Ansicht eines Reviews

Seed 2 (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 14.05.2014, seitdem 1230 Mal gelesen



2007 wagte sich Deutschlands Antwort auf Ed Wood - Uwe Boll - nach unzähligen Computerspiele-Verfilmungen und Flops an ein Genre, das so neu und unberührt nun auch nicht mehr war, und versuchte mit Max Seed einen neuen Typ von Serienkiller zu etablieren. SEED - so auch der Titel des Films - ist ein Killer, der für seine Untaten auf dem elektrischen Stuhl landete und sich die urbane Legende des amerikanischen Justizsystems zu seinem Vorteil machte. Die besagt, dass man den Delinquenten nach dem dritten gescheiterten Hinrichtungsversuch frei lassen müsse. Das ruft den Gefängnisdirektor auf den Plan, SEED lebendig begraben zu lassen. Eine Entscheidung zum Wohle der Menschheit versteht sich, die Ralph Möller (der den Gefängnisdirektor mit einem Höchstmaß an Untalent darstellte) bald bitter bereuen sollte. Und wer glaubt, einen Kleiderschrank wie den Möller könne nichts umhauen...tja, der hat den hünenhaften SEED noch nicht erlebt, der nun mordend durch die Gegend zieht. Orientiert an den gesichtslosen Kultkillern der Filmgeschichte, trägt der bullige Seed einen Jutesack über dem Kopf, den man ihn kurz vor der Hinrichtung übergezogen hatte, um nicht mit ansehen zu müssen, wie ihm aufgrund der Stromstöße die Augäpfel aus dem Schädel platzen. Und so hinterläßt SEED im gleichnamigen Film eine blutige Schneise und gähnende Langeweile.
Sieben Jahre später sollte dann die standardgemäße Fortsetzung folgen - und warum Uwe Boll diese nur noch präsentiert und wie es dazu kam, dass Walz die Fortsetzung inszenieren sollte - tja, das ist einer der Fragen, die mir der junge Regisseur bis heute schuldig ist.
Marcel Walz hat sich im deutschen Independent- und Low Budget-Bereich bereits einen Namen gemacht. Zu seiner Filmographie zählen unterschiedliche und vielseitige Werke wie TORTURA (zusammen mit Michael Effenberger), KLISCHEE, LA PETITE MORT (auch hierzu folgt in Kürze eine Fortsetzung) oder RAW und RAW 2, die sich beide am Found Footage-Stil orientieren und in Kürze veröffentlicht werden.

