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Dark Knight Rises, The (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 31.07.2012, seitdem 520 Mal gelesen



"Man muss investieren, um das Gleichgewicht dieser Welt zu erhalten."

Seit 8 Jahren lebt Bruce Wayne (Christian Bale) zurückgezogen in einem Teil seines Anwesens. Er zeigt sich weder selbst noch als Verbrechensbekämpfer Batman in der Öffentlichkeit, einzig um die Straftaten des Staatsanwalts Harvey Dent (Aaron Eckhart) zu vertuschen und so in Gotham City ein Gesetz zu erheben, das die Straßen von Verbrechern befreit. Umsorgt von seinem treuen Butler Alfred (Michael Caine), hat Wayne sich völlig isoliert und leidet an Problemen mit seinem Bein. Erst als die katzenhafte Diebin Selina Kyle (Anne Hathaway) ihm eine Halskette aus dem Safe stiehlt, wird sein Interesse sich am Leben wieder zu beteiligen angeregt.
Aber selbst nach Jahren der Ruhe ist das Verbrechen nicht endgültig besiegt. In der Kanalisation baut der Söldner Bane (Tom Hardy) eine Armee auf, um Gotham die seiner Meinung gerechte Strafe zu verhängen. Das erste aufeinandertreffen zwischen ihm und Polizei-Commissioner Jim Gordon (Gary Oldman) endet für letzteren beinahe tödlich. Gerettet wird er von dem übermütigen Polizisten John Blake (Joseph Gordon-Levitt), der die wahre Identität von Batman herausgefunden hat und nun versucht Bruce Wayne dazu überzeugen seine einstige Rolle als Verbrechensbekämpfer wieder aufzunehmen.

Die Erwartungen an "The Dark Knight Rises" sind hoch. Regisseur Christopher Nolan hat mit seinen letzten beiden Filmen "Inception" und "The Dark Knight" nicht nur eine intelligente Handlung in technisch perfekten Bildern erschaffen, sondern auch absolute Meilensteine der Kinogeschichte gesetzt. Und selbst zuvor sind Ausfälle kaum vorhanden. Aufgrund dieses Erwartungsdrucks eine Enttäuschung zu erleiden, ist somit schon beinahe vorprogrammiert. Dies liegt jedoch nicht einzig an den nicht erfüllten Erwartungen, sondern an dem sehr zurückhaltenden Einfluss von Nolan's Stärken. Erstaunlicherweise kämpft das Finale der epischen Comic-Verfilmung nämlich mit erzählerischen Längen und einer uninspirierten Auflösung.

Im Gegensatz zur knapp einjährigen Brücke zwischen den Ereignissen in "Batman Begins" und "The Dark Knight" wählt Nolan bei "The Dark Knight Rises" eine viel breitere Zeitspanne bis zum Wiedereintritt in die Geschichte Bruce Wayne's. Und umso radikaler fällt dessen Zustand aus. Ungepflegt, den Blessuren des Kampfes Tribut zollend auf einen Gehstock angewiesen und jeder Öffentlichkeit fern bleibend wankt der gefallene Held, der ein Leben nach Batman an das Scheitern seiner Ideale verloren hat, durch die neu errichteten Räume Wayne Manor's, verbringt seine Stunden in mentaler Selbstfolter ob des Todes seiner geliebten Rachel. Diese melancholisch erdrückende Atmosphäre zieht sich durchgehend durch den Film. Erheiterungen gibt es nur wenige. "The Dark Knight Rises" formt seinen Titelhelden als aufstrebendes Wesen, das erst wieder zu sich selbst zurück finden muss. Mehrmalig während der überlangen Laufzeit.

In der ersten Stunde macht Nolan seine Zuschauer mit einer hohen Anzahl neuer Nebencharaktere vertraut, während gängige an Präsenz einbüßen. Ein Kniff der nicht nur eine eigenständige Geschichte aufbauen soll, sondern auch altgediente Handlungsstränge nochmals aufzugreifen und diesmal zu einem endgültigen Ende zu führen. Die Figurenkonstellation wirkt trotz verschobener Prioritäten stets ausgewogen, die neuen Charaktere fügen sich authentisch in die Geschichte ein, erhalten nachvollziehbare Hintergründe und erfüllen allesamt glaubhaft ihren erzählerischen sowie emotionalen Zweck.
Ein weiterer Fakt, der in der ersten Hälfte des Films eine Verbindung zu realen Ereignissen herstellt, ist die Nutzung aktueller Zeitgeschehen in Form der Auswirkungen des Kapitalismus. Hierbei treten dann aber auch die ersten Gefahren auf, die in der zweiten Hälfte Überhand nehmen: Nolan versucht so viel wie möglich in die Handlung einzubauen, wodurch sie gnadenlos überladen wird.

