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American Heist - Der Coup des Lebens (2014)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 30.07.2015, seitdem 404 Mal gelesen



In Gestalt des dramatischen Action-Crime-Thrillers „American Heist“ lieferte der Armenier Sarik Andreasyan 2014 sein Englisch-sprachiges Regiedebüt ab, welches letztendlich genauso generisch wie sein Titel daherkommt, vor Klischees nur so strotzt sowie lose auf dem 1959er Streifen „the Great St. Louis Bank Robbery“ von Charles Guggenheim und John Stix (mit Steve McQueen in der Hauptrolle) basiert – einem darüber hinaus allerdings auch unweigerlich diverse weitere Vertreter des betreffenden Genres ins Gedächtnis ruft. Dieses Mal in New Orleans angesiedelt, geht es im Vorliegenden um die Brüder James (Hayden Christensen) und Frankie (Adrien Brody), welche vor zehn Jahren gemeinsam einen Raub begingen, der ab einem bestimmten Punkt jedoch „aus dem Ruder geriet“ – was infolge dessen zu einem Erschossenen sowie der Verhaftung beider geführt hatte, wonach ein Gericht James eine mehrmonatige Gefängnisstrafe auferlegte sowie Frankie für sein Abgeben des fatalen Schusses entsprechend härter verurteilte bzw. zur Rechenschaft zog. Eine Dekade später wird jener schließlich auf Bewährung entlassen...

Inzwischen hat sich James eine solide Existenz als Mechaniker aufgebaut und träumt davon, eine eigene Werkstatt zu besitzen. Zudem tritt just dann seine Ex-Freundin Emily (Jordanna Brewster) erneut in sein Leben, die ihrerseits in der örtlichen Polizei-Leitzentrale tätig ist. Da passt es ihm herzlich wenig, dass Frankie plötzlich wieder bei ihm auftaucht – aber Blut ist bekanntermaßen ja „dicker als Wasser“, und so hört er sich (nach einer Rauferei und einem Bar-Besuch) die ambitionierten Pläne an, welche jener hinter Gittern geschmiedet hat: Zusammen mit seinen Kumpanen Sugar (Akon) und Ray (Tory Kittles), die im Knast für seinen Schutz sorgten, will er nun ins Immobiliengeschäft einsteigen. Prompt lässt sich James dazu überreden, das Trio zu einem Meeting mit einem „Investor“ zu begleiten – was jedoch stracks in der Tötung jenes Herrn mündet. Mit einem Mal ein „Mord-Komplize“, eröffnet man ihm, dass sie ihn bei einem anstehenden Banküberfall dabeihaben wollen: Ein „Nein“ kommt für sie nicht in Frage – und schnell wird klar, dass jede Reaktion abseits einer Einwilligung ihn, Frankie und sogar Emily in höchste Gefahr bringen würde...

„American Heist“ ist ärgerlich vorhersehbar: Einfach alles kommt einem unschön vertraut vor – von der erzählten Geschichte über die sie bevölkernden Figuren bis hin zur inszenatorischen Umsetzung der ganzen Angelegenheit. Dem Drehbuch aus der Feder von Raul Inglis, welcher sich kurz zuvor schon einmal an einer „Neuversion“ eines bereits vorhandenen Filmstoffes versucht hatte – nämlich als Verfasser der Vorlage von Uwe Boll´s „Suddenly“ (2013), einem Remake der gleichnamigen 1954er Veröffentlichung mit Frank Sinatra und Sterling Hayden – mangelt es schlichtweg an originellen Einfällen (oder zumindest an reizvollen Variationen), um den an einem gewissen Grad an Qualität interessierten Zuschauer in einem vernünftigen Maße zufrieden zu stellen. Im Zentrum der Handlung steht die angespannte Beziehung zwischen den einst mit der Attitüde „wir gegen den Rest der Welt“ aufgewachsenen Brüdern – ihre Zwangslagen, Entscheidungen, Konflikte und familiäre Verbundenheit: Ein emotional aufgeladenes, sich unverkennbar in eine schicksalhaft-destruktive Richtung bewegendes Verhältnis der stereotyp-klassischen Art...

