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Raid 2, The (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 01.07.2014, seitdem 2659 Mal gelesen



2011 wurde „The Raid“ zum Festivalhit, der sich mit DVD-Veröffentlichungen und Kinoreleases anno 2012 komplett die Gunst des Actionpublikums sicherte, Regisseur Gareth Evans größere Popularität verschaffte und gleichzeitig die Gelegenheit gab eine üppiger budgetierte Fortsetzung zu drehen.
„The Raid 2“ schließt auch passgenau den Erstling an, bricht aber gleichzeitig mit vielen dort angelegten Fortsetzungsansätzen: Andi (Donny Alamsyah), Bruder des Helden Rama (Iko Uwais), wird gleich zu Beginn von dem Gangster Bejo (Alex Abbad) und seinen Handlangern kaltgemacht und verbuddelt, während der Leiter der Undercovereinheit der Polizei Ramas Teilnahme am titelgebenden Raid des Erstlings vertuscht und den gefangenen Gangsterboss gleich direkt exekutiert. All diese Handlungsschnippsel der Exposition werden parallel mit einer Aufnahme Ramas montiert, der auf einem schäbigen Klo wartet, während eine Horde aufgebrachter Angreifer an die Türe bollert. Evans steigert die Anspannung, auf Figuren- wie auf Zuschauerseite, denn zum einen wartet man auf die Entladung des Ganzen in einer Schlägerei, zum anderen will man erfahren, wie Rama dorthin kommt.
Im weiteren Verlauf der Montage stellt sich heraus, das Rama nun ebenfalls als Undercoverermittler arbeitet und nicht nur die Mörder seines Bruder überführen will, sondern auch dem Drogenhandel einen schweren Schlag verpassen, der zwischen zwei Gangs, eine einheimisch, eine japanisch, aufgeteilt ist. Deshalb lässt er sich ins Gefängnis verfrachten, indem einen korrupten Politikersohn vertrimmt. Auf der Gefängnistoilette wartet er nun auf Schläger, die dem neuen Insassen erstmal Respekt einflößen wollen, was schließlich zu ersten Actionsequenz des Films führt, in der Rama im Hand-to-Hand-Combat den begrenzten Raum der Toilette effektiv zu nutzen weiß, aber dennoch Prügel bezieht.

Diese und andere Aktionen im Knast bringen ihm allerdings erst den Respekt und später das Vertrauen von Uco (Arifin Putra), dem ebenfalls einsitzenden Sohn des indonesischen Gangleaders Bangun (Tio Pakusodewo), ein. Nach zweijähriger Haftstrafe nehmen diese Rama in ihre Truppe auf, womit dessen Undercovertätigkeit erst richtig beginnt…
Sequels schwanken stets zwischen Wiederholung und Variation, doch selten waren manche Akzente, bei aller Kontinuität, so unterschiedlich gesetzt wie bei „The Raid“ und „The Raid 2“: War der Erstling noch ein kompakter rund 90minütiger Reißer, so ist das Sequel eine zweieinhalbstündige Martial-Arts-Undercover-Story, wo der Erstling vertikal in einem Hochhaus spielte, da verlagert „The Raid 2“ sein Geschehen horizontal auf die gesamte Stadt mit verschiedenen Handlungsorten. Und doch tut „The Raid 2“ es im Kern seinem Vorgänger gleich, immer noch ist es eine ökonomisch erzählte Actiongeschichte, deren einzelne Versatzstücke vor allem im Dienste der Spektakeldramaturgie stehen: Ähnlich wie bei den Exekutionswellen am Ende von den „Der Pate“-Filmen gibt es auch im letzten Drittel von „The Raid 2“ eine parallel montierte Sequenz, in der Gangkiller an verschiedenen Orten Mitglieder der Rivalen umnieten. Anstatt dies jedoch als epischen Schlusspunkt zu nehmen, wie die „Der Pate“-Trilogie, dient diese Sequenz in „The Raid 2“ vor allem der Vorstellung von drei besonders perfiden Martial-Arts-Meistern, denen sich Rama später stellen muss.

