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Snowpiercer (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 27.04.2014, seitdem 622 Mal gelesen



Eines vorweg: konnte nicht vollständig auf Spoiler verzichten, habe aber versucht, diese nur anzudeuten.

Die Zukunft sieht trostlos aus. Im Jahr 2014 beschließt ein Großteil der Länder dieser Erde den Einsatz eines Gases, wenn man das so nennen kann, um den der globalen Ererwärmung entgegenzuwirken, mit Erfolg - die damit einhergehende Eiszeit löscht einen Großteil der Menschheit aus und nur wenige überleben, zusammengerottet in einem Zug, der ein die Welt umspannendes Netz befährt und nun schon fast zwei Jahrzehnte lang das Überleben der Menschheit sichert. Im Inneren des Zuges leben drei unterschiedliche Klassen, die First Class, die Economy Class und der dreckige Abschaum, wie die Menschen der letzten Waggons bezeichnet werden, die in elenden Verhältnissen leben müssen, da die anderen Klassen mittels einer kleinen Armee vom stinkenden Rest beschützt werden. Doch eines Tages ist das Maß an Ungerechtigkeit voll und die ganz hinten wollen nicht mehr nur dankbar sein, die Schneehölle überleben zu dürfen und unter der Führung von Curtis beschließen sie, die Maschine ganz vorne zu erreichen, um etwas zu ändern.

Snowpiercer vom Regisseur des koreanischen Monster-Movies und doch immer noch Geheimtipps "The Host" war zuletzt immer wieder im Gespräch, sorgte doch eine nennen wir es mal Meinungsverschiedenheit bezüglich der Schnittfassung dafür, dass der Film kaum beworben wurde, dafür aber auch quasi im Director´s Cut bin den Kinos läuft. Ich frage mich, wie die US-Fassung ausgesehen hätte, denn Snowpiercer hätte durchaus einige Schnitte vertragen, um die Geschichte etwas zu raffen, denn so detailliert sie auch ausgefallen sein mag wirkt die Inszenierung doch mitunter arg gestreckt, ich denke, dass man durchaus mehr Aufmerksamkeit bei einer größeren Publikum erlangt hätte, auf der anderen Seite finde ich die Konsequenz des Projektes bemerkenswert.
Nichtsdestoweniger weist der Film unübersehbar Längen auf, auch wenn er sich gar nicht erst groß damit aufhält, die Vorgeschichte zu erzählen und quasi gleich mit den wenigen Stunden vor der Rebellion beginnt. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist ein gewisses Overacting, das bei kurzen Nebenauftritten beginnt und teilweise Endzeitstandard a la Mad Max und Waterworld (schon wissen, verrückte, stammelnde, hektische, aufgeregte Überlebende) entspricht und in Tilda Swintons Darstellung gipfelt. davon abgesehen spielen Harris, Evans und Hurt ihre Rollen "mit bewährter Routine", auch wenn Evans Charakter am Ende doch tiefgründiger ist, als es zunächst den Anschein hat.
Nicht zuletzt Swintons Auftritte haben mir mitunter einen Schlag versetzt, denn der Film mixt verschiedene Elemente zusammen, in einem Moment lauscht man einer ruhigen Diskussion, danach folgt eine Orgie an Gewalt und Brutalität, und weiter geht es mit einer seltsam komisch, ja schon abstrakt und absurd anmutenden Sequenz, die einfach so gar nicht dazu passen mag, wo ich oft nicht wusste, wie ich das emotional einordnen sollte - ja, ich war mitunter irritiert. Und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto absurder muten manche Szenen an - kaum vorstellbar, wie es den Leuten gehen mag, die sich einen Waggon nach dem anderen vornehmen, Kulturschock par excellence. 
Ich muss zugeben, dass ich nach der ersten halben Stunde dachte, meine Güte, was für eine Zeitverschwendung, das Präsentierte schmeckte irgendwie absonderlich und gleichzeitig altbacken, doch die Geschichte entfaltet sich und gegen Ende hin werden so viele der zuvor oft im Vorbeigehen gestreuten Zeichen und durchdachten Ereignisse erklärt, dass es fast schon eine Freude ist, Handbewegungen, die sinnlos erscheinen und plötzlich einen tragischen Hintergrund offenbaren, Ausblicke in die eisige Einöde, die Hoffnung geben, am Ende fügt sich alles zusammen und - ohne zuviel verraten zu wollen, aber an dieser Stelle noch mal ein dezenter SPOILER-ALARM - mündet ein einem der konsequentesten Enden, die man sich wohl nur ein Regisseur von außerhalb Hollywoods erlauben darf, einem Ende, das gleichzeitig Hoffnung als auch Ausweglosigkeit signalisiert.

Müsste ich Snowpiercer vergleichen, so müsste ich große Namen der Filmgeschichte wie "Uhrwerk Orange", "Mad Max", "Pulp Fiction", "Matrix" und "Das Ding" nennen und auch wenn der Film viele Fehler hinsichtlich der Inszenierung enthält, von Logiklücken und grob konstruierten Ereignissen über das Overacting bis hin zu den zumindest für mich schwer greifbaren weil absurden Situationen und ihrem einhergehenden Humor, die dem Film verwehren, in diesen Olymp der Zuvorgenannten aufzusteigen, so bietet er doch etwas, das nur wenige Filme vor ihm schafften und das ich leider kaum besser zum Ausdruck bringen kann - er hat mich "geflasht". Ja, ich habe ihn nur mit einer 7 bewertet, weil er an so vielen Stellen sogar auf mich fehlerhaft und verbesserungswürdig wirkt, doch die Botschaften und die Art und Weise wie sie dargestellt werden, sein Ende und die Wucht, mit der es sich entfaltet - das liebe ich. 

Vielleicht werde ich meine Bewertung mit der Zeit nochmals revidieren und das eher nach oben. In diesem Sinne kann ich ihn nur empfehlen.

Frohes neues Jahr. ;)


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