Seit jeher war Frankie eine impulsive, zu uncleveren Taten neigende Person. Die Zeit im Gefängnis hat ihn keineswegs „auf den rechten Pfad gerückt“ – wohl aber weiter geprägt: Unter keinen Umständen will er jemals dorthin zurück, wo man ihn (wie er an einer Stelle aufgewühlt berichtet) u.a. mit einer Tube Zahnpasta „missbraucht“ hat – und dennoch treibt er das anvisierte kriminelle Vorhaben mit Nachdruck voran, sobald er sich wieder „auf freiem Fuß“ befindet. Zum einen resultiert das aus der verlockenden Aussicht auf „schnelles Geld“ – zum anderen daraus, dass er „Schutzleistungen“ einiger Mitinsassen in Anspruch genommen und sich ihnen im Gegenzug dafür konkret „verpflichtet“ hat. Dabei ist er allerdings so weit gegangen, ihnen die Mitwirkung von James fest zuzusagen und ihnen selbst dessen Gefühle für Emily preiszugeben, um jene ggf. als „Druckmittel“ einsetzen zu können. Ihn in die Sache mit hineingezogen zu haben, belastet ihn zwar – speziell nach allem, was damals vorgefallen ist – doch versucht er diese Empfindung mit der optimistischen Hoffnung auf ein Gelingen des ins Auge gefassten Coups zu übertünchen...

Überraschenderweise liefert „Oscar“-Preisträger Adrien Brody („the Pianist“) hier eine richtig engagierte Performance ab: Er portraitiert den tätowierten, überaus „unsubtil“ auftretenden, seitens des Widerfahrenen und so einiger Rauschmittel beeinflussten Goldketten-Träger voller Hingabe – was ich bei einem Projekt wie diesem beileibe nicht von ihm erwartet hätte. Als deutlich ruhigerer und in sich gekehrterer James, der auf einmal vor einem massiven Dilemma sowie dem sprichwörtlichen „Scherbenhaufen“ seines im Vorfeld mühsam neu aufgebauten Daseins steht, lässt der sonst ja meist eher ausdrucksarme Hayden Christensen („Outcast“) indes gelegentlich (man glaubt es kaum) einen Funken Charisma durchblitzen: Unabhängig seiner letztlich „annehmbaren“ Darbietung nimmt man ihm aber trotzdem nicht wirklich ab, dass James (dem Film bzw. Skript nach) ein meisterhafter Auto-Knacker und Getaway-Driver ist, der obendrein mal als Soldat im Irak stationiert war und dort zu einem Profi im Umgang mit Explosivstoffen ausgebildet wurde. So berechenbar konstruiert diese Konstellation auch sein mag – immerhin harmonieren Christensen und Brody ersprießlich miteinander...

Die gutherzige Emily offeriert James die Chance auf eine gemeinsame Zukunft – ein weiteres Element seiner Zwangslage. Ihre Romanze ist ein in groben, altbekannten Zügen konzipiertes „Mittel zum Zweck“ – inklusive einer leicht unfreiwillig komischen Verführungsszene, in der sie den an ihrem Wagen arbeitenden James dadurch verlockt, dass sie kurzerhand in seiner Nähe (ein dünnes weißes Kleidchen tragend) aus der Garage hinaus in den strömenden Regen schreitet. Jordana Brewster („Annapolis“) ist gewohnt hübsch und charmant – erhält in der Rolle im Grunde aber genauso wenig zutun wie bei ihren Auftritten in der „Fast&Furious“-Franchise. Als weitestgehend bedacht zu Werke gehender Gangster Ray agiert Tory Kittles („Fear Clinic“) glanzlos, insgesamt jedoch passabel – während sein Partner Sugar von dem Musiker Aliaune „Akon“ Thiam („Black November“) verkörpert wird, der für den „Gig“ nicht allzu viel Text lernen musste und auch mit mindestens zwei Songs auf dem Soundtrack vertreten ist. Erwähnenswert ist zudem, dass Christensen seine Lebensgefährtin Rachel Bilson („Jumper“) zu einem kleinen „Cameo-Gastspiel“ überreden konnte…

