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300: Rise of an Empire (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 06.03.2014, seitdem 1866 Mal gelesen



Nach seinem Indie-Regiedebüt „Smart People“ war es lange Zeit still um Noam Murro, danach bot man ihm gleich zwei prestigeträchtige Projekte an: Zuerst „Stirb langsam 5“, bei dem er allerdings zugunsten des „300“-Sequels „300: Rise of an Empire“ ausstieg.
Wobei „Rise of an Empire“ weniger eine direkte Fortsetzung darstellt, sondern viel eher parallel zur Thermopylenschlacht aus dem Vorgänger erzählt wird. König Leonidas tritt daher auch nur in Ausschnitten aus dem Vorgänger auf, Königin Gorgo (Lena Headey) erzählt den Prolog und ist dabei hin und wieder zu sehen, tritt im späteren Film aber nur noch kurz auf. Stattdessen ist die Geschichte um den athenischen Heerführer Themistokles (Sullivan Stapleton) gestrickt, der bereits während persischen Invasion unter Xerxes' Vater Darius (Igal Naor) vor zehn Jahren den Sieg errang, indem er einen Überraschungsangriff führte und König Darius persönlich mit einem Pfeil tötete.
Doch nicht nur Themistokles‘ Vorgeschichte, auch die seiner Gegner wird erzählt: Xerxes (Rodrigo Santoro) gab sich nach dem Verlust seines Vaters schwarzer Magie hin, die aus folgsamen Sohn den riesenhaften, eigenwillig gestylten und machthungrigen Gottkönig des Vorgängerfilms machte, während die Befehlshaberin der persischen Flotte, Artemisia (Eva Green), eigentlich Griechin ist, von ihren eigenen Landsleuten aber als Sklavin gehalten und misshandelt wurde, bei den Persern Obhut fand und schließlich zu einem der Generäle König Darius' wurde. „300: Rise of an Empire“ gibt den persischen Gegnern mehr Charakter und Motive, versucht damit zumindest teilweise nicht die gleichen Angriffspunkte wie der Vorgänger zu bieten, dessen einfaches Welt- und Gegnerbild als fremdenfeindlich interpretiert wurde. Wobei klar sein muss: Die Rollen von Gut und Böse verteilt das Sequel immer noch eindeutig.

Während Xerxes an Land gegen die 300 Spartaner kämpft, führt Artemisia die persische Seemacht gegen die griechische Flotte unter Themistokles in den Kampf. Beide Heerführer sind schon aufgrund ihrer Vorgeschichte darauf bedacht den Sieg um jeden Preis zu erringen…
„300: Rise of an Empire“ ist ein Film, dessen Qualitäten man eigentlich in einem Satz zusammenfassen kann: Wer den Vorgänger mochte, der wird auch hier seine Freude haben, wer diesen nicht mochte, der wird auch beim Sequel nicht glücklich. Die Akzentverschiebungen sind nur graduell, ästhetisch kopiert Noam Murro den Stil Zack Snyders, der lieber „Man of Steel“ drehte und das Sequel nur als Drehbuchautor und Produzent betreute, und inhaltlich erzählt die Fortsetzung erneut die Geschichte einer Handvoll tapferer Helden im Kampf gegen eine Übermacht. Artemisia selbst macht dies in einem Gespräch mit Themistokles noch einmal deutlich: Um einen toten Griechen aufzuwiegen, muss er tausend Perser ins Jenseits befördern, für jedes zerstörte griechische Schiff hundert persische versenken. Comiczeichner Frank Miller gab den Filmemachern Ideen mit auf den Weg, an der im Abspann erwähnten Graphic-Novel-Vorlage „Xerxes“ arbeitet er aber derzeit noch.
Vielleicht ist das auch der Grund weshalb Xerxes trotz der Betitelung der Graphic Novel im Sequel selten vorkommt. Mehr Raum wird den Gegnern Themistokles und Artemisia gewährt, wobei auch diese wenig Tiefe erhalten, über den Prolog hinaus kaum charakterisiert werden, der Artemisia mehr Background zugesteht als Themistokles, der einfach nur als tapferer, aufopferungsvoller Soldat erscheint. In einer symptomatischen Szene treffen sich die Feinde zum Gespräch, welches in ein animalisches, an eine Kampfszene gemahnendes Liebesspiel übergeht, welches zeigt, das auch „300: Rise of an Empire“ den Schmuddeltouch des Vorgängers beibehält: Der Film wühlt gern im Dreck, schlachtet (angedeutete) menschliche Abgründe in erster Linie für ein düsteres Spektakel aus, das sich voll und ganz seinen leicht pubertären Phantasien eines total krass unangepassten Mainstreamfilms hingibt.