Überraschend ist, dass "The Dark Knight Rises" das hohe Tempo seines direkten Vorgängers nicht übernimmt. In dieser Richtung erinnert er eher an "Batman Begins" mit seinem gemächlichen Aufbau. Erzählerisch hängt der Film in der Mitte ohnehin durch, denn dort wiederholt Nolan seinen Erzählstil eines erneut gebrochenen Helden, der nochmals motiviert werden muss.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern hat es der Superheld diesmal mit einem physisch dominanten, geradezu übermächtigen Gegner zu tun. Bane vermag es Batman mit bloßen Händen Grenzen aufzuweisen, mit denen er sich niemals zuvor konfrontiert sah. Mitsamt seiner Söldnertruppe entert Bane die Stadt Gotham und verfolgt einen Plan, dessen Konsequenzen selbst die Taten des Joker's blass erscheinen lassen. Diese Apokalypse einer Stadt inszeniert der Film ungemein wuchtig und kompromisslos, vielleicht aber auch ein wenig zu überschwänglich.

Man könnte geradezu darüber streiten, ob es sich bei "The Dark Knight Rises" überhaupt noch um einen Batman-Film handelt. Nicht nur die schon in den Vorgängern angewandte Nutzung eines realen Settings verschieben die Filme von den Comics in einen realen Kosmos. Diesmal ist auch die Präsenz des Helden augenscheinlich zu gering und mit nur wenigen Höhen bedacht. Einmal ganz von der befremdlichen Ausgangslage abgesehen, dass sich Batman selbst in Bürgerkriegs-ähnlichen Zuständen weigert eine Waffe abzufeueren und stattdessen mit den Verbrechern in den Nahkampf geht. Dieser Ansatz funktioniert leider in einem solchen anarchischen Film nicht mehr, der sich so sehr bemüht sich selbst in der Realität zu verwurzeln.

Während die Bilder durch virtuose Kameraarbeit und detaillierte Effekte beeindrucken, entfacht der Soundtrack von Hans Zimmer eine bedrohliche Atmosphäre. Gerade die Actionszenen, in Form von schnörkellosen Faustkämpfen oder flotten Verfolgungsjagden zu Lande und in der Luft, profitieren von der bildgewaltigen Inszenierung und dem überwältigenden Einsatz der musikalischen Untermalung.

Erneut sind Christian Bale ("The Fighter", "Equilibrium"), Gary Oldman ("The Book of Eli", "Harry Potter"-Reihe), Morgan Freeman ("Million Dollar Baby", "Dreamcatcher"), Michael Caine ("The Weather Man") sowie Cillian Murphy ("Sunshine") in Haupt- und Nebenrollen passend besetzt und wirken eingespielt in ihren Rollen.
Neu hinzu kommen Anne Hathaway ("Alice im Wunderland"), Tom Hardy ("Star Trek: Nemesis"), Marion Cotillard ("Public Enemies") und Joseph Gordon-Levitt ("G.I. Joe"). Während letztere beiden etwas wenig Spielraum erhalten, können Hardy, durch seine bullige Erscheinung und seine ausdruckslose Mimik, sowie Hathaway, Dank eines erfrischend vielseitigen Interpretationsraumes, durchgehend überzeugen. Schauspielerische Höhen, wie es der verstorbene Heath Ledger zustande brachte, gibt es allerdings nicht.

"The Dark Knight Rises" spielt in etwa in der Liga, wo Christopher Nolan seine Batman-Reihe begann. In Anbetracht seiner perfekt konstruierten und vollstreckten letzten Filme ist das Finale der Reihe ein deutlicher Schritt zurück, gerade da es Nolan nicht schafft die Spannungskurve vor dem zusammenbrechen zu bewahren und die überladene Handlung selbst in 164 Minuten kaum ihren Platz findet. Trotz allem ist "The Dark Knight Rises" ein guter Film, der besonders durch seine wuchtige Inszenierung, greifbaren Figuren und einer starken Bild-Ton Komposition unterhalten kann. Auch wenn nicht so wie erwartet.

8 / 10


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