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Raid 2, The (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 29.07.2014, seitdem 1598 Mal gelesen



Wir befinden uns im Jahre 2014 n.Chr. Das ganze Actiongenre ist von den US-Amerikanern beherrscht ... Das ganze Actiongenre? Nein! Ein von einem unbeugsamen Waliser angef√ľhrter Trupp indonesischer Action-Aficionados h√∂rt nicht auf, dem Okkupator Widerstand zu leisten ...

Man m√∂chte fast meinen Gareth Evans verf√ľgte √ľber einen Zaubertrank, so unerwartet, radikal und brachial mischte er 2011 mit eigentlich hoffnungslos unterlegenen (finanziellen) Mitteln den so unangefochten wie uninspiriert vor sich hin trampelnden Actionfilm Hollywoodscher Pr√§gung auf.
Sein vergleichsweise spottbilliger (Budget 1 Mio $) Martial-Arts-Kracher ‚ÄěThe Raid" setzte ganz neue Ma√üst√§be in punkto Kampfchoreographie, H√§rtegrad und Intensit√§t und f√∂rderte das Plumpe, Schwerf√§llige und Biedere amerikanischer Hochglanz-Krawalle der Marken ‚ÄěBay" oder ‚ÄěDie hard" schonungslos zu Tage. Auch Stallones reaktivierte Testosteron-Rentner machten im Vergleich ihrem Kampfnamen alle Ehre und wirkten mehr als entbehrlich.

Wenn man ‚ÄěThe Raid" √ľberhaupt eine Vorwurf machen konnte, dann war es der einer minimalistischen Story. Die Erst√ľrmung eines von Gangstern besetzten Hochhauses durch eine Spezialeinheit der Polizei in Jakarta lies wenig Raum f√ľr mehrdimensionale Figuren oder gar einen vielschichtigen Plot. Bei einer knackigen Laufl√§nge von knapp 90 Minuten und einem Actionanteil von gef√ľhlt 90 Prozent konnte man das allerdings recht locker verschmerzen. Evans hatte zwar auch da bereits h√∂here Ambitionen, aber keine Geldgeber zur Umsetzung. Das Problem hat er nach dem fulminanten Erfolg nun nicht mehr und das merkt man ‚ÄěThe Raid 2" auch deutlich an.

Nicht nur die Dauer von 2,5 Stunden, auch die zahlreichen Schaupl√§tze und deutlich exquisitere Ausstattung lassen Evans epische Vorstellungen diesmal endlich Wirklichkeit werden. Vor allem aber ist es die komplexe, vielschichtige Handlungsstruktur um Verrat, Rache und Korruption, die den Begriff ‚ÄěGangster-Epos" vollauf rechtfertigt. Ganz in der Tradition der ‚ÄěPate-Trilogie" oder ihrem asiatischen Pendant ‚ÄěInfernal Affairs" taucht ‚ÄěThe Raid 2" tief in die mafi√∂sen Machenschaften und Strukturen konkurrierender Gangstersyndikate ein. Strukturen in die zudem Hochfinanz, Politik und Polizeiapparat verwickelt sind und die damit undurchdringbar und v.a. undurchschlagbar scheinen.

Einer soll es dennoch versuchen. Kurz nach dem Einsatz in dem besetzten Hochhaus wird Rama (Iko Uwais) von einer geheimen Spezialeinheit rekrutiert um die Organisation des aalglatten Unterweltbosses Bangun (Tio Pakusodewo) zu infiltrieren. Völlig abgeschnitten von Freunden, Familie und Kollegen versucht er daraufhin Beweise gegen Bangun zu sammeln und gerät immer tiefer in einen Strudel aus blutigst ausgetragenen Macht- und Revierkämpfen ...

Trotz dieser ungleich anspruchsvolleren und ausgefeilteren Handlung ist aber auch ‚ÄěThe Raid 2" zuvorderst ein bahnbrechendes Action-Spekatkel. In superb choreographierten, oft minutenlangen Faustk√§mpfen setzt Evans erneut Ma√üst√§be, sowohl die Dramaturgie innerhalb der K√§mpfe, wie auch deren Intensit√§t und H√§rtegrad betreffend. Die teilweise √ľberaus drastischen und expliziten Gewaltdarstellungen verkommen dabei aber nie zum Selbstzweck und haben auch keinen sadistischen Unterton.
Die optisch v√∂llig unterschiedlichen Locations sorgen zudem daf√ľr, dass keine Redundanz eintritt und der erneut sehr hohe Actionanteil nie Langeweile verursacht. Das verhindern insbesondere auch mit ungew√∂hnlichen Waffen operierende Auftragskiller (u.a. Hammer, Baseball und Krummmesser), die Rama im gro√üen Finale im Verbund bek√§mpfen.

Schlie√ülich f√ľgt sich auch die Kameraarbeit in die momentan konkurrenzlos dastehende Actionexpertise Evans. Anders wie in der von der "Bourne"-Trilogie losgetretenen Wackelkamera-Unart ist sie hier fixer Bestandteil der Choreographie und erreicht damit genau die Unmittelbarkeit und das ‚ÄěMitten-drin-Gef√ľhl" an denen die US-Vertreter in nervt√∂tender Penetranz und Ignoranz regelm√§√üig scheitern.

Sollte das US-Kino seine Herrschaft √ľber das Actiongenre zumindest auf dem heimischen und europ√§ischen Markt weitestgehend konservieren wollen, dann ist ein Lernen vom noch nur aufm√ľpfigen Gegner Pflicht. Sattheit, Bequemlichkeit und Ignoranz sind schon vielen Herrschern zum Verh√§ngnis geworden. Die Kampfansage des Walisers Gareth Evans ist jedenfalls klar und deutlich. Einen Zaubertrank brauchte er daf√ľr nicht.


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