Walz packt die Story zur Fortsetzung um SEED schon einmal ganz anders an, als damals der gute Uwe Boll. Während Boll sich am klassichen Stil des Serienkiller-Thrillers orientierte und die obligatorische Gut-gegen-Böse-Handlung inszenierte als würde er nach einer Merkliste vorgehen und die nach und nach abarbeiten, schlägt SEED 2 von Beginn an ganz andere Pfade ein und auf den ersten Blick wirkt es so, als würde THE NEW BREED (so der Untertitel) die Zeit zwischen Teil 1 und 2 vollkommen außer Acht lassen.
Walz selbst bezeichnet SEED 2 als Horror & Torture-Roadmovie, und genau das ist der Eindruck, den bereits die erste Szene des Films suggeriert. Was in Teil 1 noch die Hammer-Szene war, ist in der Fortsetzung die komplette Eingangssequenz, in der SEED eines seiner Opfer mit dem Lauf eines Revolvers vaginal penetriert. Das ganze ist mit einem hämmernden Soundtrack und den entsetzlichen Schreien des Opfers untermalt, dass diese Szene zu den heftigsten und brutalsten Szenen des Films angesehen werden darf. Ein hochgestecktes Limit, das im weiteren Verlauf des Films kein zweites Mal erreicht wird - was aber nicht als negativ anzusehen ist.
Im Gegenteil: auf dem ersten Blick mag die Handlung konfus erscheinen und der Film aus mehreren bruchstückhaften Szenen bestehen, die willkürlich aneinander geschnitten wurden. In der einen Szene sitzen die vier Girls auf ihrem Roadtrip noch in ihrem Wohnmobil, während in der nächsten Szene plötzlich "Gaststar" MICAELA SCHÄFER nackt durch die Wüste Nevadas irrt und SEED in die Hände läuft, der sie - unspektakulär - um die Ecke bringt.
Doch schnell wird klar, dass Walz Inszenierung sich den Anspruch gönnt, die Story intelligenter und weniger gewöhnlich zu erzählen, als man es von anderen Genre-Beiträgen kennt. SEED 2 spielt auf verschiedenen Zeitebenen und liefert dem Zuschauer nach und nach ein weiteres Mosaikstückchen, aus dem sich irgendwann ein komplettes Konstrukt ergibt, aus dem dann widerum als Ausgangsbasis die Einstiegsszene hervorgeht und SEED 2 von da an einem Finale mit überraschenden Twists
entgegen geht.
Marcel Walz konnte für sein horribles Roadmovie Ryan Nicholson für die Effekte gewinnen - doch ein Splatterspektakel wie GUTTERBALLS darf man hier nicht erwarten. Die Effekte sind handgemacht und blutig - dennoch halten sich Walz und Nicholson zurück. Hier wäre etwas mehr eindeutig besser gewesen - schon um die starke und sehr derbe Eingangssequenz zu rechtfertigen. Immerhin sind die Splattereffekte und Kills angenehm über die gesamte Laufzeit des Films verteilt und der Soundtrack und das Sounddesign sind über jeden Zweifel erhaben. Der sehr dynamische, kraftvolle Score zerrt an den Nerven und unterstreicht das Terror-Feeling optimal.
Auf der Seite der Darsteller hat sich Walz neue und alte Gesichter mit an Bord seiner Produktion geholt, die ihre Sache wirklich gut machen. Vor allem die Niederländerin Manoush (die bereits bei LA PETITE MORT als Madame Fabienne dabei war), die hier einen zwielichtigen Deputy spielt, verleiht dem Film einen Hauch von THE DEVIL´S REJECTS -Feeling.
Wie sich jedoch die umtriebige MICAELA SCHÄFER an das Set verirren konnte, ist eines der vielen ungelösten Mysterien, zu denen mir Marcel Walz noch eine Antwort schuldig ist. Leider ist ihr Auftritt nicht so selbstironisch, wie er hätte sein können - denn im Grunde tut sie nichts anderes, als sonst auch: sie hält ihre Plastikbrüste in die Kamera, wobei man ihr zu Gute halten muss, dass sie als DJane nicht auch noch für den Soundtrack verantwortlich war. So bleibt es bei einem unauffälligen, auf wenige Sekunden reduzierten Kurzauftritt, an dem einzig und allein lustig ist, dass ihr Kapital (die Brüste) arg in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Davon ab geht SEED 2 konsequent seinen todernsten Weg und das ist auch gut so. Der Inszenierungsstil und die anfänglich konfuse Handlungsabfolge mag auf dem ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheinen, dennoch ist die Fortsetzung schnörkellos in Szene gesetzt.
Walz hat alles besser gemacht als Boll - bleibt also unter dem Strich (in Anbetracht der Produktion) ein überdurchschnittlich guter Streifen und für mich Walz bislang bestes und ausgereiftetes Werk!

TITTEN, TRASH & TERROR gratuliert zu 6,5/10


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Trashstore75" lesen? Oder ein anderes Review zu "Seed 2 (2014)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Trashstore75

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

908 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Caddyshack - Wahnsinn ohne Handicap (1980)
Coco - Lebendiger als das Leben! (2017)
Eiskönigin - Olaf taut auf, Die [Kurzfilm] (2017)
31 (2016)
Wein und der Wind, Der (2017)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich