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Einer flog über das Kuckucksnest (1975)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 13.08.2006, seitdem 2422 Mal gelesen



Ein ergreifender Film.

Bei den Oscars gehört "Einer flog über das Kuckucksnest" zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Er war erst der zweite Film, der es schaffte, in den fünf wichtigsten Kategorien ausgezeichnet zu werden. Bester Schauspieler, beste Schauspielerin, bestes Drehbuch nach einer Vorlage, beste Regie und bester Film. Vorher gelang das nur "Es geschah in einer Nacht" (1934). Danach sollte es bis heute nur noch "Das Schweigen der Lämmer" gelingen.

Die Erwartungen an den Film sind folglich von Anfang an hoch, man kann sich gar nicht dagegen wehren. Macht aber nichts, EfüdK kann die Erwartungen problemlos erfüllen. Übrigens habe ich nach der ein oder anderen Diskussion mit Freunden erfahren, dass der Filmname aus einem englischen Kinderreim stammt. Für die ganz interessierten sei er hier nochmal aufgeführtJ :"Vintery, mintery, cutery, corn,

apple seed and apple thorn,

wire, briar, limber lock,

three geese in a flock.

One flew east,

one flew west,

and one flew over the cuckoo’s nest."

Der Film hat eine ganz eigene Geschichte: Der gleichnamige Roman von Ken Kesey hatte es Kirk Douglas angetan. Kesey hat den Film angeblich nie gesehen, weil er nicht mit der Tatsache klarkam, dass der Film nicht – wie es das Buch tat – aus der Sicht des Chief die Geschichte erzählte. Douglas machte daraus zuerst ein Theaterstück, welches jedoch nicht sonderlich gut ankam. Man machte sich Sorgen über die humoristische Darstellung von Behinderten. Douglas reduzierte also seine eigene Gage und erwartete das von den anderen Schauspielern auch. Diese akzeptierten das aber nicht und die Vorführungen wurden eingestellt. Kirk kam auf die Idee, einen Film anzutreiben. Also kontaktierte er Milos Forman, der später der Regisseur werden sollte und fragte, ob er ihm das Drehbuch zuschicken dürfte. Forman war erfreut und bejahte. Das Drehbuch erhielt er aber nie. Wie sich 10 Jahre später herausstellte, hatte Kirk sehr wohl das Drehbuch losgeschickt, es wurde jedoch am Zoll beschlagnahmt. Das merkte niemand und so ging die ganze Sache erst 10 Jahre später ihren Lauf fort, als Kirks Sohn Michael das Drehbuch ein weiteres Mal an Forman schickte. Verrückterweise wusste Michael gar nicht, dass sein Vater bereits Jahre zuvor das Gleiche versucht hatte. Dieses Mal erreichte das Buch Forman und er wollte den Job annehmen...

Es musste allerdings ein billigerer Film werden, weil sich keine großen Finanzierungsmöglichkeiten baten. Die Hauptrolle wollte man dennoch hochkarätig besetzen. Erste Wahl sollte zunächst Gene Hackman sein. Der lehnte ab. Danach sollte Marlon Brando die Sache übernehmen. Auch er lehnte ab. Schließlich kam man auf Jack Nicholson. Dieser zeigte sich willig, steckte aber gerade in anderweitigen Dreharbeiten, die noch ein halbes Jahr dauern sollten. Also wartete man...und ein halbes Jahr später konnte man endlich mit dem Dreh des Films beginnen.

Ironisch ist, dass man die anderen Rollen mit keinen bekannten Namen besetzen wollte, weil das nicht in den Film gepasst hätte. Also entschied man sich für Schauspieler, die damals noch unbekannt waren. Darunter Danny DeVito (Martini), Christopher Lloyd (Taber), der später vor allem durch die "Zurück in die Zukunft"-Teile bekannt wurde und Brad Dourif (Billy Bibbit). Brad Dourif hatte seine größte Rolle wohl im zweiten "Herr der Ringe" - Teil. Für die jüngere Generation ist der Film also ziemlich stark besetzt, obwohl er das nicht sein sollte und damals auch nicht war.

