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Mother India (1957)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 10.10.2007, seitdem 382 Mal gelesen



Es gibt Filme, die verdienen es nicht nur, mit den größten bekannten Filmen (da aus Hollywood) verglichen zu werden, nein sie stellen diese amerikanischen Filme eindeutig in den Schatten.
Da wäre dieser Film namens "Vom Winde Verweht". Ohne Zweifel ist das einer der größten Filme aller Zeiten, ein Epos seltener Größe. Ein Film wie ein Donnerhall. Man muß ihn nicht gesehen haben, um das zu wissen.
Ebenso müßte es sich mit Mother India verhalten.
In Indien ist das auch so. Jeder Inder hat den Film zigmal gesehen, heißt es. Und das ist richtig so.
Doch weltweit kennt diesen Film leider nicht jeder, dabei ist dieser Film mit Leichtigkeit einer der mitreißendsten Epen aller Zeiten.

Hier mal kurz die Hnadlung zusammengefaßt: Alles was folgt, ist ein SPOILER, da ich nicht davon ausgehe, dass jemand den Film schauen wird Und wer ihn schaut, der wird sich auch vom Spoiler nicht abhalten lassen....

Erzählt wird die Geschichte einer Braut, die bei ihrem Ehemann und deren verwitweter Mutter einzieht. Es stellt sich heraus, dass ihr Ehemann sich total verschuldet hat, um die Hochzeit zu finanzieren. Da der Wucherer die Ungebildetheit der Dörfler ausnutzt, übervorteilt er seine Opfer bis aufs Blut.
Für unsere neue Familie heißt es, dass diese niemals ihre Schulden abbezahlne kann, stattdessen alles für die Zinsen draufgeht. Wie man sich vorstellen kann, wird die neue Familie immer ärmer und ärmer, während es dem Wucherer immer besser und besser geht.
Je härter die Familie arbeitet, desto schlechter geht es ihnen, desto besser geht es dem Wucherer. Schließlich müssen unsere Ausgebeuteten immer weiter Schulden beim Wucherer nehmen, um über die Runden zu kommen.
Die Braut bekommt drei Kinder und die Not wird dadurch noch größer, da mehr Münder zu stopfen.
In der Not ereignet sich ein tragischer Unfall und der Ehemann verliert bei einem Unfall beide Arme. Die ganze Arbeit bleibt bei der Braut hängen, da die Schwiegermutter mittlerweile als alte Frau auch nicht mehr ganz so produktiv ist.
Um der Familie keine Last zu sein - eine Hilfe ist er ja beileibe nicht mehr - verläßt der Ehemann die Familie in einer Nacht- und Nebelaktion.
Um das Unglück zu komplettieren, stirbt alsbald auch die Schwiegermutter, ob aus Hunger, gebrochenem Herzen oder einfach nur Alter bleibt unbeantwortet.
Nun ist die Braut, mittlerweile und im Folgenden nur noch Mutter genannt völlig alleine auf sich gestellt.
Um die Schulden abzubezahlen arbeitet sie noch härter als zuvor, ihre Kinder helfen ihr so gut sie können. Einer ihrer Söhne ist ein ruhiger Kerl, der alles tut, was sie sagt, der andere ist rebellisch und ein Heißsporn, das dritte Kind ist noch ein Baby.
Nun da sie aber endlich alleine da steht, zeigt der Wucherer auch seine wahren Interessen und umgarnt die Mutter zusehends. Noch bleibt die Mutter standhaft und stolz.
Dann kommt der Monsun und spült alles fort, auch ihr Haus.
In dieser Not stirbt das neugeborene Kind und die beiden anderen Kinder sind ebenfalls am Verhungern.
Hier taucht wieder der Wucherer auf und bietet ihr erneut die Chance, wenn er sich ihr hingibt, dass er sich um die Familie sorgen wird.
Aus ihrer Not heraus opfert die Mutter nun das letzte bißchen Würde, das ihr geblieben ist, verrät alle ihre Prinzipien und ist nun bereit, sich für das Wohl ihrer Kinder zu prostituieren.
Erst im allerletzten Moment hat sie eine Eingebung, flieht vor dem Wucherer, in dessen Bett ihr nur noch ein Schritt gefehlt hat, gräbt eine Wurzel aus und kocht diese für ihre verbliebenen Söhne...
Jahre später: Die Söhne sind erwachsen, die Mutter hat es allem Anschein nach geschafft, sie trotz der Not zu aufrechten Männern zu erziehen, die beide ihre Mutter - völlig zu Recht - vergöttern.
Nach wie vor ist einer der Söhne ein Hitzkopf, der es dem Wucherer einfach nicht verzeihen kann, was seine Mutter wegen ihm alles durchgemacht hat.
Als durch einen Streit die Situation eskaliert und der Hitzkopf des Dorfes verbannt wird, nachdem mehrmals das Dorf einen Mob bildet, um den Hitzkopf auf Geheiß des Wucherers zu lynchen, wird der Hitzkopf-Sohn zu einem Banditen.
Der Banditen-Sohn schwört, die Tochter des Wucherers zu entführen, am Tage ihrer Hochzeit. Nun, in all seiner Verzweiflung kriecht der Wucherer regelrecht zur Mutter und bittet sie, ihren Sohn doch aufzuhalten.
Die Mutter, nach allem was sie durchgemacht hat, sehr auf die Ehre einer jeden Frau in ihrer Gesellschaft bedacht, verspricht, den Sohn aufzuhalten.
Der Banditen-Sohn kommt, tötet endlich den Wucherer, verbrennt dessen Schuldenbuch, wodurch die Dorfgemeinschaft endlich frei wird und nimmt für sich lediglich die Armreifen seiner Mutter in Anspruch, die er ja nach wie vor - auch nach wie vor völlig zu Recht!! - vergöttert.
Auf dem Weg nach draußen nimmt er noch die Tochter des Wucherers mit, wird aber von seiner Mutter angehalten.
In einem dramtsichen Dialog beschwört sie ihren Sohn: "Du weißt ja nicht, was ich durchgemacht habe, damit du überleben konntest. Bitte zwing mich nicht, mich für die Ehre dieser Frau zu entscheiden, denn ich kann nicht dulden, was du ihr antun würdest." - "Du wirst mir nichts tun, du bist doch meine Mutter."
Lachend reitet der Sohn mit der Geisel davon, die Mutter erschießt ihn.
Am Ende des Films wird zur Ehren der Mutter Jahre später ein Staudamm eröffnet, die Wasserfluten fließen blutrot über die Felder.

