch den Kakao, wenn etwa Rassismus zum Kulturgut dazugehöre, wonach eben doch eigentlich nur Schwarze und Mexikaner mit Drogen dealen und Frauen mit slawischem Akzent auf jeden Fall aus Rumänien stammen müssen.

Ein kleines Manko bildet letztlich die eigentliche Story um die Verfolgung der Drogendealer, denn jener hätte ab und an ein wenig mehr Abwechslung gut getan, da es im Prinzip nur um die Ergreifung auf frischer Tat geht, wonach es zum Showdown zu seichter Action mit Einsatz von Schusswaffen kommt. Dafür vermag das leichte Augenzwinkern zum Ende noch ein wenig entschädigen.

„The Guard“ funktioniert im Gesamtbild auf jeden Fall und das durchgängig, da die facettenreiche Hauptfigur perfekt auf den ebenso nuanciert aufspielenden Gleeson zugeschnitten ist. Schwarzer, politisch unkorrekter Humor wechselt sich mit Anspielungen auf Reverenzmaterial und einigen nachdenklich stimmenden Passagen ab und es gibt kaum eine Szene, die nicht mit Situationskomik oder treffenden Dialogen ausgestattet ist.
Gerne hätte man der Geschichte noch mehr Tiefe und Eckpunkte innerhalb des Zusammenspiels der Figuren einräumen dürfen und auch die eigentliche Geschichte hätte die eine oder andere Wendung vertragen können, doch die großartigen Darsteller und der Charme ihrer Figuren fängt so manche Holprigkeit des Drehbuchs locker auf.
Schlicht, aber effizient konzipierter, zu keiner Zeit langweiliger Gute-Laune-Film,
8 von 10


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