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Aballay - Der Mann ohne Angst (2010)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 17.07.2017, seitdem 45 Mal gelesen



Aballay - Der Mann ohne Angst (2010) von Fernando Spiner

...Die Bande um Aballay (Pablo Cedron) und seinem Rivalen El Muerto (Claudio Rissi) überfällt eine Postkutsche, die von einer Handvoll Soldaten eskortiert wird. Darin befinden sich ein Offizier und ein Vater mit seinem Sohn. Von den Insassen überlebt allerdings nur der Junge, der sich noch rechtzeitig unter der Sitzbank verstecken konnte. Schließlich wird dieser aber dann doch von Aballay entdeckt. Nach längerem Zögern lässt er den kleinen Julian jedoch am Leben - wohl ahnend, dass er dies irgendwann bereuen könnte.
10 Jahre später ist aus Julian (Nazareno Casero) inzwischen ein junger Mann geworden, der sich nach Arbeit umschaut und dabei die hübsche Juana (Mariana Anghileri) kennenlernt. Die beiden kommen sich immer näher, doch ihre Liebe wird von mehreren Gräueltaten überschattet. Außerdem kann Julian erst Frieden finden, wenn er den Mord an seinem Vater vollständig gerächt hat...

Vorhang auf für ein brillantes, argentinisches Westernkino!!!

Argentinien??? Können die etwa auch gute Western drehen und spielt die Story statt in Nord- dann in Südamerika? Yes, they can and yes, that's right! :)
Südlich der USA und Mexiko hört die Welt ja nicht auf und die Einwohner in Südamerika sahen zu jener Zeit auch nicht mehr aus wie Steinzeitmenschen. Es gibt natürlich hinsichtlich der Landschaft, den Gesichtern und Kleidern Unterschiede, aber ich würde sagen keine allzu großen, zumindest nicht in diesem Film. Wer also Freude an Western hat, die in Mexiko spielen (oder den Eindruck erwecken) findet sich bestimmt schnell in dieses Abenteuer hinein - zumal die sog. "Gauchos" ja mit "Cowboys" vergleichbar waren. Natürlich hat dieser Western ein gewisses südamerikanisches Flair, aber eben auch seinen speziellen Charme. Außerdem wirkt er dadurch sehr authentisch und es ist so rum mit Sicherheit besser, als wenn man krampfhaft versucht hätte, alles auf amerikanisch zu trimmen und den Zuschauern ein Abenteuer in den USA vorzugaukeln.

Auch kann ich bezüglich der Filmmusik, den Soundeffekten, der dt. Synchro und Abmischung der Lautstärke jegliche Bedenken ausräumen! ;) Wer also offen für eine äußerst gelungene, aber nicht grundlegend andere Alternative zu klassischen US-Western, inbesondere Italowestern ist, kann jetzt durchatmen. Es wird optisch und akustisch unheimlich viel geboten und jeder hat bestimmt an irgendwas darin seine Freude!

Prächtige Landschaftsaufnahmen mit satten Farben, beeindruckende Schauspieler(mimiken) und teils grausame Härte, gekrönt von bravourös geführten Schießereien, wie ich sie in ihrer Perfektion selten gesehen habe. Alles ist sehr detailliert gefilmt und die Splattereffekte wirken absolut real. So weit ich das beurteilen kann, müssten diese alle ohne Hilfe von Computer(animation) realisiert worden sein.
Der Kameraarbeit um Claudio Beiza gilt hier besonderes Lob! Er hat wirklich das fotografische Auge für edle Bildkompositionen, dazu jede Menge Kreativität und detaillierte Verspieltheit im Wechsel von extremer Schärfe und gewollter Unschärfe. Dazu hin und wieder Actionszenen in Zeitlupe.
"Six Shooters" wie dieser Streifen in den USA betitelt wird, ist absolut hochwertig und insgesamt professionell, um nicht zu sagen perfekt produziert. Schon alleine das Waffenhandling der Schützen wurde vorher wohl gut einstudiert. Alles ist sehr sauber inszeniert, die gekonnten Schnitte wirken ruhig, sodass das Auge des Betrachters zu jeder Zeit gut mitkommt - so wie man es im realen Leben eben selbst betrachten würde. Szenen haben die Zeit um ihre Wirkung entfalten zu können und man kann Freud wie Leid genießen.

Interessant auch der Aufbau, bzw. Verlauf. Wellenförmig wechseln sich spannende Actionszenen unterschiedlichster Art und entspanntere Momente mit Dialogen ab. Insgesamt hat dieser Film ein hohes Niveau an Härte und ist stellenweise sogar brutal, was eine Einstufung in FSK-18 in meinen Augen rechtfertigt! Dennoch strahlt der Film auch eine gewisse Wärme aus.

Mein Liebling ist hier übrigens aber nicht etwa Aballay oder Julian, sondern der abgrundtief böse El Muerto. ;)

So leid es mir tut, muss ich diesem Kunstwerk in meiner Bewertung aber 1 Punkt abziehen, da zu Beginn des letzten Drittels eine Länge von 4, 5 Minuten kommt, die mich genervt hat. Zudem hätte ich auf den Hahnenkampf am Anfang gut verzichten können. Andererseits besticht der Film, der im Kern eigentlich nix anderes wie eine simple Rachegeschichte ist, durch seine geniale Umsetzung, die das eine oder andere Makel locker kompensiert.

Zum Schluss noch zwei Zitate vom DVD-Cover:

"Intensiv, böse und visuell überwältigend"
"Argentinischer preisgekrönter Western, der an das große Kino von Sergio Leone erinnert!"

Ja, dem möchte ich nicht widersprechen, eher mit meinem eigenen Quark noch eins draufsetzen:

"In diesem Film fließt das Blut, das in so manch anderen Western gefehlt hat." oder
"Mit weiteren Western auf diesem Niveau und noch stärkeren Drehbüchern würden die Argentinier den Amerikanern das Fürchten lehren, wie einst die Italiener!"

In Sachen Leone sind "Zwei glorreiche Halunken", "Für ein paar Dollar mehr" und "Spiel mir das Lied vom Tod" absolute Meisterwerke und meine persönlichen Favoriten von ihm, denen ich allen 10 Punkte geben würde, "Für eine Handvoll Dollar" hingegen nur 8, da u.a. sämtliche Schießereien zwar spektakulär aber langweilig sind.
"Aballay - Der Mann ohne Angst" bekommt von mir wie gesagt 9 Punkte und gerne würde ich davon auch eine Fortsetzung sehen.

Viel Spaß und gute Unterhaltung mit dieser exzellenten Filmkunst aus Argentinien! ;)


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