Wie man unschwer erkennen kann, reicht der Stoff locker für zwei Filme: Einen wo die Mutter sich entschließt aufrecht zu bleiben, und einen, wo sich der Sohn für die erlittenen Qualen rächt.
Aber dieses Epos verbindet beides in einen langen Film, der nebenbei noch mehrere Mißstände im damals noch jungen unabhängigen Indien anprangert, als da wären der Analphebistismus der Bevölkerung oder die Übervorteilung des Armen durch den reichen. Auf der anderen Seite wird schon vorweg genommen, was sich immer stärker bei allen Völkern auf der Welt durchsetzt: Der Zerfall der Familie wie sie früher herrschte. Es wird gezeigt, dass das Volk sich nicht immer nach Gerechtigkeit sondern nach einer Führung richtet, wie sie die Lynch-Szenen zeigen. Und es gibt noch viel mehr Nebenstränge, die alle aufzuzählen den rahemn sprengen würden.
Auf der anderen Seite wird aber - vor allem in dieser patriarchisch geprägten Welt - ein Frauenbild zelebriert, wie sie nicht einmal in der westlichen angeblich feministisch geprägten Welt ansatzweise zelebriert werden könnte. Diese Mutter ist hart, hart zu sich und ihrer Umwelt, aber herzlich und dadurch fast schon eine Heilige. Und sie ist eine Patriotin. Das sieht man schon im allerersten Bild des Films, als man sie sieht, wie sie steinalt auf dem Acker knieend eine Handvoll Erde nimmt und diese küßt. Erst danach wird in einer riesigen Rückblende der gesamte Film aufgerollt.
Und (nicht nur)  für damals ist ihr Patriotismus natürlich mehr als nur legitim, denn das Land ist noch jung und alle müssen zusammen halten, um es gemeinsam zu schaffen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie sich so krampfhaft an die Dorfgemeinschaft klammert, obwohl ihr nie einer geholfen hat.
Dass sie dann das angebliche  Wohl der Gemeinschaft oder die Ehre einer Frau über das Wohl ihres eigenen Sohnes stellt mag hier befremdlich erscheinen, ist jedoch von der Charakterzeichnung des Filmes heraus absolut stimmig, gerade wenn man bedenkt, dass sie sogar für sich selbst das Schicksal einer entehrten Frau abwenden konnte.

Es gibt auch in diesem Bollywood-Film einige Gesangseinlagen, aber diese wirken eher, um den Erzählfluß voranzutreiben oder die Geschichte zu straffen, so zum Beispiel, um die Jahre zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein der Kinder zu überbrücken, oder die zunehmende Armut der neuen Familie zu dokumentieren.
Manchmal haben sie auch einen etwas surrealen und symbolischen Charakter, etwa dann als die Mutter dem Banditensohn durch die Wälder hinterherrennt und der Sohn der Mutter immer mehr entgleitet.

Schauspielerisch ist der Film etwas simpel gestaltet, aber das ist für einen solchen frühen Film aus Indien absolut nachvollziehbar. Interessant ist in diesem Zusammenhang höchstens noch die Fußnote, dass die Hauptdarstellerin drei Jahre später ihren jähzornigen Filmsohn ehelichte.

Was bleibt sonst noch zu sagen?
Außer dass viele Szenen wie kommunistisches Propgandawerke arrangiert sind, die sich allesamt dem Zuschauer ins Hirn zu brennen scheinen, nur noch, dass dies mit Abstand der vielleicht wichtigste und größte indische Film aller Zeiten sein dürfte. Er hat vielleicht nicht das Publikum eines Sholay oder das Publikum eines jeden SRK-Films, auch ist dies nicht der typische Bollywood-Film sondern hat eine runde Geschichte mit einer adäquaten Laufzeit. Die vier bis fünf Musikalischen einlagen sind in die Geschichte eingebettet.
Der Film ist einfach rundum gelungen und ein absoluter Meilenstein der Filmgeschichte.
Erst recht wenn man gedenkt, dass er all jene würdigt, die es am allermeisten verdienen: Die Mütter.

Da er aber dennoch nicht hundertprozentig Mainstream ist, fehlt ihm zum Absoluten nur ein Fitzelchen:
9 Punkte


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