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Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 14.02.2013, seitdem 3393 Mal gelesen



Bereits kurz nach der Veröffentlichung von „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ wurde über einen vierten „Die Hard“ spekuliert, nach 12 Jahren war es soweit. Leider ließ man die Serie nach dem gelungenen späten Sequel „Stirb langsam 4.0“ nicht ruhen.
„Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“, der fünfte Teil der Reihe, beginnt in Moskau, ganz ohne seinen Protagonisten. Stattdessen erfährt man von dem Politiker Komarov (Sebastian Koch), der von seinem Kollegen entmachtet und eingebunkert wurde. Jack McClane (Jai Courtney), der CIA-Agent vor Ort begeht einen Mord, angeblich im Auftrag Komarovs, und lässt sich verhaften, um zeitgleich mit diesem im Gericht zu erscheinen. Über das Opfer erfährt man nichts, vielleicht war er tatsächlich ein schlechter Mensch, vielleicht ist aber auch Jack einfach ein obrigkeitshöriger Typ, der auf Anweisung Leute umlegt, aber das wäre wohl zu viel Charakterisierung.
Auftritt John McClane (Bruce Willis): Der reist nach Moskau um den verlorenen Sohn heimzuholen, wird am Flughafen von Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) verabschiedet, und macht sich auf den Weg zum Gericht, wo Jack als angeblicher Kronzeuge gegen Komarov aussagen soll. Mit den russischen Gepflogenheiten kommt John nicht klar, was ihn als falscher Typ am falschen Ort zeigen soll, doch wo dies „Stirb langsam“ amüsant war, da er ja nur innerhalb Amerikas gereist war, da wirkt dies hier bemüht.

Im Auftrag von Komarovs Rivalen sprengt sich eine Söldnertruppe um Alrik (Radivoje Bukvic) den Weg ins Gericht frei und will Komarov entführen, weil dieser belastende Beweise besitzt, doch Jack entkommt mit dem Gefangenen. John, der vor dem Gericht anwesend ist, greift dem Sohnemann unter die Arme bei der Rettungsaktion…
Mit „Stirb langsam“ hat der fünfte Teil kaum noch etwas zu tun, bemüht wirken die Bezüge: McClanes Oneliner wirken oft künstlich in die Szenen eingestreut, der Twist im Finale, der eine Parallele zu den Vorgängern darstellen soll, funktioniert kaum noch und wirkt angestrengt, aber auch das Grundgerüst der Vorgänger wird ignoriert. Wo früher entweder physisch Geiseln genommen wurden (im ersten Teil) oder durch Übernahme der Technik (im zweiten und vierten Teil) oder Bombendrohungen (im dritten Teil) im übertragenen Sinne Geiseln genommen wurden, da ist „Stirb langsam 5“ eine mäßig motivierte Hatz durch Moskau und später Tschernobyl, deren Handlung nur durch die McClane-Figur an die Vorgänger gebunden wird.
Jedoch wird die Entwicklung, die McClane durchgemacht hat, ignoriert: Hatte er sich in „Stirb langsam 4.0“ damit abgefunden, dass er als Held immer im Einsatz sein muss, da versucht man hier künstlich zum „Falscher Typ am falschen Ort zur falschen Zeit“-Konzept zurückzugehen, was durch gewollte Beteuerungen Johns, dass er ja nur Urlaub mache und gar keine Lust auf die ganze Scheiße habe, unterstrichen werden soll. Ähnlich auf out of character ist Johns rücksichtsloses Verhalten: Schon immer improvisierte John und entwendete ein Auto falls nötig, doch hier verhält er sich stellenweise regelrecht asozial. Das Auto wird nicht nur entwendet, sondern der Fahrer grundlos niedergeschlagen (der ist berechtigterweise erzürnt, wenn John ihm vor die Karre rennt), bei einer Verfolgungsjagd rast John über zig Autodächer als würden keine Menschen in den Karren sitzen.

