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Elling (2001)

Eine Kritik von
eingetragen am 15.06.2002, seitdem 349 Mal gelesen



Unterschwellig mochte ich die Norweger immer schon,jetzt habe ich endlich meinen tiefergehenden Grund dafür gefunden,nämlich diesen Film.
Der gigantische Erfolg von einheimischen Produktionen an den eigenen Kinokassen ist meistens nur mit ganz viel Mühe nachzuvollziehen.

Als Beispiel seien nur mal Großbritannien und ihre Bridget Jones,Deutschland und sein bedauernswerter Schuh des Manitu und Japan mit seiner Prinzessin Mononoke genannt.
Mit dem norwegischen Publikum fühle ich mich aber seit „Elling“ seelenverwandt,denn auch dieser Film flutete die Kinokassen in der Heimat nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied,dass dieser wirklich jeden Cent verdient hat.
Um in klischeehaften Bildern zu sprechen,reicht mir einen wolligen Pullover,lasst uns ein bisschen Ski-Langlaufen und danach zusammen in der Sauna von „Elling“ schwärmen.

Der Höhepunkt von „Elling“ war natürlich die Oscarnominierung als bester fremdsprachiger Film und ich bin mir sicher,dass es spätestens beim Europäischen Filmpreis weitergeht.

Der Film ist kein meisterlich verknüpftes Wunderwerk,nein, er ist vielmehr ein verwucherter Lieblingsplatz im Wald,ein Lichtung bei der die Sonnenstrahlen schräg von der Seite einfallen.
Du fühlst dich geborgen,behütet und irgendwie sauwohl. Ein Platz eben den du nicht so schnell wieder verlassen willst,und wenn du dann doch irgendwann von deinen Eltern abgeholt wirst,hälst du dich heulend an einem Baum fest und flehst darum noch fünf Minuten verweilen zu dürfen.
Und du wirst dich in der Zukunft an disen Moment genau zurückerinnern können,dieser Moment wird immer ein wolligwarmer Sonnenschein in deinem Leben bleiben.
Locker kann dieses Werk jedes Zuschauerherz dieser,ob Jung oder Alt im Sturm erobern,nur leider werden viele Menschen nicht mal über den Film stolpern,wenn sie darüber hinweg zum nächsten Hollywood-Schrott latschen.
Eine Schande,gleichzeitig aber auch das Schicksal der kleinen Filme,mir persönlich macht es aber gleich doppelt so viel Spaß von dieser Filmerfahrung zu schwärmen.
Ich habe es mir nicht träumen lassen dem Film 100 Prozent zu geben,nur „Elling“ zapft sofort dein Herz an,es ist wie als ob jemand eine Wärmflasche auf deinen empfindlichsten Punkt gelegt hätte.

Er hat quasi mein Bewertungssystem gesprengt.Ich hielt in letzter Zeit immer Ausschau nach Epischem,nach Hollywoodstars der Extraklasse und nach brilliant verzwirbelten Drehbüchern,dabei war „Elling“ direkt vor meiner Nase.Es ist einfach und doch gleichzeitig unendlich schwer solch eine Kinomagie zu bewirken.
Man denkt der Film ist zu klein,zu einfach gestrickt für solch eine hohe Wertung,aber dein Herz(nicht nur dein Filmherz!) sagt dir,dieser Film ist auf seine Weise perfekt.
Ein unendlicher Glücksgriff,nur geht nicht mit falschen Erwartungen rein.
Ich würde niemals schreiben,“Ein Film zum Dahinschmelzen“,eher „Ein Film zum Dahinbrutzeln“ versteht ihr?

Der Film bläst einen nicht weg,er tippt einem auf die Schulter und sagt:“Wir werden eine wundervolle Zeit haben!“.
Der Alltag wird durch „Elling“ groß gemacht.
Du weißt nichts von der Handlung,großartig denn du wirst dich auf jede einzelne Szene freuen können,so wie sich Elling und Kjell Bjarne freuen,als sie sich ihre Weihnachtsgeschenke geben(Mit der schönste Moment).

