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Flesh + Blood (1985)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 25.01.2010, seitdem 411 Mal gelesen



Zwei Jahre bevor der Niederländer Paul Verhoeven (Total Recall, Starship Troopers) mit "RoboCop" sein US-Debüt ablieferte, drehte er mit "Flesh + Blood" seine erste Großproduktion. Elf Millionen Dollar machten die Produzenten dafür locker. Das Drehbuch schrieb Verhoeven mit seinem Landsmann und Kumpel Gerard Soeteman (Der vierte Mann, Black Book). Mit Jan De Bont als Kameramann und Basil Poledouris für die Musikuntermalung, sind nicht nur vor der Kamera einige bekannte Namen.

Wir schreiben das Jahr 1501: Fürst Arnolfini (Fernando Hilbeck) hat seine Stadt wieder zurückerobert, doch seine Soldaten unter Cpt. Hawkwood (Jack Thompson) gehen leer aus. Arnolfini beraubt sie ihrer Waffen und schickt sie weg. Doch der Söldner Martin (Rutger Hauer) will sich das nicht gefallen lassen und schlägt zurück. Denn Arnolfinis Sohn Steven (Tom Burlinson) erwartet seine zukünftige Frau Agnes (Jennifer Jason Leigh), welche Martin und seine Mannen entführen. Sie lassen sich in einer nahgelegenen Festung nieder und genießen das Leben. Doch Steven und Hawkwood basteln schon an einer Befreiungsaktion. Derweil muss Agnes jeden Tag ums Überleben kämpfen, daher wickelt sie Martin um den Finger. Ein schwerer Fehler, wie sich bald herausstellt.

Wer sich ein völlig authentisches Bild vom grausamen Mittelalter machen will, der ist bei "Flesh + Blood" völlig richtig. Hier gibt es keine Helden, keine freundlichen Charaktere und es ist alles andere als hygienisch. Tage- oft auch wochenlang steckt man in den selben Klamotten, waschen war damals ein Luxus. Hier kommt auch noch die Pest hinzu, welche damals tausende von Menschen dahinraffte. Eine derart dreckige und ungemütliche Kulisse gab es noch nie. Man glaubte noch die einzige Möglichkeit die Pest zu heilen, sei der Aderlass und religiöse Fanatiker glaubten an Zeichen von Gott, wer daran zweifelte, wurde ermordet. Frauen bringen Totgeburten zur Welt, selbst eine einfache Infektion kann hier zum Tode führen. Hier ist Verhoevens Film einmalig, denn er führt uns realistisch vor Augen, wie es damals im Mittelalter zuging. Jeder hat hier Dreck am Stecken und es ist unmöglich für eine Partei Sympathien zu entwickeln. Zwischen einem Soldat und einem Dieb gab es hier kaum Unterschiede, bei de Parteien haben gestohlen, vergewaltigt und getötet. Hier macht man selbst vor Kindern nicht Halt.

Während Verhoeven seine exzellenten Sets richtig ausnutzt, bleibt "Flesh + Blood" über weite Strecken zu langweilig. Stattdessen dürfen Martin und seine Mannen ihre schlechten Manieren präsentieren. Hier wird nicht gegessen, sondern noch gefressen und auch Vergewaltigungen zählten zu ihren Hobbies. So gibt es viel nackte Haut und einige Sexszenen. Und mittendrin ist Agnes, die sich in Steven verliebt hat. Doch auch sie muss sich auf das Niveau ihrer Entführer herablassen, um zu überleben. Und genau damit beschäftigt sich Verhoeven zu ausführlich. Martin verliebt sich in die blonde Agnes, doch es dämmert ihm bald, dass Agnes nur ein Spielchen mit ihm spielt. Actionszenen sind hier eine Rarität. So gibt es ein paar Gefechte, die ordentlich in Szene gesetzt worden sind. Diese werden immer relativ kurz gehalten und nur im Finale geht es ein wenig länger und härter zur Sache. Intensiver wirkt das Ganze durch die Pest. Denn Hawkwood hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, um Martin und seine Plünderer aus der Festung zu bekommen, die sie sich auch durch Gewalt unter den Nagel gerissen haben. So sterben die Männer nicht nur in der Schlacht, sondern werden auch von der Pest dahingerafft.

Für ein bisschen Abwechslung sorgt der technisch begabte Steven, doch wie er innerhalb einer Nacht dieses Riesenleiter baut, oder sich mittels Blitz seiner Kette entledigen kann, ist schlichtweg übertrieben. Doch es entspricht der Wahrheit, dass damals die Wissenschaft angezweifelt wurde und einige ihrer Errungenschaften als unchristlich abgetan wurde. Man nehme nur mal das Aufstechen der Pestblasen am menschlichen Körper. So hat "Flesh + Blood" viele gute Ansätze, die leider durch einige Dursstrecken zu Nichte gemacht werden.
Auf jeden Fall gibt Rutger Hauer (Hitcher - Der Highway Killer, Blind Side) einen glaubwürdigen Söldner ab, der ehe schlechte als gute Eigenschaften beherbergt. Auch Jennifer Jason Leigh (Dolores, Fieberhaft) agiert sehr überzeugend. Man ist sich zwischendurch wirklich nicht sicher, ob sie sich nicht doch in Martin verguckt hat. Brion James (Red Scorpion, Steel Dawn), John Dennis Johnston (Pink Cadillac, Ausgelöscht) und Jack Thompson (Feed, Böses Blut) füllen die Nebenrollen sehr gut aus.

Im Grunde genommen ein ordentlicher Beitrag zum Thema Mittelalter mit authentischen Sets und Charakteren. Doch für gute zwei Stunden Lauflänge hat "Flesh + Blood" zu wenig Action und einige Sequenzen sind ziemlich zäh. Man nehme nur mal die zahllosen Saufgelage oder Liebeleien. Doch insgesamt lässt sich der Film gut anschauen, obwohl Verhoeven hätte mehr daraus machen können.


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