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Grey - Unter Wölfen, The (2011)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 20.04.2012, seitdem 931 Mal gelesen



Bereits einige Male ging ein Flugzeugabsturz in menschenverlassener Gegend als Ausgangsstellung für einen Überlebenskampf voraus. Ziemlich kalt war es da unter anderem in „Überleben“, der einen Flugzeugabsturz in den Anden beschreibt, aber in vorliegendem Streifen, der in der eisigen Schneeweite Alaskas spielt, muss man sich schon warm anziehen, damit die Kälte nicht den Betrachter selbst ergreift, - da geraten die blutrünstigen Wölfe fast schon zur Nebensache.

Am Abend vorm Abflug in die Zivilisation ist John Ottway (Liam Neeson) kurz davor, sich am Rande der Ölbohrstation das Leben zu nehmen, doch am nächsten Tag stürzt das Flugzeug ab und nur er und sechs weitere Männer haben überlebt. John, der sich als Jäger recht gut mit Wölfen auskennt, übernimmt die Leitung der Gruppe, während nicht nur die Wölfe, sondern Verletzungen, Kälte und fehlender Überlebenswille den Männern den Kampf durch die eisige Einöde erschweren…

Regisseur Joe Carnahan konzentriert sich von Beginn an auf das Wesentliche, stellt Hauptfigur Ottway, der den Verlust seiner Frau nicht verwinden kann, kurz und effizient vor und geht dann direkt zum Absturz über, wo die erste Begegnung mit den Wölfen nicht lange auf sich warten lässt.
Leider fallen die weiteren Figurenzeichnungen etwas oberflächlich aus, da es bis auf den klischeebedingten Querschläger kaum markante Charaktere bei den Individuen der Überlebenden gibt.

Allerdings bringt die nicht so sehr auf Action konzentrierte Umsetzung auch Vorteile, zumal die Inszenierung ohne visuelle Schnörkel auskommt, der Score im Hintergrund fungiert und dadurch die natürliche Geräuschkulisse wesentlich dichter wirkt.
Bereits nach wenigen Minuten wird die unausweichliche Kälte spürbar, die endlose Weite der menschenleeren Landschaft weist ohne Umschweife darauf hin, mit dem eigenen Überlebenswillen konfrontiert zu werden, mit all seinen Ängsten, Übersprungshandlungen und waghalsigen Einfällen.

Glücklicherweise wird der Einsatz der Wölfe nicht überstrapaziert, oft reicht ein entferntes Heulen in der Stille oder ein Knurren, welches die Omnipräsenz der grauen Ungetüme untermauert und einen wirklichen Schutz gegen die Meute aussichtslos erscheinen lässt.
Allerdings wurde für einige Nahaufnahmen auf CGI zurückgegriffen, was der Bedrohlichkeit der Wölfe einige Effektivität raubt, denn die zu glatten Antlitze in diesen, glücklicherweise wenigen Szenen sind schlicht zu unrealistisch.
Wesentlich wirkungsvoller sind da Rudel aus der Distanz eingefangen oder schemenhafte Vierbeiner am Horizont, welche dennoch unterstreichen, stets als potentielles Opfer im Visier zu stehen.

Als reiner Tierhorror fungiert die Erzählung jedoch nicht, sondern konzentriert sich vielmehr auf seine Hauptfigur und dessen Handeln, welches durchaus mit fehlerhaften Entscheidungen verknüpft ist, etwa als die Gruppe die Trümmer des Flugzeuges verlassen soll oder man per Seil versucht, einen Abhang zu überwinden.
Dennoch kann Ottway die Gruppe zusammenhalten, es gibt Momente des offenen Austausches mit Sehnsüchten und Gedanken an Frau oder Familie, Erinnerungen an ein einschneidendes Kindheitserlebnis, aber auch langsame und weniger erwartete Abschiede vom Leben, denn folgerichtig wird die Gruppe nach und nach verkleinert.

Neben der grundsoliden Kamera und den knallharten Wetterbedingungen ohne Dazutun künstlicher Hilfsmittel ist vor allem Liam Neeson als perfekte Wahl für die Hauptrolle als Leitwolf zu erwähnen. Er performt gewohnt großartig mit vielen Facetten und einer immensen Präsenz, wobei die innere Zerrissenheit seiner Figur im wunderbaren Kontrast zum Appell ans Durchhaltevermögen und den Kampfgeist an die übrigen Männer steht.

„Grey“ ist am Ende also ein durch und durch sehenswerter Abenteuerfilm geworden, der nie lange um den heißen Brei herumredet und dennoch mit gut durchdachten Dialogen ein wenig Tiefe ins Spiel bringt. Atmosphäre und Suspense sind fast durchweg gegeben und auch wenn die manchmal künstlich ins Geschehen geworfenen Wölfe und einige arg konstruierte Unwahrscheinlichkeiten minimale Schatten entstehen lassen, sind vor allem Survivalfreunde gefragt, die nicht nur Eiseskälte und angriffslustige Wölfe standhalten können, sondern sich primär der Situation aussetzen, wie es um den eigenen Überlebenswillen in so einer Situation bestellt wäre.
Knapp
8 von 10


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