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Kinjite - Tödliches Tabu (1989)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 31.08.2005, seitdem 1728 Mal gelesen



Lt. Crowe [ Charles Bronson ] setzt zusammen mit seinem Partner Eddie Rios [ Perry Lopez ] Gesetz und Justiz im nächtlichen L.A. um; dabei haben sie es vorzugsweise mit pädophilen Zuhältern wie Duke [ Juan Fernández ] zu tun. Dabei gerät er immer persönlicher in die Geschichten hinein, was ihn vermehrt dazu treibt, seine eigenen Methoden anzuwenden.

Reaktionärer und gleichzeitig erzkonservativer Copthriller mit einigen Actioneinlagen, der sich inhaltlich zwischen alle Stühle setzt, mitten in einem political correctness Fettnapf.
Sein durchweg dreckig nihilistischer Grundton ist ironischerweise in einer recht polierten Fassade eingesetzt; Bronson und seine Racheumsetzungen sahen damals optisch schon lange nicht mehr so gut aus. Thompsons Regie tut ihr Übriges, das slicke Skript relativ handfest und stilistisch umzusetzen.
An den Figuren direkt hapert es, die Hauptcharaktere bekommen zwar alle genug Präsenz verschrieben, aber am besten direkt mit dem Dildo verpasst. Die scheinbar angestrebte Komplexität wird etwas ad absurdum geführt, das Thema gleichzeitig verzögert und auf andere Weise innere Spannung durch mehr Plastizität versucht und auch durchaus erreicht. Die Einstiegsphase mit einer Parallelhandlung L.A. / Tokio ist relativ lang hinausgeschoben, obwohl sie eigentlich wenig mit dem Rest des Filmes zu tun und auch nicht aufgelöst wird. Trotzdem bleibt sie der interessanteste Aspekt des Filmes, auch wenn oder da gerade Subtilität vollkommen aussen vorliegt.

Alle männlichen Figuren haben ein Problem mit der Auslebung ihrer Sexualität, wobei sie schnell an den Grenzen der Gesellschaft und damit ihrer eigenen Auslotung stossen. Dabei übertreiben es die drei gegensätzlichen Hauptcharaktere in ihrer Intention auf ihre verschiedene Art und Weise; Duke überzieht es eindeutig, Crowe dagegen möchte am liebsten in reiner Prüdeheit mit Blumen und Bienen in seiner eigenen Welt leben.
Die Beschädigungen vergangener Dienstjahre haben sich bei ihm in ein eruptiv gewalttätiges Verhalten ausgewirkt, dass die Verbrecher geisselt und demütigt und die Paparolle für seine minderjährige Tochter in eine stetig paradoxe Prävention umwandelt: Küssen mit dem Freund ist für die 15jährige ebenso verboten wie das Posieren im einteiligen Badeanzug für Gewinnerfotos.
Schnell bekommt das Abbild regressiver Auffassungen noch eine neue Aufgabe verpasst, ein asiatisches Feindbild in Gestalt des umtriebigen Geschäftmannes Hiroshi Hada [ James Pax ] taucht auf, der unerkannt ausgerechnet seine Tochter begrapscht.
Der bisher moralische Schutzschild Crowes bekommt mit unverhohlenem Rassismus gegenüber "Schlitzaugen" und "Bambusbiegern" eine neue Lakierung verpasst; er zeigt sich mehr und mehr als selbstgefälliger, biederer Illusionist, der sich mit seiner ganzen archaischen Macht gegen alles stemmt, was ihm nicht passt, ohne zu differenzieren. So will er dem Verschwinden von Hadas Tochter Fumiko nur sehr unwillig nachgehen, obwohl er ansonsten seinen Job als Berufung sieht. Über die mehr als verständliche Trauer und Angst der Eltern macht er sich sogar in zynischster Weise lustig, ganz konträr zu seinem sonstigen Verhalten.

Das Fehlen von Sympathiefaktoren und die grundsätzliche Sleaziness lösen inmitten des vertrauten Ambientes vom Großstadtlabyrinth Los Angeles einen kalten Spielplatz für Obsessionen und Gewalt aus. Zwischen Pornokinos, Sexdrehs und Vergewaltigungen von Kindern auf der einen Seite und zweier konfessioneller Schulen sowie einem Pfarrhaus auf der anderen wird nur nebenbei die Jagd und Vernichtung des Zuhälters erzählt, der als Sinnbild für Kinjite = verbotene Themen dasteht.
Wirkliche Polizeiarbeit wird aussen vorgelassen. Die Ausbrechversuche von Hada vergisst das diffuse Drehbuch-Ende ebenso wie die illegalen und mörderischen Aktionen Crowes; Thompson und sein Autor gehen nie in die Richtung, in der der Zuschauer ihren Personen Sympathie entgegenbringen kann, aber stellen sie trotzdem am Schluss als geläutert hin. Crowe, weil er das Unheil besiegt und ihm die saubere Weste als Retter der Gesellschaft offenkundig zusteht. Hada, weil er mit der Konfrontation der Auswirkungen seiner Begierden genug durchgemacht hat.

Thompson arbeitet dabei unrein und unanständig, Sex, Drugs and Violence werden ebenso voyeuristisch zur Schau gestellt wie angeprangert. In Sachen Feingefühl und Intelligenz muss man sich eigentlich keine Hoffnung machen, und bekommt trotzdem einige emotionale Szenen geboten, die im entscheidenden Moment [ die Mehrfachvergewaltigung der kleinen Fumiko, bei der die Täter einfach so durchgewunken werden ] eben nicht over the top und trotzdem nahe gehen. Bei vielen anderen Szenen ist der Regisseur dann augenscheinlich sehr darauf bedacht, es ganz deutlich zu machen.
Wirkliche Action im etwas anderen pervertierten Rape and Revenge Kosmos hält sich dann in Grenzen, obwohl die Stimmung gerade danach schreit. Ein Drive-by-Shooting und ein explosiver Showdown im Hafen sind die grösseren Einheiten, zudem werden einige effektive Prügeleien eingewoben.

Ein bitterer Beigeschmack von xenophobisch projektiven Ängsten und Vorurteilen durchzieht von Beginn an den Film, der dementsprechend nur reduktionistisch, aggressiv, autoritär und in letzter Instanz destruktiv sein muss. Dieses gelingt Thompson auf überzeugende Weise; dass macht zwar noch lange keinen wirklich guten Film aus, aber genug Effektivität und Sensationslust sind geboten.


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