Ein betontes Motiv hinter dem angestrebten Überfall ist nicht etwa „der schnöde Mammon“ – nee, nee – sondern „das Ausüben eines Schlags gegen das korrupte, ungerecht waltende, eine immense Gefahr für die Freiheit des amerikanischen Traums markierende Bankensystem“. In diesem Kontext wird gar mal wieder Präsident Thomas Jefferson zitiert – siehe u.a. Andrew Dominik´s „Killing them softly“ – worüber hinaus James zuvor ein Kredit verwehrt worden war, mit dem er eigentlich seinen eigenen Betrieb finanzieren wollte: Eine arg oberflächlich mit eingewobene sozio-politische Komponente, die kaum ernst zu nehmen ist sowie ihr potentielles Ziel verfehlt, diese Leute eventuell mit gewissen Sympathien in jener Hinsicht anzureichern. Angesiedelt in New Orleans, wurde leider jedoch vorwiegend in eher unaufregenden Gegenden jener an sich fern von reizlosen Metropole gedreht – was schade ist und den Streifen im Bereich der „Atmosphäre“ hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben lässt. Worauf das Publikum allerdings nicht verzichten muss, ist die inzwischen ja geradezu „obligatorische“ Bezugnahme auf Hurrikane Katrina und seine unschönen Folgen…

Im finalen Drittel mündet der Verlauf in eine Aneinanderreihung diverser Action-orientierter Momente: Nach Ablenkungsmanövern an mehreren Orten der Stadt – in erster Linie zerstörte Pkws – stürmen die schwer bewaffneten Männer die auserwählte Bank, bringen die Anwesenden in ihre Gewalt, dringen in den Tresor ein, sichern ihre Beute und bereiten sich aufs Abrücken vor. Plötzlich jedoch wandelt sich die Lage: Polizeikräfte umstellen das Gebäude – was zu Geiselnahmen, etlichen Schusswechseln sowie einzelnen Fluchtversuchen führt. In diesem Zusammenhang regt das inkompetente Vorgehen der Cops zum Kopfschütteln an, werden beim Zuschauer sehnsüchtige Erinnerungen an Michael Mann´s „Heat“ erweckt und entfaltet sich eine höchst überflüssige (aufgesetzt wirkende, nur mäßig Computer-animierte) Sequenz, im Rahmen derer einer der Täter flugs mal einen Helikopter „vom Himmel holt“. Apropos unpassend anmutend: Ein paar Minuten später platzt ein anderer Flüchtender bei einer Hochzeitsgesellschaft rein und wird „zufällig“ direkt vor der Braut erschossen – wodurch ihr weißes Kleid förmlich mit seinem Blut „besprüht“ wird…

Ohne je ein substanzielles Maß an Spannung aufzubauen, endet das Ganze schließlich in einem nicht unbedingt überzeugenden Ausklang, in dessen Zentrum eine Verzahnung von James´ Schicksal mit Emily´s Profession als „Police Dispatcher“ steht. Alles in allem hat Regisseur Andreasyan die von seinem Cinematographer Antonio Calvache („the Courier“) zweckdienlich bebilderten Geschehnisse solide arrangiert – allerdings frei wahrhaft inspirierter Einfälle, mit denen man die maue Vorlage vielleicht noch irgendwie ein Stück weit hätte „kaschieren“ können. Und nein, damit meine ich nicht so etwas wie die punktuelle Verwendung spezieller direkt am Körper befestigter, starr auf die Gesichter der betreffenden Akteure gerichteter Kameras. Mit einem rund zehn Millionen Dollar starken Budget gesegnet, kann sich die Produktionsqualität durchaus sehen lassen – was mich übrigens an so manch ähnlich geartete, u.a. ebenfalls an schwachen Drehbüchern krankende, zugleich aber auch nur selten wirklich schlecht inszenierte sowie immerzu mit zwei bis drei prominenten Beteiligten aufwartende Veröffentlichung aus dem Hause „Emmett/Furla Films“ denken ließ…

Fazit: „American Heist“ ist ein schlichter, unorigineller dramatischer Action-Thriller für ein „genügsames Klientel“ – zwar fern einer „cineastischen Katastrophe“ (oder so), wohl aber im Prinzip komplett belanglos. Wem Eigenschaften wie Klischees, Plot-Löcher und vertraute, unbeseelt miteinander vermengte (inhaltliche wie stilistische) „Zutaten“ also weitestgehend egal sind, der kann sich ruhig mal auf eine Sichtung einlassen. Alle Verbliebenen sollten sich stattdessen lieber hochwertigeren (oder zumindest unterhaltsameren) Alternativen innerhalb des Genres zuwenden, von denen es ja so einige gibt – unter ihnen sogar (einfach mal zur besseren Verortung) John Luessenhop´s „Takers“…

„3 von 10“ – allerdings nahe der Grenze zur „4“


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