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Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 14.02.2013, seitdem 2195 Mal gelesen



„A bad day for Die hard"

Nein, zu alt für den Scheiß ist John McClane alias Bruce Willis ganz sicher noch nicht. Im inzwischen fünften Aufguss und im sage und schreibe 25. Jahr der "Stirb Langsam"-Reihe prügelt und ballert sich das sympathischte Stehaufmännchen des Actionkinos durch eine kinetische Materialschlacht, die die Leinwand buchstäblich in Brand setzt. McClanes bereits in den vergangenen drei Filmen ausgiebigst zelebrierte Zerstörungswut stößt hier nochmals in ganz neue Dimensionen vor und verwandelt den Schauplatz Moskau in ein Kriegsgebiet.

Tja, das erste Opfer des Krieges ist ja bekanntlich die Menschlichkeit. Und wenn John McClane etwas von seinen Actionkumpanen aus den 80er Jahren unterschied, dann war es dass hier ein echter Mensch, mit echten Problemen und einem weder hochgezüchteten, noch unverwundbaren Körper zum Kampf antrat. Trotz aller im Verlauf der Serie zunehmend angehäufter Unwahrscheinlichkeiten sah McClanes Job immer nach harter körperlicher Arbeit aus und wirkte sein Überleben zumindest möglich. Erste deutliche Risse bekam dieses zugegeben stark gedehnte Realismuskonzept spätestens in „Stirb Langsam 4.0", als der hemdsärmelige Cop auf dem Heck eines rotierenden Kampfjets herumturnt und im Anschluss einen eleganten Abgang über eine halb zerborstene Highway-Brücke hinlegt.

In „A good day to die hard" hat man sich nun endgültig von den Gesetzen der (physikalischen) Wahrscheinlichkeit verabschiedet und lässt den Mittfünfziger eine Reihe von Harakiri-Situationen nahezu unbeschadet überstehen, die selbst beim lebensmüdensten Stuntman Panikattacken auslösen würden. Schon bei der endlos langen Autoverfolgungsjagd zu Beginn des Films schwant dem „Die hard"-Fan der ersten Stunde Unheilvolles. Hier wird fröhlich von Brücken auf darunter liegende Straßen gewechselt bzw. über diverse Trucks und Autodächer gebrettert - die natürlich perfekt aufgereiht als Rampe dastehen -, ohne dass das halsbrecherische Tempo gedrosselt werden müsste, oder der jeweilige Wagen ausbrechen würde. Als es dann doch noch zu einem gefühlt zehnfachen Überschlag kommt, klettert McClane bestenfalls leicht benommen aus dem havarierten Fahrzeug. Und in diesem überkandidelten Comic-Stil geht es munter weiter. Einsamer Höhepunkt ist dann der (natürlich blinde) Sprung unserer zwei Helden - McClanes Sohn hat das Superman-Gen seines Vaters zweifellos geerbt - durch eine überdimensionierte Fensterscheibe eines Moskauer Hochhauses, bei dem die beiden etwa 50 Meter durch allerlei Planken, Planen und Eisenstangen krachen. Unten angekommen wird kurz der Staub abgeklopft und ein paar mehr oder weniger gelungene Witzchen über die kleineren Kratzer gerissen und schon gehts weiter.

Allerspätestens ab diesem Zeitpunkt wähnt man sich im falschen Film. Mit Konzept, Anlage und Charme der „Stirb Langsam"-Reihe hat das nicht mehr viel gemein. Warum man ausgerechnet einen Regie-Versager wie John Moore - er zeichnete bisher für zwei verhunzte Remakes ("Flug der Phoenix", "Das Omen") und die völlig missglückte Videospiel-Adaption "Max Payne" verantwortlich - an den fünften Teil einer für das Actiongenre referenziellen Serie gelassen hat, wird wohl für immer ein unergründbares Mysterium bleiben. Als seinerzeit „Underworld"-Verusacher Len Wiseman für Teil 4 angeheuert wurde, war der Aufschrei in Fankreisen groß. Im Vergleich mit Moore wirkt er allerdings wie ein inszenatorischer Feingeist.

