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Dark Knight Rises, The (2012)

Eine Kritik von
eingetragen am 03.08.2012, seitdem 503 Mal gelesen



SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER SPOILER

Als ich „damals“ bei „Batman Begins“ aus dem Kino kam, war mein Eindruck zwiespältig – als Film gelungen, als Batmanverfilmung problematisch war damals mein Fazit (was dazu geführt hat, dass ich zwei Reviews mit unterschiedlichen Wertungen geschrieben habe, aus Comicleser- und aus Filmfansicht).

Mittlerweile bin ich kein Comicleser mehr, und sehe den freieren Umgang mit der Quelle wesentlich entspannter (innerhalb gewisser Grenzen) und ich habe mich daran gewöhnt, dass Nolans Batman viele Gemeinsamkeiten mit dem Comicbatman, dessen Geschichte ich rund eine Dekade durch Seuchen, Erdbeben und neue Sidekicks verfolgt habe, hat aber eben auch zentrale Unterschiede aufweist, die in diesem Film endgültig aufbrechen.


Erwartungsgemäß fallen die Reaktionen auf den Film ja recht verhalten aus, nachdem „The Dark Knight“ ja von vielen (mich inklusive) begeistert gefeiert wurde.


Auch bei mir war die Vorfreude riesig, und die Gefahr einer Enttäuschung entsprechend groß, allerdings kann ich mich den "gut gemachter Mumpitz" Reviews nicht wirklich anschließen.
Die erste Hälfte entwickelt sich etwas langsamer und zeigt mMn deutlich auf, wie sehr sich Nolans und DCs Batman unterscheiden. Wie spätestens am Ende von Batman Begins deutlich wird, ist die Anlage von Nolans Batman anders als die  in den Comics. Auch bei Nolan wird Bruce Waynes Leben vom Mord an seinen Eltern bestimmt und auch diese Figur ist zutiefst traumatisiert, aber anders als in den Comics hat er die Hoffnung (! ein Begriff, der im Film meiner Meinung nach zu Recht eine zentrale Rolle spielt) auf ein normales Leben nach der „Rettung“ Gothams noch nicht aufgegeben. Das geschieht erst im Zuge der Ereignisse von The Dark Knight, als er die Liebe seines Lebens (die es so in den Comics nicht gibt!) und seine Aufgabe verliert. Er hat Gotham einen Helden gegeben, Batman wird nicht mehr gebraucht, würde sogar eher schaden. Sein Leben bleibt einfach stehen, er ist unfähig, sich weiter zu entwickeln, genau darum geht es in der ersten Hälfte des Films (die Szenen mit Alfred – ich hätte auch gerne mehr Michael Caine gesehen, aber bei der Anlage der Figuren musste Alfred Bruce verlassen).

Jahre später will er sein Leben auch nicht weiter leben, sondern zurück drehen, auf die Zeit, als er Batman war. Alfred kann das nicht akzeptieren, er weiß, dass Bruce ein neues Ziel braucht, ein Leben als Bruce Wayne, nicht Batman. Als ihm klar wird, dass sein Sohn sich nicht weiter entwickeln wird, sondern einen Schritt zurück macht, muss er gehen.  Für mich ist das absolut stringent und überzeugend.
Bruces  Versuch, die Zeit zurück zu drehen,  scheitert in Gestalt des Verbrechers Bane (den ich beängstigend und dominant fand), der ihm das Rückgrat bricht.

Außerdem werden in dieser Filmhälfte mehrere Subplots eingeführt, die mehrere Effekte auf mich haben:

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Catwoman wird eingeführt, eine gut gespielte Figur, die aber immer im Rahmen des Genrekonventionen bleibt, diesen aber hervorragend ausfüllt

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Officer Blake, der menschliche Anker (ein wenig wie Dent im zweiten Teil), bei dem schnell klar wird, dass er als „Nachfolger“ oder „Sidekick“ aufgebaut wird. Diese Figur hat viel Prügel bezogen, „zu sauber“, „zu glatt“, „und dann auch noch Robin“. Ich hätte es am Ende auch besser gefunden, wenn sein Geburtsname „Grayson“ gewesen wäre (zumal in den Comics Dick immer Bruces designierter Nachfolger war). Ich fand die Figur allerdings gar nicht so aalglatt, wie behauptet wird. Ähnlich wie Bruce steckt er voll unterdrückter Wut, die sich auch gelegentlich Bahn bricht, als Polizist setzt er zudem recht häufig seine Schusswaffe ein, was gegen Batmans Ideale geht.

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Der Wirtschaftsplot holt zum einen Batman aus seinem Exil und zeigt zum Anderen, wie Recht Alfred hat – Bruce Wayne hätte früher reagieren und sich wehren können, statt dessen versucht Batman, das Problem zu lösen und scheitert.

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Die Lovestory bleibt oberflächlich und ist den Genrekonventionen geschuldet (und verleiht dem Schlusstwist um Talia mehr Drive)

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Die Verletzung Gordons („Officer Down“) ist nötig, um ihn aus dem Spiel zu nehmen, damit er später unbeschadet als „Anführer“ positioniert werden kann.

