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Flesh + Blood (1985)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 06.11.2006, seitdem 2487 Mal gelesen



Paul Verhoeven steht für außergewöhnliches Kino. Egal ob „Robocop“, „Starship Troopers“ oder „Basic instinct”. Verhoevens Filme sind anders, meist kompromissloser als ähnliche Genrebeiträge. Genau so sieht es bei Verhoevens Ritterfilm „Flesh + Blood“ aus.


Eben noch stürmten Martin (Rudger Hauer) mit Erfolg eine Burg für den hinterlistigen Arnolfini, kurze Zeit später werden sie aber von ihm verraten und kommen gerade noch so mit dem Leben davon. Rachegelüste steigen auf und so entführen Martin und seine Schergen Agnes (Jennifer Jason Leigh), die eigentlich die Frau von Arnolfinis Sohn Steven werden sollte.
Steven, der sich eigentlich eher der Wissenschaft hingeben wollte, hat sich aber trotz einer relativ kurzen Begegnung mit Agnes in diese verliebt und setzt nun alles daran, sie zurück zu holen. Mit dem alten Captain Hawkwood plant Steven, eine Burg, die mittlerweile in Martins Hand ist, zu stürmen. Doch Martin ist gerissen und kann jeden Angriff abwehren. Doch mit einem Angreifer hat weder Steven noch Martin gerechnet, der schwarze Tod hat auch den Weg in die Burg gefunden...


Alles was man je von der amerikanischen Filmindustrie in Sachen Ritterfilm gesehen hat, kann man, dank sei Verhoeven, nun endgültig vergessen. Hier gibt es keine geleckten Ritter und Soldaten, die immer aussehen, als würde sich in jeder Burg ein Hightech Badezimmer befinden. Verhoeven zeigt das Mittelalter, wie es höchstwahrscheinlich war. Roh, brutal und gnadenlos.
Auch sind die Ritter und Soldaten hier alles andere als Edelmänner, die einer Frau zart die Hand küssen und diese über die damals noch nicht wirklich vorhandenen Straßen begleiten. All dies zählt hier nicht, es zählt die Gier nach Geld, es zählt die Gier nach Sex und Gewalt, Frauen sind nur für eine Sache da, am besten noch unberührt. Was man will, das nimmt man sich, dies gilt auch für Frauen. So gibt es eine recht harte Vergewaltigung, die aber nur die damalige Zeit konsequent wiederspiegelt.

In der Hauptrolle sehen wir Rutger Hauer, der Anfangs noch relativ sympathisch ist, später aber auch unter die Kategorie Kotzbrocken fällt, auch geblendet von der damaligen Religion. Martins Bande schleppt eine Statue des heiligen St. Martin mit, der angeblich ihren Weg leitet und Martin der Ausgewählte ist. So reicht selbst mittelalterlicher religiöser Aberglauben in den Film hinein; und dies passt recht gut.

Ebenfalls gelungen sind die Sets des Filmes, die das schmuddelige Mittelalter hervorragend wiederspiegeln. Die Darsteller sind dreckig, fressen wie Schweine und vieles mehr. Originalgetreuer hätte man den Film nicht drehen können. Ungewöhnlich für eine amerikanische Produktion sind die, aber davon hat sich Verhoeven ja noch nie beeindrucken lassen, eine Unmenge an Sex- und Nacktszenen, gepaart mit teilweise knallharter Gewalt. Hier wird vergewaltigt, geschändet oder auch Menschen abgeschlachtet. Als wäre dies nicht genug, lässt Verhoeven am ende den vielleicht größten Feind des damaligen Mittelalters auf die Protagonisten los. Natürlich ist von der Pest die Rede, die unzähligen Menschen das Leben kostete. Auch wegen der Engstirnigkeit der damaligen Ärzte, wenn man sie so nennen will, kann diese nicht besiegt werden, neue Methoden sind verpönt, man verlässt sich lieber auf alte Heilmittel, die eh nicht wirken.
So ist „Flesh + Blood“ ein kompromissloser Mittelalterfilm, der die Leute ansprechen wird, der die anderen Ritterfilme immer zu glatt, zu hübsch und unrealistisch fand. Recht so.


Fazit: Es gibt kaum einen besseren Mittelalterfilm, der die damalige Zeit wohl mal so zeigt, wie sie war. Keine glattrasierten Ritter, die immer wie frisch gebadet aussehen, nein, ganz im Gegenteil. Wichtig ist Geld, wichtig sind die eigenen primitiven Triebe, die zahlreich ausgelebt werden. Wer genug hat von Filmen a lá „Der erste Ritter“ und weiteren Konsorten, ist hier genau richtig. Roh, ungeschliffen, brutal, genau so ist „Flesh + Blood“ und dies macht den Film so sehenswert.


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