Das soll es zur Filmgeschichte gewesen sein. Die Story sollte den meisten bekannt sein. Randall McMurphy ist eigentlich Verbrecher. Er hatte Sex mit einer Minderjährigen und zahlreiche Schlägereien. Durch sein schauspielerisches Talent gelang es ihm, für geisteskrank erklärt zu werden, weswegen er in eine Klinik verwiesen wurde, nicht in ein Gefängnis. Dort lernt er die Insassen und die autoritäre Oberschwester Mildred Ratched (Louise Fletcher) kennen. Er lebt sich recht schnell ein, ist aber mit dem ein oder anderen verlaufsplanerischen Element der Anstalt nicht zufrieden. Beispielsweise würde er gern die Spiele der Baseball-World Series sehen. Die anderen Anstaltsbewohner lieben ihn und die "Freundschaft" findet bei einem gemeinsamen Ausflug und einer späteren Party den Höhepunkt. Als McMurphy bewusst wird, dass er die Klinik nicht verlassen kann, bevor es die hohen Tiere zulassen, plant er einen Ausbruch. Er will nach Kanada fliehen und seinen besten Freund – den Chief – mitnehmen...doch der Abschied fällt schwer.

SPOILER Um das Ende zu verstehen, sollte man den Begriff Lobotomie kennen. Seltsamerweise wurde eine Szene gedreht, in der sowohl die Funktion der Elektroschocks als auch Lobotomie angesprochen wurde. Sie wurde aber entfernt, obwohl sie gut gepasst hätte. Es gab nämlich bereits einen anderen Patienten, an dem eine Lobotomie durchgeführt wurde. Das bedeutet, dass man ihm in den Hirnlappen rumgeschnippelt hat, was man normalerweise nur mit Depressiven macht oder mit Menschen, denen dringend der Schmerz reduziert werden muss. Dieser andere Patient wird übrigens von Michael Berryman gespielt. Ich habe bis jetzt 3 Rollen von ihm gesehen (TDR + Hügel der blutigen Augen + EfüdK). Jedesmal hat er Verunstaltete oder wie in diesem Fall einen geistig Gestörten gespielt. Er scheint nicht gerade die besten Rollen zu ergatternJ .SPOILER ENDE

Der Film ist für mich zweifellos hervorragend. Die Thematik, die Gesellschaftkritik, die Schauspieler, die Dialoge, die Charaktere, alles ist auf höchstem Niveau. Da kann man die gelegentlichen spannungsarmen Momente verkraften. Es gibt Filme, die keine Spannung brauchen, um perfekt zu sein. Der Pate war beispielsweise auch nicht durchweg spannend und gehört trotzdem zu den besten aller Zeiten. Das liegt wohl daran, dass eine ganz spezielle Atmosphäre aufgebaut wird, bei der nicht mehr die Spannung im Vordergrund steht. Es bekommen andere Dinge Bedeutung. Beispielsweise brennt man darauf, die Entwicklung der fantastisch gezeichneten Charaktere zu verfolgen – von Cheswick bis Bibbit. Man empfindet enorme Sympathie für sie und freut sich über jedes ihrer Worte. Das macht die Spannung des Films aus. Wobei das Ende natürlich enorm spannend und ergreifend ist. Die emotionale Komponente ist in diesem Film sehr wichtig und wird – mir fehlen die Superlative – saustark von den Schauspielern umgesetzt. Alle haben an diversen realen Gesprächstherapiesitzungen in der Anstalt teilgenommen um ihre Charaktere "real" darstellen zu können.

Eine kleine Anekdote noch: Louise Fletcher hatte ein paar Probleme damit, dass sie die harte Oberschwester spielen musste und dass ihr diese Rolle auch am Set irgendwie zu Teil wurde, während die ganzen anderen Schauspieler herumalbern konnten, weil das auch zu ihrer Rolle passte. In einem Interview offenbarte sie, dass sie das irgendwann so sehr störte, dass sie einfach ihr Oberteil auszog. Auf diese Weise wollte sie zeigen, dass sie nicht so kaltherzig und prüde ist wie ihre Rolle, sonder eine ganz normale Frau...na wenn das der einzige Weg war, warum nicht?

Fazit: Einer der besten Filme aller Zeiten. Mit sehr eigentümlicher Stimmung, sehr realistisch (ich habe einen behinderten Bruder und kann das daher ein bisschen beurteilen), super Besetzung, ergreifende Charakterzeichnung, emotionaler Story. Alles passt irgendwie in diesem Film. Ich vergebe dann 10 Punkte, wenn ich nicht weiß, was man hätte besser machen können. Mir fällt in diesem Falle einfach nichts ein. Euer

Don


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