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Jack Reacher (2012)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 21.12.2012, seitdem 3917 Mal gelesen



Tom Cruise ist mit seiner „Mission: Impossible“-Reihe bereits einer der Goldesel für Paramount, mit der Figur des Jack Reacher könnten er und das Studio bereits das zweite Franchise-Eisen im Feuer haben.
Die ersten Minuten des Films kommen nicht nur ohne Jack Reacher, sondern auch ohne Dialog aus: Ein Scharfschütze bereitet sich vor, fährt mit einem Van in ein Parkhaus, bezieht mit einem Präzisionsgewehr Stellung. Von dort aus feuert er sechs Mal, tötet fünf Menschen und verschwindet vom Tatort. Eine Montage zeigt die Ermittlungen der Polizei, die anhand von Indizienbeweisen den ehemaligen Army-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora) verhaftet. Erst bei dessen Vernehmung werden Dialoge gesprochen, als wolle man die Fassungslosigkeit des anfänglichen Blutbades in Bilder fassen.
Barr verlangt während seiner Vernehmung nach einer Person namens Jack Reacher, wird auf dem Gefangenentransport anschließend ins Koma geprügelt. Jack Reacher (Tom Cruise), ein früherer Militärpolizist, ist seit zwei Jahren untergetaucht, erscheint allerdings von selbst, als er von der Tat hört, die man Barr vorwirft. Von Anfang an wird Reacher als asketischer Übermensch inszeniert: Seine Spur können die Behörden nicht finden, er muss selbst aufkreuzen, doch er kommt nur im Bus an, kauft Billigkleidung von der Stange, nur eine spartanische Garnitur, ehe er in ein billiges Motel eincheckt

Von Barrs Anwältin, Helen Rodin (Rosamund Pike), wird Reacher überredet, die Ermittlungen zu führen, obwohl er selbst von Barrs Schuld überzeugt ist. Doch bald stößt er auf Unstimmigkeiten, die ihn zweifeln lassen…
„Jack Reacher“ ist zwar die erste Verfilmung eines Reacher-Romans, basiert jedoch auf dem neunten Buch aus Lee Childs Reihe, „One Shot“. Wie im Buch ist Reacher ein Übermensch, ein Supermann: Er muss sich keine Notizen machen, da sein Gehirn unglaublich scharf ist, er ist Scharfschütze, Nahkampfexperte und hervorragender Fahrer. Christopher McQuarrie greift diese Elemente auf und überhöht sie ironisch: Reacher bindet jedem auf die Nase, was er kann, er betritt kein Lokal ohne dass sich nicht lauter weibliche Gäste bewundernd nach ihm umgucken – genau in dieser Steigerung liegt die Stärke des Films, die diesen übermächtigen, übermenschlichen Gerechtigkeitsfanatiker nicht nur erträglich, sondern auch irgendwie cool macht, einen modernen Pulp-Helden in einem modernen Pulp-Film.

Obwohl Reacher an Barrs Schuld glaubt (die Gründe hierfür werden später aufgedeckt), so ist er dermaßen hyperkorrekt, dass er es eben nicht bei seinem Glauben belassen kann, sondern Beweise braucht. Während dem Zuschauer früh enthüllt wird, dass Barr nicht der Schütze ist und dass es Hintermänner hinter der Tat gibt, so tut dies der Spannung wenig Abbruch: Das genaue Motiv der Tat erfährt man quasi zeitgleich mit den Protagonisten, offene Fragen zu bestimmten Details und möglichen Verrätern in den eigenen Reihen laden zum Mitraten ein. Punkte macht der Film auch durch Reachers konsequenten modus operandi, denn der Held nimmt die Formulierung „jemanden totschlagen“ noch wörtlich, wenn er einem Schergen androht: „I’m going to beat to you to death with my own bare hands.“
Diese Drohung wird im famosen Endkampf auch in die Tat umgesetzt, wobei die Kampfszene nicht nur durch Körperlichkeit und Choreographie glänzt, sondern sogar noch realistischer als die Bourne-Filme oder „Taken“ daherkommt: Bereits nach den ersten Körpertreffern taumeln die Kämpfer vor Schmerz und halten sich den Rumpf, kämpfen aber gezwungenermaßen weiter. Die weitere Actionpalette umfasst weitere Nahkämpfe, ein paar Shoot-Outs (inklusive eines Sniper-Duells) und eine temporeiche Verfolgungsjagd in der Filmmitte. Zum reinen Actionreißer mutiert „Jack Reacher“ dennoch nicht, die Einlagen lockern den Thrillerplot eher auf.

Bei genauer Betrachtung fällt freilich auf, dass besagter Plot weniger komplex ist als „Jack Reacher“ vorgibt, und dass der Film vielleicht etwas kürzer und zackiger hätte ausfallen dürfen. Und so gelungen die ironische Darstellung Reachers stellenweise auch ist, gelegentlich wirkt die Figur etwas zu perfekt: Weniger durch ihre menschlichen Schattenseiten wie Rachsucht oder Überheblichkeit, sondern eher aufgrund ihrer professionellen Unfehlbarkeit und Unbesiegbarkeit.
Trotz aller Unkenrufe im Vorfeld, er sei eine Fehlbesetzung (der Jack Reacher der Bücher erinnert von der Beschreibung her eher an Dolph Lundgren), schlägt sich Tom Cruise in der Hauptrolle ziemlich gut, verkörpert den harten Hund trotz seiner Körpergröße durchaus glaubwürdig und mit Augenzwinkern. Rosamund Pike liefert eine solide Performance ab, bleibt aber etwas unterfordert, während in den Nebenrollen Gold zu finden ist: Richard Jenkins überzeugt als knurriger Staatsanwalt, Robert Duvall setzt Akzente als bärbeißiger Schießstandbetreiber, während der deutsche Regisseur Werner Herzog als russischer Schurke eine charismatische, aber auch leicht ironische gezeichnete Fieslingsfigur abgibt (sein Englisch mit Akzent ist famos und passt wie die Faust aufs Auge). Jai Courtney als seine rechte Hand hat auch seine Momente, ist aber eben nur ein guter Bösewicht, kein ausgezeichneter.

So bleibt ein moderner Pulp-Film, der stets zwischen ironischer Überzeichnung (Hauptfigur) und Realismus (Endfight) schwankt. Christopher McQuarries Actionthriller hält den Plot vergleichsweise simpel und hat ein wenig mit seiner Lauflänge zu kämpfen, aber angesichts der knalligen Actionmomente, des lässigen Helden und der schnieken Inszenierung überzeugt der Film, der gern den Franchise-Auftakt im Kino markieren darf.


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