Viele werden sich in Teilen der Charaktere wiederfinden.Vertsteht mich nicht falsch,nur in Ansätzen natürlich,aber auf mich wirkten beide Charaktere beinahe so wie das „ICH“ der Gesellschaft in all ihren Ängsten und Hoffnungen,beim Normalbürger kommt noch etwas mehr Verstand dazu,warum wir auch anders handeln als die beiden,aber der Kern ist es,der mich hier fasziniert hat.

Bevor mich jetzt wieder eine weitere Sympathiewelle erfasst kurz zur Story:
Nachdem Ellings Mutter sirbt,wird er eine Ihrenanstalt eingewiesen.Dort trifft er auf Kjell Bjarne,die beiden freunden sich an und werden dann schließlich entlassen und versucht wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Mit Hilfe von einem Sozialarbeiter,einer Wohnung und einem gewissen Kapital sollen die beiden selbstständig werden und gegen ihre Ängste und Probleme ankämpfen.
Ich hatte schon lange nicht mehr solch eine plastische und punktgenaue Charakterzeichnung.Sofort versteht man die Figuren,sofort baut man eine persönliche Bindung zu ihnen auf und lernt sich kennen und spätestens nach 5 Minuten(hier Bedarf es schon ein Herz aus Stein) willst du die beiden nie wieder verlieren.

Die Kunst des Regisseurs und des Drehbuches besteht darin mit nur zwei Figuren und ihrer alltäglichen Geschichte einen Sog zu erzeugen,den man ganz genüsslich aufsaugt und danach wunderschön angefüllt mit Menschlichkeit ist.
Ich meine,wo gab es das denn schon,zwei Assoziationen nämlich „Essen“ und „Sex“ und schon wenn man den etwas tollpatschigen Kjell Bjarne sieht,weiß man wie er denkt,was er fühlt und dass man ihn schon ewig kennt.
Was erwähnt werden muss sind die Synchronstimmen:Ein wirkliches Meisterwerk an angenehmen Stimmen,sie passen wie angegossen und es würde mich nicht wundern,wenn sich ein Norweger den Film in Deutschland ansieht und sagt,die Stimmen passen ja noch viel besser.
„Elling“ steht in meinem persönlichen Empfinden auf einer Stufe mit „Amelie“.Nicht falsch verstehen,es gibt keinen Bildermagier,keinen feinen kleine Details,abgedrehte Regie-Ideen oder gar eine Audrey Tautou,dafür gibt es eine wahre Freundschaft(und ich meine wir rede hier von Unterwäsche-Verleih) zwischen Elling und Kjell Bjarne,die einfach zu keiner Sekunde nicht unwiederstehlich wäre.
Einziger Negativpunkt des Ganzen,der Film ist noch viel zu kurz,ich hätte ewig zusehen können.

Teilweise denke ich sogar,dass der Film noch intensiver geworden wäre,wenn in ein paar Szenen die Entwicklung anders verlaufen wäre,nur dann wäre der Film in die Dunkelheit eines Todd Solondz Film abgeglitten und ehrlich gesagt,dass hätte dem Film dann doch nicht so gut getan,wie ich anfang dachte.

Trotzdem man stelle sich nur mal zwei folgende spoilerbehaftete Änderungen im Drehbuch vor:
1)Elling liebt die Nachbarin auch,das hätte dem Gespräch von Elling und der Nachbarin noch eine Emotion gegeben,die unbeschreiblich geworden wäre.
2)Kein Baby,sondern ein Fehlgeburt auf den Höhepunkt des Glücks,das hätte den Zuschauer hart und unerwartet getroffen.

Geniales Gedankenspiel!

Am Ende blieb ich sitzen bis dieser wundervolle norwegische Pop-Song durchgelaufen war und die Leinwand nur noch in gelben schwachem Licht leuchtete.
Erst auf dem Weg nach Hause bekam ich eine Gänsehaut.

Danke Petter Naess(Regie),Danke Ingvar Ambjornsen(Story) und ein herzlichen Applaus an die beiden Hauptdarsteller Per Christian Ellefsen alias Elling und Sven Nordin alias Kjell Bjarne.

Fazit:Jeder sollte diese witzige,unendlich liebevolle Perle mindestens zweimal gesehen haben!


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