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Snowpiercer (2013)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 19.11.2014, seitdem 357 Mal gelesen



"Der Zug ist ein geschlossenes Ökosystem. Alles muss ausbalanciert sein."

"Snowpiercer" ist eine Dystopie, die ein gesellschaftliches Problem in einen Ausnahmezustand versetzt: Die Kluft zwischen Oberschicht und Unterschicht. Der B-Movie gibt sich dabei überaus ambitioniert und futuristisch, allerdings nicht sonderlich authentisch.

Nachdem sich ein Experiment zur Regulierung der globalen Erwärmung umkehrt, ist alles Leben auf der Erde erfroren. Die letzten Menschen hausen auf engstem Raum in einem äußerst fortschrittlichen Zug, der sich auf einem weltumspannenden Schienennetz bewegt.
Curtis (Chris Evans) lebt seit 17 Jahren in einem der hinteren Waggons, wo sich die Unterschicht befindet. Seit Jahren werden sie von der herrschsüchtigen Mason (Tilda Swinton) unterdrückt. Und ebenso viele Jahre arbeitet Curtis mit Gilliam (John Hurt) an einem Plan, um die vorderen, luxuriöseren Waggons zu stürmen und sich bis zu Zugführer Wilford (Ed Harris) durchzukämpfen, um die Kontrolle über den Zug zu erlangen.

Vom Endzeit-Drama wandelt sich "Snowpiercer" recht schnell zum Actionthriller, nimmt später Züge einer Satire an und endet schließlich in einem Kammerspiel. Die einzelnen Stationen unterliegen einem wechselhaften, erzählerischen Rhythmus, der recht organisch wirkt. Allerdings leidet ein wenig die Spannung durch die sich nur langsam aufbauende und sich selbst erklärende Welt. Dafür betten sich einige überraschende Wendungen angenehm ein und das Finale punktet mit einem konsequenten Schlussstrich.

Die Idee Waggons themenbezogen aneinanderzureihen ist ebenso interessant wie auch speziell. Die hinteren Zugabteile erinnern nicht von ungefähr an regelrechte Slums und auch die ersten Entdeckungen zu Beginn der Revolte behalten die schmutzig-düstere Optik bei. Je weiter die Gruppe an Protagonisten aber Richtung Kopf des Zuges voranschreitet, desto bunter und absurder wird es. Zu den Waggons für die Wasser- und Nahrungsversorgung gesellen sich Schule-, Schlaf- und sogar Partybereiche.

Die Aufteilung des Zuges ist es dann auch, die jeglicher Logik trotzt und eben mehr an ein Computerspiel mit gewollt abwechslungsreichen Ebenen, denn an ein autonomes und in sich geschlossenes, glaubwürdiges Ökosystem erinnert. Das ist insofern besonders ärgerlich, da "Snowpiercer" eben genau auf ein geschlossenes Ökosystem propagiert.
Auch in vielen weiteren Bereichen wird die Logik mal schnell ausser Acht gelassen. Besonders während den zahlreichen Actionszenen, der Idee des globalen Schienennetzes und der Technik und Ressourcenbindung des Zuges.

Die offene Gesellschaftskritik, die diese übrigens durch eindrucksvolle Kostüme und Kulissen passend illustrierte Klassengesellschaft begleitet, kommt angesichts der Extremheit des Gezeigten naturgemäß nicht gerade subtil daher, allerdings ebensowenig mit der Holzhammer-Methode.
Obwohl die Verteilung von Gut und Böse eindeutig zu sein scheint, regt "Snowpiercer" unter der Oberfläche zum Nachdenken an. Allen voran über die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Aber auch über Regelungen in Extremfällen und der Bereitschaft sich von einer Führungsebene abhängig zu machen.

Die Qualität der Actionszenen ist schwankend. Besonders zu Beginn ist das eingeschränkte Budget doch deutlich sichtbar. Dort zehrt die wacklige Kameraführung genauso an den Nerven wie die ideenlosen Action-Choreographien. Später dagegen ist eine deutliche Steigerung und ein überlegteres Konzept erkennbar.

Die Beteiligung von den namhaften Darstellern Chris Evans ("Sunshine", "Captain America"-Reihe), Tilda Swinton ("Die Chroniken von Narnia"-Reihe), John Hurt ("V wie Vendetta", "Hellboy"-Reihe) sowie Ed Harris ("Apollo 13", "The Rock - Fels der Entscheidung") wertet "Snowpiercer" etwas auf. Alle genannten füllen ihre Rollen gut aus. Insbesonders Ed Harris hat final die besten Momente.

"Snowpiercer" hat ein paar gute Ideen und vermag es den kritischen Umgang mit seinen Themen zu vermitteln. Er braucht dafür aber eine gewisse Zeit, denn das Szenario offenbart sich schleppend. Bis dahin unterhalten die Darsteller, die Actionszenen zunächst weniger, später mehr. Die surreale Andersartigkeit ist wohl der größte Punkt zur Kritik, denn immer wieder durchbricht der Film die Logik, auch seine eigene. Dies ist insofern tragisch, da "Snowpiercer" an sich ein sehenswerter Film für Genre-Fans ist, welcher letzten Endes nicht alle Fragen beantwortet.

6 / 10


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