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End of Watch (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 23.11.2012, seitdem 2058 Mal gelesen



Mit seiner dritten Regiearbeit bleibt David Ayer dem Polizeifilm treu und schildert nun die Lage auf dem heißen Pflaster South Central in Los Angeles.
Hier tun auch Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) Dienst, Partner und Freunde, die sich der Härte ihres Berufs bewusst sind: Wo andere Cops ihre Waffe in ihrer gesamten Dienstzeit nicht einmal ziehen müssen, da leben sie in einer von Gangs kontrollierten Gegend und liefern sich bereits zum Auftakt eine Schießerei mit zwei Flüchtigen. „End of Watch“ erklärt seine Schauwerte aus der Handlung heraus, gibt sich als durch und durch authentischer Polizeifilm.
Analog dazu wandelt der Film auch ein wenig auf Mockumentary-Pfaden, wenn Brian, der nebenher studiert (eines seiner Fächer ist Film), den Alltag mit anclipbaren Kameras aufzeichnet. Von da wechselt der Film zwischen verschiedene Kameras (Camcorder, wageninterne Kameras, anclipbare Kameras etc.), versucht sich jedoch nicht auf Teufel komm raus auf Found-Footage-Pfaden: Immer wieder schneidet der Film mit extradiegetischer Kameraführung dazwischen, setzt die storyinternen Kameras nur dann ein, wenn es Sinn macht, auch wenn sie den Großteil der Aufnahmen ausmachen.

„End of Watch“ folgt den beiden Cops nun bei ihrem Arbeitsalltag, verzichtet auf einen komplizierten bzw. konstruierten Mainplot, sondern erforscht das Wesen des amerikanischen Cops so authentisch wie kaum ein anderer Genrevertreter. Tatsächlich wendet sich der Film auch vom Trend der bösen, korrupten Cops ab: Seine Protagonisten sind weder fehlerfrei noch kriminell, sie sind tatsächlich jene normalen Beamten, die in den meisten Polizeifilmen zugunsten der übermenschlichen Helden oder zutiefst Korrupten ausgeblendet werden.
Stattdessen sind die Erfolge, die Brian und Mike feiern kleinerer Natur, sie bestehen meist darin, dass sie ihren Job gut machen. Ein Handlungsstrang ist etwas außergewöhnlicher, er wird den Film vorbereitet, erlangt aber erst im Finale des Films zentrale Bedeutung – auch wenn der Trailer des Films leider in erster Linie hieraus Material nimmt und einen falschen Eindruck erzeugt. „End of Watch“ ist nämlich nicht story-driven, sondern character-driven, wie der Amerikaner sagt, und das Rezept funktioniert prächtig: Dann, wenn die Situation sich zuspitzt und es zum Showdown kommt, dann erzeugt „End of Watch“ hohen Adrenalinausstoß, da man eben so dicht an den Charakteren dran ist, da man um ihr Leben fürchtet, denn angesichts des hohen Realismusgrades ist klar, dass einer oder gar beide Protagonisten durchaus draufgehen könnten.
Tatsächlich lebt der Film von seiner Authentizität, die durch den nüchternen Gestus und die körnigen, an „The Shield“ erinnernden Bilder unterstrichen wird. Den Mockumentary-Ansatz hätte er fast nicht nötig, denn von den Dialogen, der Chemie zwischen den Cops und den Einblicken in ihr Privatleben her hat der Film ein dermaßen authentisches Flair, dass dies schon reichen würde. Die Cops flachsen herum, ergehen sich in Trashtalk, nur um kurz darauf dann über Privates zu reden – wie es reale Menschen eben auch tun.

Insofern helfen die häuslichen Szenen den Film weiter zu erden: Sei es bei Zavala, glücklich verheiratet mit Gabby (Natalie Martinez), eingebunden in eine typische Großfamilie, oder bei dem ewigen Junggesellen Taylor, der aber im Laufe der Handlung mit Janet (Anna Kendrick) die Frau fürs Leben zu finden scheint – ihre gemeinsame Tanzeinlage später im Film zeugt von Spritzigkeit. Die kleinen Begegnungen mit Kollegen, seien es Dienstälteste oder Rookies, weibliche Cops, die es unter den Machos schwer haben, oder ein bärbeißiger Veteran, sie tragen zu der lockeren Authentizität bei, die „End of Watch“ charakterisiert. Erfreulich glaubwürdig werden auch die Beziehungen zu den Einwohnern von South Central a.k.a. Southland dargestellt, etwa wenn sich Zavala mit einem Anwohner prügelt, diesen aber aufgrund eines viertelinternen Ehrencodes nicht anzeigt oder die beiden Cops sich mit den Hilferufen verwirrter Junkies und zerrütteter Familien beschäftigen müssen.
Sowohl Jake Gyllenhaal als auch Michael Peña gehen in den Hauptrollen auf, tragen zum Gelingen des Films bei, wobei der mit größerem Starappeal gesegnet Gyllenhall seinem Kollegen, bisher eine Art ewiger Nebendarsteller, nie die Show spielt. Anna Kendrick behauptet sich in ihrer kleinen Rolle, Natalie Martinez als treue Ehefrau kommt etwas zu kurz, dafür setzen Cody Horn und America Ferrera Akzente. Tollen Support gibt es von Frank Grillo und David Harbour als ältere Kollegen und Vorgesetzte der Protagonisten.

Die Einbeziehung intradiegetischer Kameras läuft nicht immer sauber, doch ansonsten ist „End of Watch“ ein in seiner Authentizität packender, zum Ende hin höchst spannender Polizeifilm mit furiosem Finale. In seiner Anlage bewusst kein plottechnisch komplexer Film, aber ebenso fesselnd wie gut besetzt.


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