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Snowpiercer (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 05.10.2014, seitdem 293 Mal gelesen



kurz angerissen*

Ein Zug, der wie ein langsam verhallendes Morsesignal seine Runden um die vereiste Erde zieht. Der die letzten überlebenden Menschen auf eine elliptische Reise ohne Ziel führt. Dessen Waggons in schillernden Farben nicht nur die unterschiedlichen menschlichen Nöte und Bedürfnisse darstellt, sondern die zudem mit strikten Klassenunterteilungen konnotiert sind. Vorne die Elite, die sich von der niederen Klasse in den letzten Waggons zuarbeiten lässt.

Ungestraft dermaßen offensiv die Gesetze der Logik dehnen, um ein dystopisches Gesellschaftsmodell zu errichten, das dürfen nur Bildergeschichten, früher flächendeckend als „Comic“ bekannt, heute bei höherem Anspruch auch gerne mal als „Graphic Novel“ geadelt. Dass Bong Joon-hos „Snowpiercer“ auf einer solchen basiert, ist auf Anhieb erkennbar. Die Geschehnisse in den einzelnen Zugabteilen sind wahre „Pageturner“: Ist einmal ein neues Abteil erobert, ergibt sich gleich eine ganz neue Situation und damit neue Spannung. Der lineare Weg durch den Zug gleicht dem Bild endlos sich öffnender Rosenblätter, die immer neue Schichten offenbaren und bunte Figuren zum Vorschein bringen. Tilda Swinton etwa, die Machtinhaberpositionen aufs Äußerste karikiert, oder John Hurt, der als wandelnder Torso seinem Nachnamen alle Ehre macht. Comicfiguren, zweifellos.

So überzeugt der „Host“-Regisseur überhaupt erst gerade durch die große Nähe zum Medium Comic, lässt er doch sämtliche Logikschwächen, die praktisch bei jeder der allerdings rar gesäten Außenaufnahmen einer im Weiß versunkenen Erde auf dem Silbertablett serviert werden, damit irrelevant erscheinen. Die gellende Gesellschaftskritik, sei sie noch so sehr der gewunkene Zaunpfahl, kann dadurch all ihre Stärken ausleben. Denn die offensichtliche Konzipiertheit ist zugleich Stilmittel. Selbst wenn man die Vorlage nicht kennt und daher nicht bestimmen kann, ob sie gut getroffen wurde – wenigstens ihr Medium wurde es.

In diesem Sinne ist „Snowpiercer“ ein durchaus ungewöhnlicher Film, mit offensichtlichen Schwächen zwar, aber von einer ähnlich minimalistischen Intensität und einer vergleichbaren Faszination für den Nihilismus wie der Low-Budget-Klassiker „Cube“.

*weitere Informationen: siehe Profil


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