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Grey - Unter Wölfen, The (2011)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 26.04.2012, seitdem 808 Mal gelesen



"Einmal noch in die Schlacht. Ein letztes, gutes Gefecht. Lebe und stirb heute Nacht."

Regisseur Joe Carnahan war zuletzt durch seine ausgeflippten Actionfilme "Smokin’ Aces" sowie "Das A-Team" auffällig und verschmäht. "The Grey - Unter Wölfen" mag zunächst so garnicht in diese Reihe von Arbeiten passen, verlässt es doch offensichtlich seine bisher eher abgedrehte Inszenierung.

John Ottway (Liam Neeson) ist als Jäger in einer entlegenen Ölförderungseinrichtung in Alaska beschäftigt und schützt die Arbeiter vor Angriffen wilder Tiere. Stets geplagt von Erinnerungen und Alpträumen über seine Frau, hat er sein Leben nahezu abgeschlossen.
Während des Rückflugs in die Zivilisation stürzt die Maschine mitten in der Wildnis ab. John und die wenigen Überlebenden versuchen sich in Richtung Süden zu retten und die Eislandschaft zu verlassen. Neben der lebensbedrohlichen Witterung und den knappen Lebensmitteln werden sie von einem Rudel angriffslustiger Wölfe verfolgt.

Auf der einen Seite ist "The Grey" ein unheimlich geradliniger und unbarmherziger Überlebens-Thriller mit einer tragisch-depressiven Stimmung, bildgewaltig und schnörkellos inszeniert. Auf der anderen fehlt der Handlung jedoch der lange Atem, was sie durch plakative Schreckeffekte zu kompensieren versucht, sich dadurch allerdings an den Rand der Erträglichkeit begibt.

Carnahan verlässt sich sehr auf seine raue Inszenierung, die durch die schlichte Geschichte eine gewichtige Rolle spielt. Der Flugzeugabsturz erweist sich als bombastisches, audiovisuelles Ereignis, so wie auch die Präsentation der unwirtlichen Kulisse Alaskas. Ohnehin ist die Geräuschkulisse die zuverlässigste Höhe des Abenteuer-Horrorfilm Hybrids.
Es dauert nicht lange bis sich die dauerhafte Bedrohung in Form vom Geheul der Wölfe ankündigt. Ab diesem Zeitpunkt beansprucht "The Grey" die Nerven der Charaktere wie auch des Publikums gleichermaßen. Ohne Überraschung dezimiert sich die Gruppe Überlebender durch überwiegend plötzliche, unerwartete Angriffe. Die Folge ist, dass der Bildkomposition nicht mehr zu vertrauen ist, ein Angriff der Tiere genauso wahrscheinlich erscheint, wie kein Angriff. Trotz vorhersehbarer Ereignisse strapaziert dies die Wahrnehmung, besonders bei dem jeweiligen Publikum, dass gegen Schreckeffekte nicht abgehärtet ist.

Dummerweise erweitern diese Elemente des Horror-Genre "The Grey" nur bedingt. Zugegeben, die Spannungskurve wird durch diese Einzelszenen hoch gehalten, ihr Einsatz erfolgt jedoch um von den Schwächen in der Erzählweise abzulenken und klaffende Logiklücken zu kaschieren. Auffällig bleiben diese dennoch. Besonders das Rudelverhalten der Wölfe und das Gruppenverhalten der Überlebenden erweist sich häufig als merkwürdig, was folglich an der Authentizität kratzt.
Trotz vereinzelter Versuche den Protagonisten ein Profil zu geben, bleiben diese schlicht und klischeebehaftet. Nur zwei von ihnen erhalten im Laufe des Films eine nachvollziehbare Charakterisierung, die Konfliktpotential beherbergt. Dieses vorhandene Konfliktpotential untereinander wird erwartungsgemäß ausgereizt und angenehm geschlichtet. Darüber hinaus dienen die weiteren Figuren ausschließlich als austauschbares Kanonenfutter.

Liam Neeson ("Schindlers Liste", "96 Hours", "Battleship") dominiert mit einer souveränen Darstellung irgendwo zwischen anspruchsvollem Drama und Blockbuster-Kino. Der überwiegend in Serien aktive Frank Grillo sticht aus den restlichen guten, aber zu kurz kommenden, Darstellern etwas heraus.

"The Grey" bleibt ein grundlegend kompromissloser Überlebens-Thriller mit unzulänglichen Horror-Elementen, dessen Versuche einen anspruchsvollen Subtext zu entwickeln scheitern. Der strapazierende Genremix bietet audiovisuell einige Höhen, kämpft erzählerisch allerdings mit Figurenklischees und Logiklöchern. Und das Ende wird trotz einer erklärenden Einzelszene nach dem Abspann für ordentlich Diskussionsstoff sorgen. Die Konkurrenz in Form beider "Der Flug des Phönix"-Varianten und "So weit die Füße tragen" kann da mehr, ohne auf Effekthascherei zurückzugreifen.

5 / 10


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