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Raid 2, The (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 06.07.2014, seitdem 1964 Mal gelesen



2011 kam mit "The Raid" der erste indonesische Film bei uns im Kino und setzte einen neuen Maßstab. Niemals vorher sah man solch perfekt choreografierte Kampfszenen in einem Film - eine spektakulärer wie die andere. Obwohl der Film fast von der ganzen Community wohlwollend aufgenommen worden ist, gab es dennoch einige, die was an der Story zu bemängeln hatten. Cops stürmen ein Hochhaus und metzeln sich durch fiese Schergen. Punkt, Ende, Aus.
Mit "Raid 2: The Berandal" dürfte sich auch dieser Punkt erledigt haben, denn hier haben wir es mit einer äußerst komplexen, fesselnden Story zu tun, die mit exzellenter Charakterzeichnung aufwarten kann.

Nachdem der junge Cop Rama (Iko Uwais) es mit letzter Kraft aus dem Hochhaus geschafft hat, um den Untergrundboss Tama (Ray Sahetapy) zu eliminieren, wird er noch am selben Tag als Undercover-Cop Yuda in das Gefängnis eingeschleust, in dem auch Uco (Arifin Putra) seine Strafe verbüßt. Uco ist der Sohn des mächtigsten indonesischen Mafia-Bosses Bangun (Tio Pakusodewo), der die komplette Stadt Jakarta kontrolliert. Alle hochrangigen Polizisten hat er in der Tasche und jeder gegnerische Clan wird mit allen Mitteln vernichtet. Nach einem Gefängnisaufstand gelingt der Plan und Uco sieht in Yuda/Rama einen Freund. Nach zwei Jahren Gefängnisaufenthalt stellt Uco seinem Vater Rama vor, da dieser immer auf der Suche nach guten Kämpfern ist - diese braucht er dringender als je zuvor, da ein Konflikt mit dem mächtigen Yakuza-Clan Goto unausweichlich ist. Für Rama beginnt fortan eine Odyssee aus Korruption, Kriminalität und grausamer Gewalt...


Nicht nur, dass wir uns eh schon alle auf die Fortsetzung gefreut hätten, aber das Sequel heizte diese Vorfreude noch mehr an, dass wir hier in Deutschland die ungeschnittene Fassung im Kino, sowie später auch auf Blu Ray (im Heimkinosektor gelten ja bekanntlich strengere Regeln) begutachten können, während der Film in Amerika um einige Frames wegen ausufernder Gewalt geschnitten werden musste und in Malaysia gar nicht erst im Kino lief und direkt indiziert werden musste.
Und ich kann sagen: Mein lieber Scholli, selbst nach allem, was ich in den letzten zwanzig Jahren bis dato gesehen habe an Gewalt, Splatter und selbst bei neueren §131er lachen musste. Bei "Raid 2" war die Gewalt ein Nackenschlag, die bei mir ein flaues Gefühl nach dem Anschauen hinterlassen hat. Wurde im ersten Film schon erdolcht, erdrosselt, gesuppt und gemordet was das Zeug hielt, legt man hier noch eine Schippe drauf. Obwohl es weitaus weniger Martial Arts-Kämpfe gibt - wenn sie kommen, wirken sie noch roher und ausufernder wie im Erstling. Das Morden mit allen Gegenständen, die gerade in der Gegend rumstehen, die Zeigefreudigkeit an Blut, Knochenbrüchen und eben gerade die "dokumentarische" Echtheit, die diese Kämpfe vermitteln, hinterlassen ein echt beschissenes Gefühl in mir, wie grausam Menschen sein können, so dass ich danach erstmal "König der Löwen" in einer Endlosschleife schauen musste, um wieder von diesem Trip runterzukommen.
Kurzum: Die Kämpfe sind wieder Weltklasse, wenn auch etwas rarer gesät, doch die gefühlte Brutalität ist für mich schon wirklich an der Grenze, was ich ertragen kann. Natürlich dürft ihr mich jetzt alle als Pussie oder Warmduscher verschimpfen, aber ich denke, vielen Fans wird es genauso gehen.


