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Grey - Unter Wölfen, The (2011)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 14.06.2012, seitdem 1526 Mal gelesen



Sechs Männer, verloren in Eis, Schnee und Einsamkeit, im Wettrennen gegen den Tod durch ein Rudel Wölfe, deren Revier man versehentlich (per Flugzeugabsturz) betreten hat, das scheint Abenteuerromantik und Thrillerdrama zugleich zu sein - doch unter der Regie von Joe Carnahan wird in "The Gray" mehr daraus als ein typischer Tierthriller mit Bodycount, bei dem sich aus dem Sextett erst der Überlebenstyp nach und nach herauskristallisiert, weil er angesichts der Gefahr seine Menschlichkeit noch nicht verloren hat.

Statt eines Heldenepos inclusive Kampf bis aufs Blut und Rettung in letzter Sekunde wird daraus eine abendfüllende Meditation über das langsame Sterben, denn die zentrale Figur Ottway (dargestellt von einem Liam Neeson in awardwürdiger Form), ein Mann für das Töten von Wölfen zum Schutze der Arbeiter bezahlt, ist selbst ein Gebrochener am Rande des Suizids, gramgebeugt über den krankheitsbedingten Tod seiner Frau. Schon im ersten Viertel steckt er sich den Lauf seines Gewehrs in den Mund, dabei ist die Situation da noch gar nicht so ausweglos, wie sie noch werden könnte, aber es bleibt dem "Helden" sein Mantra, "noch einen letzten großen Kampf, eine finale Schlacht" auszutragen, wie es sein Vater vorgab.
Die Gelegenheit bietet sich schon bald, als das Transportflugzeug in eisverwehter Einöde zerschellt und nur eine Handvoll Männer unterschiedlichster Couleur überleben - und Ottway wird ihr notgedrungener Leiter auf dem Weg, der als der Sicherste erscheint, um die nächsten Ausläufer der Zivilisation zu erreichen.

Schon in diesem ersten Filmdrittel wird deutlich, daß man es nicht mit dem typischen Wildnisdrama zu tun hat, geradezu bestechend sind die todesnahen Flackerbilder, die Carnahan als Absturz inszeniert, schwankend zwischen der Realität, in der alle Regeln physikalischer Natur aufgehoben sind und der Zwischenwelt, in der Ottway sich im Schlaf bereits bewegt. Kurz darauf hält er einen todwunden Mann in den Armen und muß ihm ins Gesicht sagen, daß er jetzt sterben wird, während die Kamera den Platz der Überlebenden einnimmt und man das Grauen des unausweichlichen Todes mit den übrigen durchstehen muß. Der Tonfall bleibt, es wird von da an nur noch düsterer.

Hier ist kein Hardy Krüger mit im Team, der aus zwei Sicherheitsnadeln und einem gefällten Baum einen Motorschlitten baut, der Weg ist lang, entbehrungsreich und tödlich - und die Aussichten sind mehr als mies. Und so sterben die Männer alsbald einer nach dem anderen einen langsamen und unausweichlichen Tod, nicht weil sie es wegen ihrer Filmcharakterzüge so verdient haben, sondern weil ihre physischen Vorgaben und körperlichen Verfassungen es nicht erlauben, noch weiter in diesem Schneesturm zu überstehen, der übrigens in grimmigem Realismus schwelgt (was ein Wunder, es war in allen Szenen die echte Natur, kein Tricksturm).
Die Wölfe, die unbarmherzigen Verfolger, sind da nur ein weiteres und gnadenloses Element, die wenigsten Männer fallen ihnen zum Opfer, stattdessen scheitern sie an der Natur oder haben schlichtweg Pech, denn in "The Grey" gibt es keine Übermenschen, die Unmögliches überleben können.
Gut und Böse, sympathisch und unsympathisch verblassen mit der Zeit, schlußendlich wandelt sich der Selbstfindungsprozeß in eine Sterbensakzeptanz, die zwar auf eine finale Konfrontation hinausläuft, diese aber nur als logischen Schluß der "Reise" abbildet, das Mantra als letztes Ziel bis zur Erfüllung aller Todesahnungen.

"The Grey" ist nihilistisch, grimmig, realistisch und gerade deswegen ungeheuer packend, wenn man sich von traditionellen Thrillerformeln verabschiedet und typische Handlungsmechanismen vermeidet; ein kraftraubender und endlos faszinierender Film in ausgebleichten Winterfarben, der den Zuschauer so faszinierend auszehrt, wie der Plot seine Figuren.
Der Weg eines Kriegers - erbarmungslos und rauh. (8,5/10)


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