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Raid 2, The (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 28.06.2014, seitdem 1411 Mal gelesen



Ehrgeiz und Streben nach Mehr und die Ein- und Beschränkung dessen bzw. das Handicap beim Erreichen von Zielen sind die ersten Schlagworte des Filmes.  "The question of ambition“ & "the matter of limitation“, die als Gegensatzpaar und hauptsächliche Unterscheidung im tatsächlichen Ergebnis in den Raum gestellt werden. Nach dem weltweiten Erfolg von Serbuan Maut a.k.a. The Raid - Redemption (2011), der nicht nur beim Publikum, sondern vor allem auch den Kritikern äußerst positiv aufgenommen und mit lobenden Worten und Preisen angesichts der Herkunft aus dem reinen Actiongenre geradezu überflutet wurde, stellt die vermeintliche Fortsetzung eigentlich gar nicht die Weiterführung selber, sondern die Erweiterung und ein vorher unabhängig davon geplantes autarkes Material namens Berandal und damals noch der finanziellen Unterstützung durch Sponsoring mittels dem Puchon International Fantastic Film Festival (PiFan) und seinem Network of Asian Fantastic Films (NAFF) bedürftig dar. Ein Vorhaben, dass den im Nachhinein als Erstling Proklamierten und Propagierten auch gar nicht in dessen direkten und minimalistischen Stärken zu übertrumpfen versucht, sondern andere Wege mit anderen Bestimmungen und Mitteln und tatsächlich in Richtung Multifunktionalität als 'nur' dem des territorial und materiell begrenzten, dafür umso furiosen und verzweifelten Chaos vom Vorgänger geht. Koalition, Korruption und Kollision, dazu regelrecht destruktive Aktion, die in ihrer (Vor)Trefflichkeit und Härte bereits die eigene Meßlatte gelegt hat:

Nach dem SWAT raid auf das Hauptquartier des Drogenbarons Tama Riyadi wird der nur mühsam das Gemetzel überlebende Polizist Rama [ Iko Uwais ] vom Leiter der Internal Affairs, Bunawar [ Cok Simbara ] aufgelesen und mit dem ganzen Ausmaß der Korruption und Verseuchung der Stadt offenbart. Um dem korrupten Police Commissioner Reza [ Roy Marten ] beizukommen, lässt sich Rama inkognito ins Gefängnis einschleusen,  um dort in die Nähe von Uco [ Arifin Putra ], dem inhaftierten Sohn des Gangsterbosses Bangun [ Tio Pakusadewo ] und damit in den inneren Kreis der Gangsterwelt zu gelangen. Nach drei Haft entlassen, ist Rama dem Ziel auch greifbar nahe, als schlagende Kraft und Ausputzer für die Kriminellen tätig, allerdings noch unterhalb deren rechten Hand Eka [ Oka Antara ] tätig. Währendessen plant der von seinem Vater gegängelte Uco eine geheime Kollaboration mit Bejo [ Alex Abbad ], um einen Krieg seines Vaters mit der japanischen Gang von Goto [ Endo Kenichi ], das Ende des bisher zehnjährigen Waffenstillstandes und eine endgültige Entscheidung über die Herrschaft zu provozieren.

"Fucking bodies are piling up all over the city..."
Geplant wurde das Projekt ursprünglich bereits 2009, direkt nach Merantau (Warrior), der bereits als Achtungserfolg, aber damals, lang ist es her, noch in den Schatten von Ong-bak empfunden und auch so geschrieben wurde. Nach Thailand Anfang des Jahrtausends und einer nur kurzen Blüte mit wenigen Exemplaren und einigen Enttäuschungen auf dem Terrain geriet plötzlich Indonesien in das Visier von Action und Martial Arts, gestaltet sich aber gleichsam als Eintagsfliege bzw. eine Aufgabe schlicht gelöst in Personalunion. Der an der Universität von Glamorgan graduierte und in Wales geborene Gareth Huw Evans hat zuvor an der Dokumentation The Mystic Arts of Indonesia: Pencak Silat gearbeitet und den no-budget Thriller/Pschyodrama Footsteps (2006) geschrieben und gedreht, auch die nächsten Tätigkeiten sind im Alleingang initialisiert und hauptverantwortlich im Drehbuch, Schnitt, Produktion und großteils auch im viralen Marketing von ihm formuliert. Das jeweils nächste Ziel der Bedeutung und die Schritte dahin scheinen bisher logisch und wurden für einen im Grunde Neuling im Geschehen und ein bis dato genauso unbedeutendes und für die große Aufmerksamkeit nicht auf dem Radar erschienenes Filmland wie Indonesien überaus professionell bis in mehrerlei Hinsicht überraschend kreativ und handwerklich erhaben präzisiert.