Kommen wir mal auf die anderen Punkte zu sprechen: Die Story, die von vielen bemängelt wurde, wurde aufgeplustert und vertieft - und dennoch wird auch dieser Plot kein Oscar-Gewinner sein. Nichtsdestotrotz, für solch einen Genre-Film dürfte man jetzt mittlerweile einen roten Faden haben, der die "Ich-hab-an-alles-etwas-auszusetzen"-Kritikern das Maul stopft. Auf westliche Sehgewohnheiten scheißt man auch, das "Filme müssen immer 90 Minuten gehen"-Konzept schmiss man über Bord und so erstreckt sich die ungeschnittene Fassung auf "epische" 148 Minuten, was aber dank exzellenter Charakterzeichnung, Storyfortschritt und Wendungen nie langweilig wird. Und trotzdem kann man sagen, dass man hier und da mal eine Länge wegschnippeln hätte können, dass "Raid 2" sicher auch mit 130 Minuten eine top Angelegenheit gewesen wäre.

Was auch noch auffällig ist, dass gerade in ruhigen Momenten die Kamera-Arbeit ein große Rolle spielt. Die Fahrten und Einstellungen sind gigantisch, der minimalistische Score passt hervorragend und unterstreicht die jeweiligen Szenen in ihrer Bedrohung, so dass man nach der Erstsichtung überhaupt keine Kritikpunkte finden kann, außer eben der Überlänge.

... und in meiner Sichtweise gerade eben diese Story, da ich einer der Sorte bin, dem die Dreizeiler-Story im ersten Teil gereicht hat. Für mich ist die hier erzählte Geschichte (auch wenn manche schon das Gegenteil über den Markt schreien) zu verschachtelt und komplex und mir hätte so ein Bierdeckel-Inhalt wieder ausgereicht.


FAZIT:

Es fällt mir schwer ein Fazit zu ziehen, die 148 Minuten fühlen sich keineswegs zu lang an, aber dennoch fehlt hier das gewisse Etwas. Man ist schon irgendwie froh, wenn es vorbei ist. Im krassen Antonym hingegen will ich mal "The Green Mile" mit 180 Minuten Laufzeit erwähnen, den ich schon zig mal gesehen habe und dennoch immer wieder das Gefühl habe, dass man an diesen Klassiker noch 60 Minuten Laufzeit dranhängen könnte, ohne dass auch nur eine Minute langweilig wäre. Natürlich ist das ein Vergleich für die Tonne, aber er zeigt auch, dass "Raid 2" vielleicht doch etwas zu lang geworden ist, um jedes Jahr angesehen zu werden. Vielleicht stimmt aber auch die Laufzeit, und es hängt eher an den knüppelharten Kampfszenen, die für mich im Brutalitätsgrad das Intensivste darstellen, was ich jemals gesehen und gerade so noch verdaut habe. Leute, vergisst "Braindead", "Insidious", "Hostel", "Martyrs", "Eden Lake", "Human Centipede 2" und Co.
"The Raid 2" stellt in Sachen Brutalität für mich zumindest eine neue Referenz da. In Sachen Martial Arts hat sein Vorgänger ja schon die Messlatte neu erfunden - und bei dieser steht der zweite Teil in nichts nach. Auch wenn in den 148 Minuten die Kämpfe etwas rarer gesät worden sind, müsste ich jetzt den ersten "Raid" direkt nachschmeißen, um zu sagen, dass Teil Zwei diese Messlatte nicht sogar übertrifft.
Die Handvoll ausgesuchten Darsteller spielen um ihr Leben, vollkommen intensiv und überzeugend, dass man auch hier nur lechzen kann.

Lediglich in der Sache "Öfters Anschauen" vergebe ich einen Minuspunkt - da ich mir nicht vorstellen kann, das "Raid 2: The Berendal" in meine TOP 100 kommt, Filme die ich immer wieder anschauen kann. Komischerweise ist das aber ein Kritikpunkt, nach dem ich noch niemals in meinem ganzen Leben gewertet habe... Denn die meisten Kritiken erfolgen meistens nach 24 Stunden und über die Langzeitwirkung habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Bzw. Kann man das überhaupt?
Dennoch, Knochenbrecher-Genrefans kommen an diesem ultrabrutalen Vergnügen nicht vorbei. Und God bless diesmal the f*cking FSK, dass sie diesem Film ungeschnitten eine KJ-Freigabe erteilt haben.


9/10


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