Für mich wird hier der emotionale und dramaturgische Unterbau für die krachende zweite Hälfte des Films geschaffen. Bei uns war nach dem Bruch des Rückgrats die Pause, für mich funktioniert der Teil fast als eigener Film, als Portrait eines Scheiterns. Interessanterweise wechselte an dieser Stelle für mein Empfinden auch die Inspirationsquelle – statt auf Knightfall rekurriert Nolan mMn mehr auf No Man’s Land, einer Storyline, in der Gotham zum Niemandsland erklärt wird und die Anarchie ausbricht. Das Ausbrechen der Anarchie funktioniert hier  recht gut, aus einem recht einfachen Grund – The Dark Knight Rises entpuppt sich weniger als Fortsetzung denn als Abschluss einer von Anfang an geplanten Trilogie.

In Batman Begins wurde die „Liga der Schatten“ eingeführt, die das Ziel hat, die Welt mit Feuer und Schwert zu reinigen, allem voran Gotham, das Sinnbild für alles Verkommene. Dieses Ziel setzt Bane konsequent fort – wie er sagt, ist das Niederschmetterndste das Verlöschen von Hoffnung, darum geht es bei der Bombe, die auf jeden Fall explodieren soll – er lässt Gotham und der Welt ein halbes Jahr lang die Hoffnung, die Explosion abwenden zu können, weidet sich an der Anarchie (der negativen Form, die auf dem Wegfallen, nicht dem Überwinden staatlicher Ordnung basiert, eine Unterscheidung, die Bane verschweigt) und dem Chaos, um dann deutlich zu machen, dass der Kampf von Anfang an verloren war. Damit steht er in der Tradition von Liam Neesons Ras al Ghul, was auch durch die Auftritte Neesons und Murphys unterstrichen wird. Harvey Dent ist ebenfalls ständig präsent, durch die Dent-Gesetze, die die Stadt „gereinigt“ (und für neue, unsichtbare Konflikte und Aggressionen gesorgt) haben.  Es gelingt Nolan hier mMn die Fäden aus drei Filmen zusammen zu führen, wodurch die Trilogie wie aus einem Guss wirkt (für mich macht sie das zur besten Trilogie aller Zeiten, allerdings ist der „Herr der Ringe“ in dem Sinne keine Trilogie, sondern eine Geschichte in drei Filmen).

Insgesamt war die zweite Hälfte für mich ein wahnsinniger Adrenalintrip, bei dem ich atemlos auf die Leinwand gestarrt habe. Bei nüchterner Betrachtung gibt es sicher einige Kritikpunkte (und ja, das „ich habe noch 90 Sekunden, küsse dich aber erst noch“ hat mich auch gestört), aber das ist so fulminant inszeniert und gespielt, dass es meinen Sehgenuss nicht geschmälert hat.
Die Parallelisierung von Batman und Bane im Gefängnis funktioniert – die beiden sind zwei Seiten einer Medaille, wie schon Batman und Joker in TDK, auch wenn am Ende Banes Schwäche deutlich wird – er hat die Hölle gar nicht überwunden. Damit ist er dramaturgisch erledigt, was erklärt, warum er ohne „epischen Endkampf“ entsorgt wird. Den hat er einfach nicht verdient, das Finale gehört Batman und Talia (ja, ich bin doof, aber ich habe den Twist nicht kommen sehen…), zumal Batman schon gezeigt hat, dass er hier Bane auch physisch überlegen ist.


Die zweite Hälfte hat auch etwas geschafft, dass ich eigentlich für unmöglich gehalten habe. Ich habe schon viele Filme gesehen, viele Comics gelesen und weiß, wie solche Filme ticken. Batman kommt aus dem Loch raus und rettet die Welt, keine Frage. Aber es gab Phasen im Film, in denen ich daran gezweifelt habe. Das haben weder die X-Men noch Spidey oder sonst ein Superheldenfilm (außer TDK) geschafft. Eine unglaubliche Leistung.


Unterm Strich fand ich den Film ein winziges bisschen schwächer als den direkten Vorgänger, und für eine abschließende Wertung fehlt eh noch die O-Ton Sichtung, aber das ist Meckern auf extrem hohem Niveau. Nolan scheitert immer noch daran, endlich mal einen schlechten Film zu machen.

Ich war begeistert und bin rundum zufrieden mit Nolans Batmanvision. Wie sagte der BBC-Chefkritiker Mark Kermode so treffend sinngemäß: „Bei Nolan hat man immer das Gefühl, dass der Regisseur das Publikum für mindestens so intelligent hält wie sich selbst.“ Danke für Ihr Vertrauen, Mr Nolan!

Als ich damals bei TDK aus dem Kino kam, habe ich versucht, meinen Schatz anzurufen, war aber noch so durch den Wind, dass kein Gespräch zu Stande kam. Nach DKR habe ich gleich nur ne SMS geschrieben.


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