In Berandal, was übersetzt soviel wie (Klein)Krimineller, Strolch oder Gauner bedeutet, liegt die wahre Schwierigkeit so auch gar nicht auf der Action, dessen Tugenden wie Schnelligkeit im brachialen Umschwung, Akrobatik, Choreographie, auch die erst schmerzhafte, bald in aller der Masse abstumpfende, da wiederholende Brutalität von vielerlei Knochenbrüchen, diversen Verletzungen vor allem auch im Kopf- und Gesichtsbereich im Grunde aus dem Vorgänger übernommen wurde, sondern in der materiellen Gestaltung als Epos. 2 1/2h Zeit nimmt sich das Geschehen, dass auf den ersten Blick komparabal wie der koreanische The New World (2013) mit einem Undercoverplot und einem erst angedeuteten, dann in aller Form und Inbrunst ausgebrochen Gangsterkrieg erzählt, mit einem langen und langsamen Aufbau, der unterbrochen von erst kleineren Auseinandersetzungen in einen sich immer und immer wieder steigenden Waffengang und fulminanten Strudel der Gewalt, in der viele Jäger des Hasen Tod sind, gerät.

Ein epischer Ton wird dabei angestrebt und bedingt, zuweilen artifiziell, pretiös, leider auch comichaft überzogen, auf Besonderheit und vielleicht auch Bedienung und Beifall schielende Art und Weise dennoch erreicht. Vermehrt im aufschwellenden Effekt und wilden Schlacht- und Massenszenen, der von einem Vater - Sohn - Konflikt getragen ist und den Undercover, der zuvor Frontsoldat war hier eigentlich als bessere Nebenfigur an den Rande, als Spielball höherer Mächte und kurz vor die Verzweiflung einer schrecklichen Niederlage drückt. Entscheidend sind erst einmal die Wünsche und Ansprüche und die Herr- und Machenschaften der Anderen, der verschiedenen Organisationen, dessen Wirkung der Einzelne und Fremde außer der persönlichen Hoffnung und todesmutiger Verteidigung im Kampf nicht viel entgegenzusetzen hat. Erzählt wird in langen Einstellungen, in Beobachtungen von Räumen, die zumeist alle fensterlos gehalten, architektonisch streng und wie einfarben und isoliert wirkend aufgenommen sind; unterschiedliche Arten von Kammern und Kaschemmen, von rechteckigen Kästen in lebloser Natur, die sich obwohl stetig in der Ausbreitung und der Ausstattung vergrößern immer wie als Gefängnisse mit Mauern in allen Ecken und Enden gehalten sind. Nicht als Schutzwälle ausgerichtet, sondern als Einengung, Arrest und Entzug, als massiver Widerstand, wobei jeweils auch die Familie der Beteiligten im Mittelpunkt des Dranges nach Draußen in die Gesellschaft und des Dranges nach Freiheit und so als Motiv für all die Kraft der Faszination der einige Male ingeniösen Kampfszenen und die Heftigkeit und Vehemenz in der Ausübung der Rohheit und Unmenschlichkeit stehen.

Der Polizist, der gerade im abgewrackten Hochhaus den Terror und Grauenstrip nur mühsam überlebt hat, muss erfahren, dass dieser wie ewig scheinende Tag nur der Anfang von viel mehr Schrecken, viel mehr Toten und eine auf Jahre hinaus dauernde Trennung von Frau und Kind war. Der Sohn des Gangsterbosses wird nur von seinem Vater gedemütigt und verliert dadurch nicht nur automatisch sein Gesicht auch vor allen Anderen, und darüber hinaus im Aufstand gegen diese von Geburt an bestehende Gesetzmäßigkeit der Unterordnung auch bald Alles Weitere an seiner Existenz. Der Auftragskiller, der seine Aufträge erst wie eine Tötungsmaschine erfüllt, entpuppt sich als eigentlich nur für sein Kind und seine (Ex)Frau sorgender Mensch, und es ist auch ein längst nicht mehr aktuelles und längst verblasstes Foto seines Sohnes, dass er als Opfer in Funktion eines Sündenbockes für den späteren Krieg in der Unterwelt als letztes sieht.  

Ein Wechsel von Gefühlen und Perspektiven und ein Wechsel in der Tonart, der jeweils beherrscht wird und dessen starke Leidenschaften jeweils fruchtbar, wenn auch verwildert zur Diktion kommen, zeichnet den Rhythmus des Filmes aus. Der Takt ist aszendierend, immer kürzer sind die Pausen zwischen den Vergeltungs- und Vernichtungsschlägen, zwischen den respekteinflößenden Anforderungen der Stuntmen und den Blutbädern, in denen mit furchtbaren Werkzeugen wie Felssteinen, Hämmern, Baseballschläger, Herdplatten, Pumpguns, (Maschinen)Pistolen, Autos dem Gegenüber die Knochen gebrochen, die Haut aufgerissen, der Körper verdreht und verzerrt und in alle Einzelteile zerlegt wird. Eine immer höher steigende Spirale der Unmittelbarkeit, die final auch aus den Kammern der Unterwelt hinaus auf die Strasse und zum ersten Mal in einer grobschlächtigen (und von Hong Kong - Spezialist Bruce Law gleichermaßen fantasiebegabt und feingliedrig inszenierten) Verfolgungsjagd mit Karambolagen und Opfer an Mensch und Material auch in die Öffentlichkeit, in eine vorher unbekannte Zivilisation der Stadt Jakarta schwappt.


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