In „A good day to die hard" hetzt John McClane von einer brachialen Actionszene zur nächsten. Verschnaufpausen gibt es so gut wie keine. Unnötig zu erwähnen, dass Moore dabei sowohl auf einen ausgefeilten Plot, wie auch auf eine halbwegs interessante oder gar relevante Figurenzeichnung pfeift. Lies man sich in den Vorgängerfilmen noch reichlich Zeit die stets trick- und wendungsreichen Plots zu entwickeln, knallt man dem Zuschauer diese hier nur alibihaft wirkenden, weil schludrig zusammen geschusterten Zutaten in kleinen, unverdaulichen Häppchen zwischen die ausufernden Actionszenarien. Im Finale lässt Moore dann schließlich jede Zurückahltung sausen und übertrifft die Peinlichkeit der erwähnten Jet-Szene mühelos mit einem ähnlich angelegten Hubschrauber-Stunt.
Zwar sind sämtliche Actioneinlagen durchaus kompetent inszeniert und auch schick fotografiert, kranken aber wie bereits erwähnt an ihrer gnadenlosen Überzogenheit und ihrer überdeutlichen Dominanz. Die für die Franchise extrem kurze Laufzeit von 97 Minuten verstärkt diesen Negativeffekt noch zusätzlich und erinnert dabei frappierend an die Schwächen von Daniel Craigs zweitem Bondfilm („Ein Quantum Trost"). In beiden Fällen wirkt das Drehbuch reißbrettartig und unfertig und in beiden Fällen scheint die Daueraction davon ablenken zu wollen.

Als unglückliche Wahl erweist sich letztlich auch der Schauplatz Moskau. Als New Yorker Cop Terroristen in der russischen Metropole zu bekämpfen, wirkt reichlich weit hergeholt. Um diesen Spagat zu schaffen bekommt McClane wieder mal einen Sidekick verpasst, diesmal in Form seines Sohnes Jack (Jai Cortney). Dieser ist ein CIA-Undercover-Agent, der einen inhaftierten hochrangigen Geheimnisträger (Sebastian Koch als einer der wenigen schauspielerischen Lichtblicke des Films) außer Landes schaffen soll. Unnötig zu erwähnen, dass McClanes eigentliche Intention - sich mit dem entfremdeten Sohn zu versöhnen - einer bleihaltigen Auseinandersetzung mit einer ganzen Kanonenfutter-Armee zum Opfer fällt.
Zwar stolperte McClane auch früher jedes Mal rein zufällig in groß angelegte Terror-Szenarien, nur wirkte es da erheblich weniger konstruiert und schlecht kopiert. Seine ständigen, noch dazu plottechnisch schlichtweg falschen „Ich bin doch im Urlaub"-Sprüche machen die Grundidee auch nicht origineller und wirken auf Dauer ähnlich enervierend wie Schwarzeneggers mantra-mäßig vorgetragenes „I´ll be back"-Gebrabbel in „Expendables 2".

Womit wir wieder bei der heutigen Relevanz der alten Action-Recken und ihrer filmischen Alter Egos wären. Willis gehört im Unterschied zu Schwarzenegger sicherlich noch nicht zum alten Eisen und ist nach wie vor in der Lage einen Actionfilm alleine glaubwürdig zu tragen. Seiner Paraderolle als New Yorker Terroristenbekämpfungs-Cop hat er allerdings mit Teil fünf einen unnötigen Bauchschuss verpasst.
Als „normaler" Actionfilm noch ok, ist „A good day to die hard" im Vergleich zu den vorangegangenen Ablegern eine herbe Enttäuschung. Pausenlose und noch dazu irrwitzig überzogene Action steht keineswegs in der Tradition der stilbildenden Franchise. Ebenso wenig nervten die Vorgänger mit Schablonenfiguren und einem blassen Sidekick, der sich ebenbürtig durch eine einfallslose, weil unmotiviert aufgekochte Story ballert. Sollten diese Trends in einem möglichen sechsten Film fortgesetzt werden, dann wird die Serie damit entgegen ihrem Motto einen sehr schnellen Tod erleiden.


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