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Hara-Kiri - Tod eines Samurai (2011)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 12.07.2012, seitdem 487 Mal gelesen



Man sagt im Allgemeinen mit dem Alter kommen Ruhe und Reife. Nun, im Fall des japanischen Ausnahmenregisseurs Takashi Miike scheint sich dies zu bewahrheiten ÔÇô f├╝r den Moment jedenfalls. Liebte er in seiner fr├╝hen Schaffenszeit vor allem die Provokation seines Publikums mit kontroversen Werken wie beispielsweise Visitor Q, so findet er sp├Ątestens seit seinem letzten ├╝beraus gelungenen 13 Assassins zu einer bed├Ąchtigeren Erz├Ąhlform, die in erster Linie die Geschichte und nicht die Kreativit├Ąt ihres Meisters inszeniert. Mit Hara-Kiri ÔÇô Tod eines Samurai, einem weiteren Remake eines Klassikers des japanischen Films (Harakiri, 1962), kn├╝pft er mit einem starken, emotionalen Plot an diesen neuen, f├╝r seine Fans eher ungewohnten Stil an.

Die Geschichte spielt im Japan des fr├╝hen 17. Jahrhunderts, in dem viele herrenlose und zumeist verarmte Samurai, sogenannte Ronin, durch das befriedete Land ziehen. Einer davon ist Motome (Eita), der eines Tages dem Hause Li eine ungew├Âhnliche Bitte vortr├Ągt, denn er m├Âchte im Hof des F├╝rsten den rituellen Selbstmord, genannt Seppuko, ausf├╝hren. Motome ist verzweifelt, denn seine Frau und sein Kind sind schwer krank und ihm fehlt das Geld f├╝r Medizin, jedoch beabsichtigt er keineswegs, seinem entbehrungsreichen Leben ein Ende zu bereiten. Vielmehr hofft er darauf, dass das F├╝rstenhaus versuchen wird, ihn mit Hilfe eines kleinen Geldgeschenkes umzustimmen, um so der Schmach eines aus dem Motiv der Armut heraus begangenen Seppuko zu entgehen. Womit Motome jedoch nicht gerechnet hat ist, dass dem Verwalter des Hauses, Kageyu (K├┤ji Yakusho), Berichte vorliegen, nach denen sich bereits andere Samurai vor Motome auf diese Art und Weise Geld bei F├╝rstenh├Ąusern erschwindelt haben. Kageyu ist daher gewillt, Motomes Wunsch zu entsprechen, um den Schwindel aufzudecken und an ihm ein Exempel zu statuieren. Als kurze Zeit sp├Ąter ein weiterer todeswilliger Ronin names Tsugumo (Ebiz├┤ Ichikawa) das F├╝rstenhaus betritt, wird auch seinem Wunsch entsprochen. Rasch wird Kageyu jedoch klar, dass Tsugumo in einem engen Verh├Ąltnis zu Motome stand und auch f├╝r ihn das Begehren nach rituellem Selbstmord nur ein Vorwand ist. Tsugumo verfolgt einen trickreichen Plan, der das inzwischen faule System von traditioneller Ehre entlarven soll.

Hara-Kiri ÔÇô Tod eines Samurai wartet mit exzellent choreographierten Kampfszenen auf, ist jedoch kein Actionspektakel, sondern ein stimmungsvoll inszeniertes Drama. Jede Bewegung der Protagonisten, jeder Kameraschwenk wirkt hier durchdacht. Und Miike nimmt sich gen├╝gend Zeit f├╝r seine tragischen Figuren, die, mit exzellenten Darstellern besetzt, der Geschichte sehr viel Emotion verleihen. Dieser Fokus mag viele Fans entt├Ąuschen, erweist sich jedoch als eine sehr gute Entscheidung, denn es macht den Film zu einem ganz besonders intensiven Stoff, der Begriffe wie Ehre, Familie und Aufopferung erforscht. Miike zeigt uns wie stolze Menschen demutsvoll unter gro├čen Entbehrungen leben k├Ânnen, solange sie ihren Vorstellungen von Ehre und Anstand gerecht werden, wie diese Werte pl├Âtzlich in Konflikt geraten k├Ânnen und was passieren kann, wenn das eigene Schicksal herausgefordert wird. Dabei geht er, und zumindest dies bleibt weiterhin typisch f├╝r Miike, gerne ins Extrem. Gleichsam tragisch und verst├Ârend grausam muten die Geschehnisse an, die in einem starken Kontrast zu der heilen Welt zu stehen scheinen, die dem Zuschauer hier in harmonischen, ruhigen Bildern pr├Ąsentiert werden. Nicht viele werden zu diesem Film zur├╝ckkehren, aber vielen wird er sehr lange in Erinnerung bleiben.

Abschlie├čend die Frage: Mutiert das Enfant Terrible des japanischen Films nun zum Melodramatiker? Unwahrscheinlich. Und falls doch, welcher Fan wird es ihm ├╝bel nehmen, wenn er weiterhin Werke von dieser G├╝te abliefert? Na gut, Quentin Tarantino vielleicht.


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