Besagte Verfolgungsjagd, die erste Actionsequenz des Films, ist auch sein klares Highlight: Massig handgemachte Blechschäden und Autostunts sorgen für Begeisterung, ausgiebig wird sich hier durch Moskau gejagt, auch wenn man nach der Logik besser nicht fragt, wenn ein Jeep ein schweres Panzerfahrzeug abdrängt. Mauer sehen die anderen drei Actionszenen aus: Bei einer Ballerei in einem Safe House rennen die Bösewichte McClane vors MG ohne dass dieser sich bewegen muss, die Actionsequenz im Ballsaal mit anschließender Rutschpartie macht immerhin was her und hat hohen Munitionsverbrauch, ehe dann das Finale kommt. Hier erledigen John und Jack ein paar Fieslinge mit bloßen Händen und Schusswaffen, danach wird der Film allerdings zum reinen PC-Spiel, wenn gegen einen Kampfhubschrauber vorgegangen wird, wonach man die Jetszene aus „Stirb langsam 4.0“ gar nicht mehr so schlimm finden möchte.
John Moore drückt meist auf die Tube, doch zu erzählen hat er wenig. „Stirb langsam 5“ rast am teilnahmslosen Zuschauer vorbei und ist bar jeder Momente, die einen mit den Hauptfiguren fühlen lassen: Der Vater-Sohn-Konflikt taugt für ein paar unmotivierte Streitereien und eine genauso unmotivierte Versöhnung, ebenso egal sind die durch und durch blassen Bösewichte, die nie so wirklich bedrohlich wirken – Alrik sogar unfreiwillig komisch, wenn er von seiner Wunschkarriere als Tänzer erzählt.

Damit geht dem Film mehr oder wenig alles ab, was einen „Die Hard“-Film auszeichnet – selbst „Stirb langsam 4.0“ hatte in der PG-13-Fassung mehr Originalflair. Hier darf zwar von „motherfuckers“/“Schweinebacken“ gesprochen werden, aber nicht mit dem Wahlspruch „Yippi-ka-yeh, motherfucker!“/“Yippi-ay-eh, Schweinebacke!“. Da mag der Score von Marco Beltrami noch so oft den Soundtrack des originalen „Stirb langsam“ aufgreifen, das täuscht nicht darüber hinweg, dass dies ein x-beliebiger Actionfilm ist und noch nicht einmal ein besonders guter. Denn wenn Vater und Sohn mal eben so nach Tschernobyl rein rennen, ohne Schutzkleidung, während die Bösewichte alle welche tragen und die Strahlen mit einem Gimmick vom Drehbuchgott neutralisieren (was die McClanes aber gar nicht wissen), dann ist das nur einer von saudummen Logikfehlern, die nicht mehr im verzeihbaren Bereich liegen.
Bruce Willis in seiner Paraderolle ist natürlich irgendwie cool, hat den McClane aber schon überzeugender und elanvoller gegeben, denn über die Inkonsistenzen in seinem Charakter (im Vergleich zu den Vorgängern) kann er nicht hinweg spielen. Jai Courtney als Sohn ist eher blass, der Cameo von Mary Elizabeth Winstead ganz gut gelungen. Sebastian Koch überzeugt von den Nebendarstellern noch am meisten, aber bei so uncharismatischen Pappkameraden wie Radivoje Bukvic und dem Ex-Model Yuliya Snigir ist das auch keine Kunst. Ganz besonders verschenkt: Cole Hauser als CIA-Kollege Jacks, der nach einer Szene schon wieder abtreten darf. Ähnlich geht es „Prison Break“-Star Amaury Nolasco, der einen besseren Cameo-Auftritt absolviert.

Bruce Willis, die starke Autojagd und die okaye Actionsequenz im Ballsaal sorgen für helle Momente in „Stirb langsam 5“, aber das täuscht kaum darüber hinweg, dass der Film eine Megaenttäuschung ist – und das nicht nur, weil er mit den Vorgängern kaum noch etwas gemein hat. Er baut keine Spannung auf, die Actionszenen sind kurz und am Ende CGI-überlastet, die Oneliner sind gewollt und vernünftige Figuren sehen leider auch anders aus. Ein unrühmliches Sequel.


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