Nicht nur die tonale Ausrichtung, auch die Optik orientiert sich klar am Vorgänger. Wo Snyder vor allem mit dem abwechselnden Einsatz von Slow und Fast Motion arbeitete, da übernimmt Murro nur die exzessiven Zeitlupen, ansonsten bleibt die comicartige Optik mit hervorragend animierten Szenarien, beeindruckenden (oft computergestützten) Kamerafahrten und bildgewaltigen Massenszenen erhalten. Tatsächlich ist dies auch einer der Hauptreize von „300: Rise of an Empire“, da Murro wirklich beeindruckende Szenen auf die Leinwand zaubert, etwa wenn eine lange Kamerafahrt über eine sturmgepeitschte See und die darauf befindlichen Schiffe fährt und gemeinsam mit einem Schiff einen Wellenberg hinunter saust.
Zweite Hauptattraktion des Films ist, wie schon bei „300“, die Action: Es wechseln sich reine Seeschlachten zwischen Schiffen und Nahkämpfe (etwa beim Entern) ab, wobei „300: Rise of an Empire“ seine Scharmützel zu variieren weiß. Immer neue Taktiken führen sowohl Perser auch als Athener ins Feld (von Rammstrategien bis hin zu Spezialschiffen und besonders ausgerüsteten Kampftruppen), wodurch die eher simple Abfolge von immer deftigeren Actionszenen nicht langweilig wird. In den gut choreographierten Kampfszenen wurde der Härtegrad dem Vorgänger gegenüber noch einmal angehoben, es gibt abgetrennte Körperteile, zertretene Köpfe und ähnliche Scherze en masse, womit „300: Rise of an Empire“ auch hier auf dem Grat zwischen derber Schmuddel-Exploitation und edel aussehendem Mainstreamkino beschreitet. Das Comickonzept spiegelt sich dabei dann auch in der wenig realistischen Umsetzung der Kampfszenen wider, etwa wenn Athener von meterhohen Klippen auf ein Schiff hüpfen ohne sich dabei auch nur abzurollen, geschweige denn die Beine zu brechen.

Wie schon der Vorgänger ist „300: Rise of an Empire“ allerdings auch ein reichlich simpler Film. Die Invasionsgeschichte und das politische Umfeld (hier: die angestrebte Einigung der Stadtstaaten Griechenlands) betten das Hack-and-Slay in einen erzählerischen Rahmen, doch der Action kommt die meiste Aufmerksamkeit zu. Dementsprechend sind auch eigentlich alle Figuren bis auf Themistokles, Artemisia und Gorgo lediglich Abziehbilder, die manchmal noch durch ihre Funktionen ansatzweise charakterisiert werden (etwa der Spion oder sein Sohn, der in den Kampf ziehen möchte), letztlich aber vollends egal bleiben.
Daher ist es auch kein Wunder, dass nur wenige Darsteller Raum zur Entfaltung bekommen. Immerhin: Sullivan Stapleton ist, ähnlich wie Gerard Butler beim Vorgänger, ein noch weitestgehend unbeschriebenes Blatt, kann aber ebenfalls in der markigen Rolle des Leading Man überzeugen. Eva Green dagegen gibt sich manchmal etwas dem Overacting hin, macht ansonsten aber einen ganz guten Job, während Lena Heady, mittlerweile die wohl führende Darstellerin Hollywoods im Bereich des phantastischen Films und Fernsehens (siehe „Dredd“, „Game of Thrones“, „The Purge“, „Terminator: Sarah Connor Chronicles“ usw.), in jeder ihrer Szenen des Film an sich reißt. Rodrigo Santoro darf kurz als noch unveränderter Xerxes etwas schauspielern, danach vor allem markig aus der CGI-gepimpten Wäsche schauen, während von den Nebendarstellern allenfalls Callan Mulvey und Jack O’Connell als Vater-Sohn-Gespann ein paar Akzente setzen können.

„300: Rise of an Empire“ ist eine Schlachtplatte, die sich gewaschen hat, die ebenso bildgewaltig wie gewalttätig daherkommt, massig phantasievolle Action bietet und sein Gehacke mit enormem Tempo in einen einfachen, aber funktionierenden Plot presst. Freilich ist das Ganze bisweilen etwas dumpf, in seiner auf cool getrimmten Rohheit etwas pubertär und ohne große Finessen im Bereich von Story oder Charakteren. Im Grunde genommen wie der ähnlich stilvolle Vorgänger, auch wenn sich leichte Abnutzungserscheinungen zeigen. Die Weichen für einen möglichen dritten Teil stellt das Ende allerdings trotzdem.


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