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Seed 2 (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 02.02.2014, seitdem 1405 Mal gelesen



Seed 2

Uwe Boll lieferte 2007 mit "Seed" einen Film ab, der zwar alles andere als perfekt war, aber für Viele sein bis dato bester Film war. In meinen Augen lag das am beeindruckenden Killer Max Seed, einiger verdammt harter Effekte von Olaf Ittenbach, sowie der konstant tristen und deprimierenden Stimmung. Diverse Plotholes und hölzerne Dialoge, waren dem Film an manchem Stellen jedoch leider massiv im Weg, sodass nicht jeder mit "Seed" etwas anfangen konnte. Ich allerdings schon und ich habe mich gleichzeitig jahrelang gefragt, ob sich Boll mal zu einer Fortsetzung breitschlagen lässt ... ja, ließ er. Allerdings gab er den Regieposten an den deutschen Indiefilmer Marcel Walz ab, der sich mit Ryan Nicholson - ein recht bekanntes Gesicht in der Splatterwelt - gleich mal einen fähigen Effektkünstler ins Boot holte. Auch Namen wie Christa Campbell oder Caroline Williams, sowie der Dreh in den USA ließen mich auf eine sehr gute Fortsetzung hoffen... doch was man mit "Seed 2" schlussendlich geliefert bekommt, das bereden wir jetzt:

1. Februar 2014, Weltpremiere von "Seed 2" auf dem Splatterday-Nightfever in Saarbrücken. Der Kinosaal ist gut gefüllt und wenige Reihen vor mir sitzen Marcel Walz, Annika Strauss, Ryan Nicholson samt Ehefrau, sowie Micaela Schäfer - heute sogar bekleidet. Der Film geht los und in einer abartigen Lautstärke flimmern die ersten Sekunden des Filmes über die Leinwand: Max Seed, diesesmal gespielt von Chromeskull Nick Principe, da sein Vorgänger Will Sanderson sich schon vor Jahren aus der Schauspielerei zurückzog, hält einer wimmernden Frau eine Pistole zwischen die Beine. Quälend lange schwenkt die Kamera zwischen den beiden Gesichtern hin und her, während die Namen der am Film Beteiligten eingeblendet werden. Wow - ganz ehrlich: das war ein wahnsinnig intensiver Einstieg. 
Unterbrochen wird dieser allerdings recht schnell, in dem ein "one day earlier" eingeblendet  und in ein Hotelzimmer gewechselt wird. Nach wenigen Minuten kommt auch wieder ein "one day later" dazwischen und wir sehen die selben Personen, wie sie attackiert werden. Allerdings zeitlich noch vor der allerersten Introszene. Und schon kommt das nächste "4 hours earlier" ins Bild und es wird wieder eine andere Szenen gezeigt. 
Ich habe nichts gegen eine nicht lineare Erzählweise, alleine wenn ich an "Irreversibel" oder "Memento" denke. Allerdings rangieren diese Filme storytechnisch auch mehrere Kategorien über "Seed 2". Und wenn man eine solche Erzählweise nur deswegen wählt, weil man sich als Regisseur bewusst darüber ist, dass die dünne Story des Filmes selbst für einen chronologischen Storyverlauf zu wenig ist (das hat Marcel Walz im Interview anschließend selbst gesagt), dann hätte man im Vorfeld vielleicht das Drehbuch überarbeiten sollen.
Ich verstehe, dass hier versucht wurde, Charakterzeichnung und Storyaufbau mit Action und Gore zu vermischen, aber es geschieht viel zu holprig. Und abgesehen davon, dass die Charaktere hier eh nichtig sind, kann der Film dadurch kein Finale aufbauen. Wie denn auch, wenn man schon nach den ersten beiden (wenngleich auch spannenden) Minuten weiß, wohin sich der Film nach einer Stunde entwickelt und wer bis dahin noch leben wird? 

Auffallend ist zusätzlich auch, dass extrem viele Szenen aus anderen Horrorfilmen abgeschaut wurden. Dass ein Wüstensetting nicht sofort bedeuten muss, man wollte "The Hills Have Eyes" kopieren dürfte klar sein, allerdings sind die Momente, in denen Max Seed in den Wohnwagen eindringt und die Mädels dezimiert, nicht nur als kleines Zitat zu sehen. Denn spätestens, wenn sich eines der Mädchen Kopfhörer in die Ohren drückt und nicht mitbekommt, wie die andere gerade herumbrüllt, ist "Seed 2" viel zu dicht an Alexandre Ajas Remake dran. Und zu erwähnen, welcher Film das Terrorpedal effektiver durchdrückt, dürfte unnötig sein, oder?

Den größten Minuspunkt meinerseits gibt es aber für den religiösen Aspekt, sowie die zusätzlichen "bösen" Charaktere. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, um Spoiler zu vermeiden, allerdings will der ganze Gotteskram in meinen Augen nicht zu Uwe Bolls ersten Teil von "Seed" passen. Walz meinte im anschließenden F.A.Q.,  dass möglicherweise "Seed 3" mehr Erklärungen liefern wird, aber den Film gibt es eben noch nicht.
 
Was man allerdings positiv hervorheben muss, sind die Effekte von Ryan und Megan Nicholson. Es gibt hier einige herbe Gewaltspitzen zu sehen, obgleich ich mir persönlich mehr erwartet hätte. Denn wenn selbst Ryan Nicholson, als Regisseur von over-the-top Filmen wie "Gutterballs" oder "Live Feed", im Vorfeld über die extreme Brutalität von "Seed 2" redet, dann erwartet man sich halt doch noch eine ganze Schippe mehr. Ein leichtes SPIO/JK Zeichen sollte im Übrigen drin sein.

Genauso wie die Publikumsreaktionen waren, so ist auch mein Gesamteindruck: "Seed 2" ist enttäuschend. An vielen Stellen setzt sich die unfrewillige Komik durch, genauso wie der sprunghafte, nicht lineare Filmschnitt einfach nicht gut ist. Zwar wurde von Marcel Walz am Ende eingeräumt, die Texttafeln mit den Zeiteinblendungen nachträglich noch zu editieren, allerdings wird das nichts daran ändern, dass diese Art der Inszenierung dem Film in Richtung des Finales viel zu viel Luft aus den Segeln nimmt. Denn die harten bzw. actionreichen Szenen sind somit einfach zu sehr über die ganze Laufzeit verstreut, um mit zunehmender Laufzeit die Intensität kontinuierlich zu steigern. Massenhafte Logiklöcher, so wie die Tatsache, dass niemand, nachdem man ihm Nägel durch die Füße gekloppt hat, nur leicht humpelnd durch die Steinwüste rennt, plus haufenweise Szenen, die aus anderen Filmen entwendet zu sein scheinen, trüben den Eindruck umso mehr. Als Trashfilm - und als Fan des ersten Teiles tut es mir Leid das zu schreiben - ist der Film annehmbar. Zum einen aufgrund der Splatterszenen und zum anderen aufgrund des kurzweiligen Gesamteindrucks. Aber all das täuscht nicht über eine furchtbar flache Story, sowie die unsaubere Inszenierung hinweg. Betretenes Gebrabbel, zwei Buh-Rufe aus der letzten Reihe, sowie vereinzeltes Gelächter nach dem Abspann im vollen Kinosaal, sind in diesem Fall ein deutliches Zeichen.
Mit gutem Willen (da mich Walz mit vielen seiner Filme begeistern konnte und Nicholson immernoch einer meiner favorisierten Horroregisseure ist):

5/10


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