Insofern wird auch bei einer Laufzeit von rund 150 Minuten aus „The Raid 2“ kein Epos, sondern in erster Linie ein langer Martial-Arts-Actionfilm, wenn auch ein wirklich toller. Doch der Film steht eben ganz im Zeichen seiner Actiondramaturgie, weshalb andere Aspekte eher kurz kommen: Dass Rama jeweils an seiner Mission zweifelt, sich zu eng mit seinen Zielpersonen anfreundet oder ernsthaft droht aufzufliegen, so wie die Protagonisten von klassischen Spitzelthrillern wie „Prince of the City“ oder „Donnie Brasco“ oder auch die Helden von Actionfilmen wie „Point Break“ oder „The Fast and the Furious“, das passiert in „The Raid 2“ nie. Keine großen Gefühle, wenig Thematisierung von Loyalität und Bruderschaft unter Gangstern. Auch Ramas Familie schwebt zwar potentiell in Gefahr, aber mehr als paar Dialogzeilen in der Hinsicht sind nicht drin, während auch die Gefahr von Ramas Auffliegen bestenfalls hin und wieder für einen Spannungsmoment gut ist.
Das Kunststück dabei ist jedoch, dass „The Raid 2“ nie redundant oder langatmig wirkt. Stattdessen spannt Gareth Evans klassische Cop-, Gangster- und Undercovermotive, von korrupten Cops über verstohlene Telefonate von Ermittler und Boss bis hin zu opferreichen Gangsterfehden, für seine Actionstory ein, was „The Raid 2“ ein Flair verpasst, das den Film über generische Maße hinweg aufpeppt. Hin und wieder blitzen komplexere Momente auf, etwa die tragische Geschichte eines als Penner lebenden Auftragskillers, der in erster Linie für seinen Sohn sorgen will, oder der Tod eines Undercoverermittlers, der sich im Sterben Rama offenbart, aber es bleiben doch eher Einzelmomente. Auch die eine oder andere Frage an die interne Filmlogik lässt man besser ungestellt, etwa warum Rama an einer Stelle unmotiviert von Polizisten angegriffen wird, obwohl die Handlung kaum Gründe dafür liefert (etwa, dass alle Mitglieder von Banguns Gang gerade von Cops in zivil angegangen werden).

Der Plot wirkt aber als famose Verbindung der ausladenden Actionszenen des Films, die wie der Vorgänger als Hauptaugenmerk auf Martial Arts legen. Ein wenig Schusswaffengebrauch ist zu sehen, hinzu kommt eine dynamische Autoverfolgungsjagd im letzten Drittel, doch meist werden Meinungsverschiedenheiten hier im Nahkampf geregelt. Exotische Kämpferfiguren wie eine Taubstumme, die Zimmermannshämmer schwingt, oder ein Killer mit Baseballfetisch sorgen für Abwechslung, ebenso die große Auswahl von (teilweise improvisierten) Nahkampfwaffen. Die Choreographie ist erste Sahne, der Härtegrad recht hoch (auch außerhalb der Actionszenen), doch auch inszenatorisch haben sich Evans und seine Stunttruppe einiges einfallen lassen: Sei es die Art, in der die Spannung vor einem Scharmützel immer wieder auf den Höhepunkt getrieben wird, dass man immer wieder auf die Entladung wartet (am eindrucksvollsten sich in der beschriebenen Eingangssequenz) oder der Finalkampf, in dem der Soundtrack erst langsam und leise einsetzt, im Verlauf des Showdowns aber immer präsenter und druckvoller wird. Auch für Abwechslung wird gesorgt: Sowohl Massenschlägereien als auch Einzelduelle besonders starker Kämpfer gibt es, in engen Autos und auf rutschigen Höfen voller Schlamm wird gekämpft, mal kurz und dreckig, mal wahrhaft ausladend.
Die Darsteller sind also eher körperlich gefragt, doch liefern auch bei den schauspielerischen Performances durchaus akzeptable Leistungen. Iko Uwais spielt schon etwas nuancierter als im ersten Teil, Arifin Putra kann als launischen Gangstersohn durchaus auftrumpfen, während Alex Abbad als Fiesling zwar das totale Klischee gibt, das aber schön hassenswert. Was beim Cast auffällt, ist die hohe personelle Kontinuität: Die meisten Darsteller haben bereits bei anderen Evans-Projekten wie „The Raid“, seiner „V/H/S 2“-Episode oder „Merantau“ mitgespielt und/oder sind zudem für den von ihn geschriebenen und produzierten „The Night Comes for US“ besetzt.

Wie schon sein Vorgänger ist auch „The Raid 2“, trotz epischer Länge, ein auf seine grandiose Kampfchoreographie bedachter Actionreißer für Martial-Arts-Fans, dessen Cop-, Gangster- und Undercoverelemente in erster Linie für Flair sorgen sollen – was sie auch tun. Hinter dem Ganzen steckt eine hervorragend getaktete Dramaturgie, der über 150 Minuten nicht die Puste ausgeht, die für mangelnde Komplexität und den einen oder anderen logischen Patzer in der Geschichte mehr als entschädigt.


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