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Tokarev - Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 10.08.2016, seitdem 260 Mal gelesen



Im Rahmen von Nicolas Cages jüngstem Schaffen sind drei Filme zwar inhaltlich komplett unabhängig, bilden aber thematisch eine Art Minitrilogie zum Thema Rache, gerne auch mit „Taken“-Inspirationen: „Seeking Justice“, „Stolen“ und „Tokarev“.
„Tokarev“, mancherorts generisch-nichtssagend als „Rage“ veröffentlicht, dreht sich wie „Seeking Justice“ um eine bürgerliche Figur, wie „Stolen“ um einen Ex-Kriminellen. Paul Maguire (Nicolas Cage) ist inzwischen respektierter Geschäftsmann und dicke mit dem Bürgermeister, früher war er aber Teil der Mafia und hat immer noch gute Freunde aus jenen Tagen, Kane (Max Ryan) und Danny Doherty (Michael McGrady). Ansonsten genießt er das Leben mit Gattin Vanessa (Rachel Nichols) und Tochter Caitlin (Aubrey Peeples), auch wenn genretechnisch natürlich klar ist, dass die Idylle nicht lange anhalten kann.
Eines Abends sind Paul und Vanessa aus, während Caitlin Freunde zu Besucht hat. Von Detective Peter St. John (Danny Glover) erfahren die Maguires während des Abends, dass drei Maskierte ihr Haus überfallen, Caitlins zwei Freunde verwundet und ihre Tochter entführt haben. Zusammen mit Kane und Danny sucht Paul nach ihr, ahnt er doch bereits Böses, wie eine mehrfach angeteaserte Rückblende zeigt, die andeutet, dass ein Mord an Leuten der Russenmafia Paul den Ausstieg aus dem kriminellen bzw. den Aufstieg ins bürgerliche Milieu ermöglichte.

Als Paul nur noch die Leiche seiner Tochter findet und vom Gerichtsmediziner erfährt, dass diese mit einer russischen Tokarev erschossen wurde, ist für Paul der Fall klar. Er fragt Caitlins Freunde nach Dingen aus, an die sich noch bezüglich des Tathergangs erinnern, und sucht auf dieser Basis in der Unterwelt nach den Tätern…
Man merkt hier, vor allem auf der Schlussgeraden, dass der spanische Regisseur Paco Cabezas mehr als nur einen handelsüblichen Rachefilm inszenieren wollte. Zwischendrin gibt der Film sich als Meditation über Schuld und Sühne, der finale Twist bricht mit Konventionen des Genres. Besagter Twist hinterlässt zwar Eindruck, lässt aber manche vorige Szene sinnlos erscheinen – mal abgesehen davon, dass es bei derartigen Filmen ja nie so ist, wie es den Indizien nach scheint, wenn mal als Zuschauer nicht alle Hintergründe schon von Anfang präsentiert bekommt. So wird die Überraschung dann leider auf Kosten des Restes des Films durchgeboxt, der allerdings auch so manche nervige Logiklücke offenbart, gerade was das Verhalten einiger Figuren angeht.
Problematisch bei diesen hehren Ansprüchen ist dann die Tatsache, dass „Tokarev“ dann wiederum über weite Strecken als stumpfer B-Actioner inszeniert ist, bei der immerhin die Figur des Ex-Mafioso Paul, der mit seiner Vorliebe für Messer gegen die potentiellen Mörder seiner Tochter vorgeht, ihren Reiz hat. Leider wirkt die Handlung um diese Figur zusammenhanglos aneinandergeklebt, die Attacken auf verschiedene Arme der Russenmafia wirken einfach nur zusammengestoppelt, ein Flow ist nie erkennbar. So wie auch ausgerechnet die am prominentesten besetzten Nebenfiguren kaum Bewandtnis für die Handlung haben.

Dabei ist diese Besetzung echt nicht ohne: Peter Stormare gibt zwar zum gefühlt hundertsten Male den schmierigen Gangsterboss, das aber mal wieder mit Schmackes, während Pasha D. Lychnikoff als sein russisches Pendant da ganz mitkommt. Ebenfalls stark sind Max Ryan und Michael McGrady, ersterer als tougher, zweiter als etwas abgewrackter Kumpan des Protagonisten, den Nicholas Cage mit Verve gibt und in ihrer Rachewut als alles andere als einen Sympathieträger anlegt. Danny Glover ist solide, aber wohl in erster Linie für den Scheck dabei, Rachel Nichols müht sich dagegen das Beste aus der eher undankbaren Rolle der Frau am Rand zu machen.
Die Actionszenen sind dabei ausgesprochen durchwachsen inszeniert. Zu den einprägsamen Momenten des Films gehören ein paar Messerkämpfe, in denen Paul seine Vorliebe für diese Art von Waffe auslebt und wenig zimperlich mit seinen Gegner umspringt. Ebenfalls recht cool ist eine Einlage, in welcher der Protagonist liegend mit gleich zwei Wummen bewaffnet seine Gegner abpasst, der Rest der Action dagegen präsentiert sich relativ mau. Noch dazu fehlt es dem Film an einem zünftigen Showdown, was zwar nachvollziehbar dem Konzept geschuldet ist, dramaturgisch aber nicht die eleganteste Lösung, da das Ende dann doch – Überraschungseffekt hin oder her – als ziemliche Antiklimax erscheint.

Immerhin: Die Auflösung von „Tokarev“ ist eine andere als zwischendrin erwartet, Cage spielt seine Figur mit der ihm innewohnenden Getriebenheit und ist als nicht so sympathischer Protagonist durchaus gewinnbringend eingesetzt. Schreiberisch und inszenatorisch kann der im Tonfall schwankende Film da leider nicht mithalten. Bei all seinen dramaturgischen Schwächen also ein durchaus ambitionierter Rachethriller, aber gar nicht mal so gut.


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