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Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 14.02.2013, seitdem 823 Mal gelesen



Nach über sechs Jahren meldet sich John McClane mit dem fünften Teil der Stirb-Langsam-Franchise zurück. Sein Ausflug nach Russland schafft es allerdings nicht im Geringsten, die große Erwartungshaltung, die insbesondere der gelungene vierte Teil weckte, zu erfüllen. So ist es zwar noch zu verschmerzen, dass die Story lediglich Versatzstücke der vorigen Teile channelt, viel schwerer wiegt aber die reichlich uninspirierte (aber wenigstens handgemachte) Action und vor allem die Tatsache, dass Regisseur John Moore seinen Titelhelden hier zum Sidekick seines eigene Films degradiert.

Als sein Sohn Jack (Jai Courtney) in Moskau verhaftet wird, reist John McClane (Bruce Willis) zu der Gerichtverhandlung nach Russland. Dort wird er Zeuge des gewaltsamen Kidnappingversuchs des russischen Oligarchen Komarov (Sebastian Koch), der gegen seinen ehemaligen Weggefährten auspacken will. Jack entpuppt sich als CIA-Agent, der Komarov unversehrt außer Landes schaffen soll. Doch die Verfolger um den skrupellosen Söldner Alik (Radivoje Bukvic) sind ihnen dicht auf den Fersen und abermals ist John McClane zur "richtigen" Zeit am falschen Ort.

1988 revolutionierte John McTierman das amerikanische Actionkino, indem er einen neuen Helden-Typus etablierte. Den grotesk aufgepumpten Fetischkörpern eines Arnold Schwarzeneggers, Sylvester Stallones, oder Jean Claude van Damme, die sich durch ebenso grotesk überzeichnete Actionszenarien schlugen, setzte er einen verletzlichen Normalo entgegen, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist. John McClane schwitzt und/oder blutet sein Unterhemd durch, statt es mit seinen Brustmuskeln zu sprengen, er hat Eheprobleme, statt Bettgespielinnen und wendet lieber hinterhältige Tricks an, statt sich heroisch ins Feindfeuer zu stellen. Dies gepaart mit dem lässigen Sarkasmus von Hauptdarsteller Bruce Willis, einem fintenreichen Drehbuch, das im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten nicht die Intelligenz des Zuschauers beleidigt sowie zahlreichen galligen One-Linern führte zu einer langlebigen Franchise, die es bis heute –fast 25 Jahre später- auf mittlerweile fünf Teile gebracht hat. Bislang konnte keine Fortsetzung in Punkto Originalität und Qualität an das Original anknüpfen, auch, weil John McClane nach der Höher-Schneller-Weiter-Logik des amerikanischen Fortsetzungenkinos allmählich zu jener unsterblichen Kampfmaschine mutierte, von denen er sich einst aktiv abgrenzte. Vor dieser Entwicklung zwar auch der bislang letzte Teil aus dem Jahre 2007 nicht gefeit, aber er variierte die Stärken der Franchise perfekt und überführte die Reihe zeitgemäß ins neue Jahrtausend, indem er dem reichlich altmodischen Haudegen McClane ein dezidiert digitales Post-9-11-Szenario entgegenwarf.

Das weckte immense Erwartungshaltungen an Teil 5, die allerdings bei der Verpflichtung von Skip Woods als Drehbuchautoren („Passwort Swordfish“, „Hitman“, „X-Men Origins: Wolverine“, „Das A-Team“) und John Moore als Regisseur („Der Flug des Phoenix“, „Das Omen“, „Max Payne“) bereits erste Kratzer bekam. Auf beide Konten gehen bislang einige veritable Enttäuschungen, großes Kino sind Sie bislang erst Recht schuldig geblieben - und nicht weniger erwartet das Publikum schließlich von einem neuen Stirb-Langsam-Teil. Tatsächlich ist „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ jene Enttäuschung geworden, die man im Vorfeld befürchtet wurde.

Das beginnt mit einem recht durchschnittlichen Drehbuch, das sich als eher ungelenker Versuch entpuppt, ein über- und durchschaubares Terrorkomplott in Russland mit Versatzstücke der Stirb Langsam-Reihe zu kombinieren. Dabei geht dem Skript jene Finesse, Gespür für originelle Nebencharaktere und Witz, die alle Vorgänger boten, weitgehend abhanden. Statt mit einem Schleudersitz oder einem improvisierten Feuerlöscher-Geschoss muss hier das gute alte Messer im Stiefelschacht dafür herhalten, um den Helden aus einer ausweglosen Situation zu befreien. Originell sieht anders aus. Die Mängel erscheinen insbesondere vor dem Hintergrund ironisch, da hier zum allerersten Mal überhaupt ein Skript speziell für einen Part der Stirb-Langsam-Reihe verfasst wurde.

Das Vater-Sohn-Gespann kontrastiert Autor Skip Woods zwar passenderweise mit einer Vater-Tochter-Konstellation (Komarov und Irina) - viele inspirierte Moment entstehen dadurch gleichwohl nicht. Zeitweise nervt McClane richtiggehend mit seiner ausgestellten Hättest-du-doch-einfach-mal-auf-deinen Vater-gehört-Besserwisserei. Des Weiteren agiert der zentrale Antagonist lange Zeit im Hintergrund und tritt erst zum Finale wirklich in Erscheinung. Zu spät, um wirklich Profil zu gewinnen, geschweige denn so etwa wie Charisma zu entwickeln. Dieses Vakuum können auch die serientypischen Helfershelfer nicht wirklich abfedern. Waren sie in den Vorgängern stets ikonenhafte und hochprofessionelle Berufsverbrecher, erscheinen sie hier wie klischeehafte Aushilfsgangster und damit kaum gefährlich. Das zentrale Problem des Drehbuchs besteht jedoch darin, dass McClane durch seinen dominanten Sohn zur Nebenfigur seiner eigenen Franchise degradiert wird. Sidekicks waren seit Beginn Teil des Franchises, aber stehts funktionierten sie als reine Stichwortgeber  und Comic Relief für John McClane. Die Funktion übernimmt nun John McClane selbst über weite Strecken der Handlung, indem er seinen Sohn hinterherhechelt und bei Bedarf auch mal unterstützend eingreift. Diese Konstellation verschiebt sich gegen Ende zwar, aber bis zum Ende agieren Vater und Sohn quasi auf Augenhöhe, was soweit führt, dass der Junior den zentralen Bösewicht in einer Stirb-Langsam-1-Gedächnis-Sequenz eigenhändig ausschalten darf.

Insgesamt weiß das Drehbuch nicht allzu viel mit seinem nominellen Hauptdarsteller anfangen zu können und stellt John McClane auf eine Art Autopilot. Das beginnt damit, dass McClane keine direkten körperlichen Auseinandersetzungen gegönnt werden. Dazu liegt die Trefferquote seiner Oneliner auf einem historischen Tiefststand und auch wenn der Held bewusst altmodisch angelegt ist - In welchem modernen Actionfilm darf jemand während einer Verfolgungsjagd heutzutage noch Sachen wie „Tut mir wirklich leid!“ kalauern, wenn er Verkehrsteilnehmer unsanft aus dem Weg rammt?

Die Action uns insbesondere die erwähnte Autoverfolgung in den Straßen Moskau früh im Film zählt dabei noch zu den Highlights und wird von John Moore kompetent und wuchtig inszeniert. Der Verschleiß an Autos ist immens und stellt in dieser Beziehung die legendäre Verfolgung in „The Blues Brothers“ (1980) locker in den Schatten. Dagegen stinkt der Showdown jedoch schon wieder gewaltig ab, auch weil er ein zentrales Element, dessen sich der Film schon vorab ausgiebig bedient hat, einfach dreist recycelt. Insgesamt bietet „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (2013) drei große Action-Setpieces wovon zwei recht ähnlich ausfallen. Alteingesessene Fans der Reihe können sich darüber freuen, dass John McClane wieder deutlich brutaler zu Werke gehen darf. Wurde der Vorgänger von Teilen der Anhängerschaft noch für seinen PG-13-Ansatz inklusive digital entschärfter Gewaltszenen kritisiert, liefern sich die McClanes hier wieder weitaus blutigere Auseinandersetzungen. Die Qualität der Produktion hebt dieser Umstand freilich nicht an.

In Summe resultiert daraus der inhaltlich überschaubarste und deshalb folgerichtig mit Abstand kürzeste Teil der Reihe (97 Minuten). Wenn nicht seit Teil 4 geschlagene sechs Jahre ins Land gewandert wären, könnte man den Eindruck gewinnen, dass dem Publikum hier eine fix und billig im Ostblock runtergekurbelte Fortsetzung untergejubelt wurde. Dagegen spricht die aufwändige, aber auch mitunter recht uninspirierte Action. Am schwersten wiegt aber der Umstand, dass der Film die Figur des John McClane geradezu stiefmütterlich behandelt. Soll damit schon ein Nachfolger in Position gebracht werden. Die ungewöhnliche Dominanz seines Sohnes als Sidekick legt diesen Umstand. Andererseits hat Bruce Willis unlängst verlauten lassen, dass er die zweite Trilogie eigenhändig zu Ende bringen wird. Hoffentlich mit einem besseren Film.

Daran werde ich mich erinnern:
Die Autoverfolgung in den Straßen Moskaus.


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