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Raid 2, The (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 29.07.2014, seitdem 1574 Mal gelesen



Wir befinden uns im Jahre 2014 n.Chr. Das ganze Actiongenre ist von den US-Amerikanern beherrscht ... Das ganze Actiongenre? Nein! Ein von einem unbeugsamen Waliser angefĂŒhrter Trupp indonesischer Action-Aficionados hört nicht auf, dem Okkupator Widerstand zu leisten ...

Man möchte fast meinen Gareth Evans verfĂŒgte ĂŒber einen Zaubertrank, so unerwartet, radikal und brachial mischte er 2011 mit eigentlich hoffnungslos unterlegenen (finanziellen) Mitteln den so unangefochten wie uninspiriert vor sich hin trampelnden Actionfilm Hollywoodscher PrĂ€gung auf.
Sein vergleichsweise spottbilliger (Budget 1 Mio $) Martial-Arts-Kracher „The Raid" setzte ganz neue MaßstĂ€be in punkto Kampfchoreographie, HĂ€rtegrad und IntensitĂ€t und förderte das Plumpe, SchwerfĂ€llige und Biedere amerikanischer Hochglanz-Krawalle der Marken „Bay" oder „Die hard" schonungslos zu Tage. Auch Stallones reaktivierte Testosteron-Rentner machten im Vergleich ihrem Kampfnamen alle Ehre und wirkten mehr als entbehrlich.

Wenn man „The Raid" ĂŒberhaupt eine Vorwurf machen konnte, dann war es der einer minimalistischen Story. Die ErstĂŒrmung eines von Gangstern besetzten Hochhauses durch eine Spezialeinheit der Polizei in Jakarta lies wenig Raum fĂŒr mehrdimensionale Figuren oder gar einen vielschichtigen Plot. Bei einer knackigen LauflĂ€nge von knapp 90 Minuten und einem Actionanteil von gefĂŒhlt 90 Prozent konnte man das allerdings recht locker verschmerzen. Evans hatte zwar auch da bereits höhere Ambitionen, aber keine Geldgeber zur Umsetzung. Das Problem hat er nach dem fulminanten Erfolg nun nicht mehr und das merkt man „The Raid 2" auch deutlich an.

Nicht nur die Dauer von 2,5 Stunden, auch die zahlreichen SchauplĂ€tze und deutlich exquisitere Ausstattung lassen Evans epische Vorstellungen diesmal endlich Wirklichkeit werden. Vor allem aber ist es die komplexe, vielschichtige Handlungsstruktur um Verrat, Rache und Korruption, die den Begriff „Gangster-Epos" vollauf rechtfertigt. Ganz in der Tradition der „Pate-Trilogie" oder ihrem asiatischen Pendant „Infernal Affairs" taucht „The Raid 2" tief in die mafiösen Machenschaften und Strukturen konkurrierender Gangstersyndikate ein. Strukturen in die zudem Hochfinanz, Politik und Polizeiapparat verwickelt sind und die damit undurchdringbar und v.a. undurchschlagbar scheinen.

Einer soll es dennoch versuchen. Kurz nach dem Einsatz in dem besetzten Hochhaus wird Rama (Iko Uwais) von einer geheimen Spezialeinheit rekrutiert um die Organisation des aalglatten Unterweltbosses Bangun (Tio Pakusodewo) zu infiltrieren. Völlig abgeschnitten von Freunden, Familie und Kollegen versucht er daraufhin Beweise gegen Bangun zu sammeln und gerÀt immer tiefer in einen Strudel aus blutigst ausgetragenen Macht- und RevierkÀmpfen ...

Trotz dieser ungleich anspruchsvolleren und ausgefeilteren Handlung ist aber auch „The Raid 2" zuvorderst ein bahnbrechendes Action-Spekatkel. In superb choreographierten, oft minutenlangen FaustkĂ€mpfen setzt Evans erneut MaßstĂ€be, sowohl die Dramaturgie innerhalb der KĂ€mpfe, wie auch deren IntensitĂ€t und HĂ€rtegrad betreffend. Die teilweise ĂŒberaus drastischen und expliziten Gewaltdarstellungen verkommen dabei aber nie zum Selbstzweck und haben auch keinen sadistischen Unterton.
Die optisch völlig unterschiedlichen Locations sorgen zudem dafĂŒr, dass keine Redundanz eintritt und der erneut sehr hohe Actionanteil nie Langeweile verursacht. Das verhindern insbesondere auch mit ungewöhnlichen Waffen operierende Auftragskiller (u.a. Hammer, Baseball und Krummmesser), die Rama im großen Finale im Verbund bekĂ€mpfen.

Schließlich fĂŒgt sich auch die Kameraarbeit in die momentan konkurrenzlos dastehende Actionexpertise Evans. Anders wie in der von der "Bourne"-Trilogie losgetretenen Wackelkamera-Unart ist sie hier fixer Bestandteil der Choreographie und erreicht damit genau die Unmittelbarkeit und das „Mitten-drin-GefĂŒhl" an denen die US-Vertreter in nervtötender Penetranz und Ignoranz regelmĂ€ĂŸig scheitern.

Sollte das US-Kino seine Herrschaft ĂŒber das Actiongenre zumindest auf dem heimischen und europĂ€ischen Markt weitestgehend konservieren wollen, dann ist ein Lernen vom noch nur aufmĂŒpfigen Gegner Pflicht. Sattheit, Bequemlichkeit und Ignoranz sind schon vielen Herrschern zum VerhĂ€ngnis geworden. Die Kampfansage des Walisers Gareth Evans ist jedenfalls klar und deutlich. Einen Zaubertrank brauchte er dafĂŒr nicht.


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