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Kinjite - Tödliches Tabu (1989)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 04.03.2011, seitdem 1492 Mal gelesen



Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung eines namentlich nicht bekannten Bootlegs!

"Kinjite - Tödliche Tabus" besiegelte 1989 endgültig Charles Bronsons Abstieg vom bestbezahltesten Kinostar der 70er Jahre zum altehrwürdigen Actionheld in preiswert inszenierten Produktionen für das amerikanische Kabelfernsehen.
"Kinjite" war nach "Death Wish IV - Das Weiße im Auge" auch einer der letzten *großen* Filme Bronsons, der es hierzulande nicht einmal mehr in die Kinos geschafft hatte und lediglich auf VHS veröffentlicht wurde.
Der Held unzähliger knallharter Actionfilme und ungekrönte König des Genres glänzte seit Mitte der 80er Jahre nur noch in B-Movies der *Cannon Group Inc.* und hatte das Zepter längst an seinen Nachfolger Sylvester Stallone abgeben müssen und spätestens seit 1988 Bruce Willis im Alleingang Terroristen niedermetzelte war die Karriere von Charles Bronson beendet - denn das hart umkämpfte Kinogeschäft wurde mittlerweile von der jüngeren Generation beherrscht und der Name Bronson war längst nicht mehr das gewinnbringende Zugpferd von einst.

In "Kinjite" von J. Lee Thompson (neben Michael Winner der zweite Stammregisseur an seiner Seite) mimt Charles Bronson noch einmal den knallharten Großstadt-Cop Crowe, der sich einen besonders widerlichen Zuhälter namens Duke zum Feind gemacht hat.
Duke (mit der nötigen Schmierigkeit perfekt von Juan Fernandez dargestellt) hat sich darauf spezialisiert, minderjährige, teilweise blutjunge Mädchen mit Drogen gefügig zu machen, sie abzurichten und an perverse, zahlungskräftige Freier zu verhökern. Dabei gerät die Tochter eines japanischen Geschäftsmannes in die Fänge des Verbrechers, jener Geschäftsmann, der kurz zuvor Crowes Tochter in einem vollbesetzten Bus sexuell belästigt hatte, aber nicht identifiziert werden konnte. Crowe, der seit diesem Vorfall einen Hass auf Asiaten entwickelt hat, schiebt seine Vorurteile beiseite und versucht Duke mit aller Gewalt aus dem Verkehr zu ziehen.

In gewohnt rabiater Art und jenseits aller Gesetze räumt Charles Bronson ein letztes Mal auf (abgesehen von seinem finalen Auftritt als Paul Kersey im 5. "Death Wish" von 1994), wobei es der Zuschauer hier mit ziemlich harten Tobak zu tun bekommt.
Da wird gleich zu Beginn ein perverser Freier von Crowe mit einem riesigen Vibrator penetriert um auf seine abartige Tat die gerechte Strafe folgen zu lassen und ein blutjunges Mädchen von zwei, drei Kerlen der Reihe nach vergewaltigt und gefügig gemacht - und obwohl Regisseur Thompson die Kamera rechtzeitig abwendet und sich das Grauen lediglich und dafür umso intensiver in den Köpfen der Zuschauer abspielt - ist dieser reißerische Thriller zurecht mit einer 18er-Freigabe belegt worden.
Ansonsten ist "Kinjite" weniger selbstzweckhaft als vergleichbare Werke in Szene gesetzt worden und beschränkt sich vielmehr auf die Ermittlungsarbeit der Cops und die genretypischen Diskussionen über ein fehlerhaftes Justizsysthem und Winkeladvokaten, so dass Selbstjustiz und die Beugung jeglicher Gesetze als das einzige Mittel erscheint, um solcher miesen Verbrecher habhaft zu werden.
Und so wird ein Verdächtiger bei einer Befragung über eine Balkonbrüstung geworfen und ein anderer unter Waffengewalt dazu gezwungen seine schwere Armbanduhr zu schlucken, doch abgesehen von einem explodierenden Auto und einer kurzen Schießerei verläuft "Kinjite" in relativ ruhigen Bahnen.
Erst im Finale läuft Bronson noch einmal zur Höchstform auf und liefert sich mit seinen Gegnern ein actionreiches und feuriges Finale, an dessen Ende - überraschenderweise - nicht Dukes Hinrichtung durch Crowe, sondern dessen Verhaftung steht.
Mit den Worten "*Das ist Gerechtigkeit!*" und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen übergibt er Duke der Justiz und lässt ihn in die Zelle des brutalsten Häftlings sperren, wohlwissend, dass er seiner *neuen Mama* den Arsch aufreissen wird.

Davon abgesehen ist "Kinjite" nicht nur das typische Bronson-Selbstjustiz-Vehikel, sondern der Film versucht, die reißerische Thematik möglichst vielschichtig dem Zuschauer schmackhaft zu machen.
Lobenswert dabei ist vor allem die Einbindung der japanischen Traditionen - vor allem die Stellung der Frau innerhalb der Ehe - als Kontrast zur westlichen Kultur und deren Einstellung zu bestimmten Themen, wozu auch die rituelle Selbsttötung des kleinen japanischen Mädchens zählt.
Leider wird der Nebenstrang - die Belästigung von Crowes Tochter - im weiteren Verlauf nicht mehr aufgegriffen, obwohl sie ihrem Peiniger bei einer zufälligen Begegnung wiedererkennt. Diese Storyline hätte konsequent fortgesetzt werden müssen - aber sie dient lediglich zu Anfang als Anlass für rassistische Äußerungen, was dem Werk einen bitteren Beigeschmack verleiht.

Insgesamt gesehen ist "Kinjite" noch im grünen Bereich - es mangelt ihm zwar vor allem in der ersten Hälfte an Tempo und Action und auch die Dialoge wirken teilweise behäbig und hanebüchen.
Es passt einfach nicht, wenn ein knallharter Film wie "Kinjite" sich der Thematik Kinderprostitution annimmt, Charles Bronson wie gewohnt den abgebrühten Cop mimt und dann Phrasen wie "*Man hat sie an ihrer Scham berührt!" oder "Er hat mein Allerheiligstes betatscht!" ausgesprochen werden.
Nach außen hin wird ein schmieriges und heißes Eisen angepackt und dem Zuschauer ein exploitativer Thriller suggeriert, der teilweise so prüde inszeniert ist, dass sich die Balken biegen.

Sieht man darüber hinweg wird der Zuschauer mit einer aufregenden und spannenden letzten halben Stunde entschädigt, so dass unterm Strich "Kinjite - Tödliche Tabus" nichts weiter ist, als ein leidlich unterhaltsamer und auf Anspruch bedachter, dennoch anspruchsloser Thriller mit scheinheiliger Doppelmoral und fragwürdigen rassistischen Tendenzen.

6,5/10


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