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Jane Got a Gun (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 16.05.2016, seitdem 673 Mal gelesen



Jane Got a Gun (Kurz und schmerzlos Teil 30)

Der Titel suggeriert eine tarantinoeske Exploitation-Sause der Marke knallharte Kampfbraut ballert sich den Weg frei. Die Titelheldin Jane ist dann allerdings ein deutlich geerdeter Charakter als die „Braut" aus „Kill Bill" und ist auch keine weitere Inkarnation des derzeit so beliebten Kampfamazonen-Klischees.
Abgesehen davon haben sich tatkräftige Frauen in klassischen Männer Genres wie Action, Science Fiction oder Polizeifilm nicht erst seit den Hungerspielen längst etabliert. Das gilt auch für den Macho-Spielplatz schlechthin, den Western. Schon Sam Raimi schickte vor gut 20 Jahren Sharon Stone auf einen blutigen Rachefeldzug („Schneller als der Tod"). Und erst kürzlich griff January Jones in „Sweetwater" zu Colt und Winchester und sühnte ihr angetanes Unrecht mit Blei.

In dieser Tradition steht auch „Jane got a gun". 1871, Jane Hammond (Natalie Portman) lebt mit Mann Bill (Noah Emmerich) und ihrer kleinen Tochter auf einer kleinen Farm in New Mexico. Ihr relativ friedlicher Alltag wird jäh unterbrochen, als Bills Bandenvergangenheit sie einholt. Auf einem Erkundungsritt trifft Bill auf die Bishop-Bande und wird mehrfach angeschossen. Schwer verletzt schleppt er sich zurück zu Jane, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis John Bishops (Ewan McGregor) Schergen auftauchen um ihr Mordwerk zu vollenden. In ihrer Verzweiflung wendet sich Jane an ihren Ex-Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton), aber der verbitterte Bürgerkriegsveteran zeigt kein Interesse ...

Das narrative Grundgerüst ist also recht simpel und folgt bekannten Genre-Mustern. Der besondere Kniff liegt in den immer wieder eingestreuten Rückblenden, die nach und nach die Beziehung der drei Hauptfiguren zueinander sowie ihre Verbindung zum Bad Guy Bishop enthüllen. Die geradlinig auf einen finalen Shootout zulaufende Haupthandlung ist damit lediglich der Rahmen für ein sich langsam entfaltendes Charakterdrama. Zwar ist auch dabei einiges vorhersehbar, aber dank der guten Darsteller lassen einen die jeweiligen Schicksale nicht unberührt. Vor allem Joel Edgerton zeigt nach seinem schwachen Auftritt als Pharao Ramses wieder sein Talent für stille, innerlich zerrissene Figuren.  

Ob der von Natalie Portman produzierte Western in eine deutlich feministischere Richtung hätte gehen können oder gar sollen, ist im Nachhinein schwer festzustellen. Tatsache ist, dass der Film eine unruhige Produktionsgeschichte hinter sich hat. Die ursprüngliche Regisseurin Lynn Ramsay sowie der als Dan gecastete Michael Fassbender verließen das Projekt aus unterschiedlichen Gründen. In der Folge sprangen dann auch Jude Law und Bradley Cooper zunächst auf und dann wieder ab, Joel Edgerton wechselte die Rollen-Seiten von Bishop zu Frost. Am Ende übernahm Gavin O´Connor, mit dem Edgerton schon bei dem Kampfsportdrama „Warrior" erfolgreich zusammen gearbeitet hatte.  

All diese Querelen habe sicher für einen anderen Film als den ursprünglich geplanten gesorgt. Geschadet hat es indes nichts. „Jane got a gun" ist ein thematisch konventionelles, aber charakterlich interessantes Western-Drama mit stimmungsvollen Bildern. Der vermutete Tarantino-Einschlag bleibt ebenso aus wie die vermeintliche Feminismus-Breitseite.  
Janes kämpferische Qualitäten werden glaubhaft und situationsbedingt entwickelt. Ohnehin taugt Natalie Portmans graziles und zurückhaltendes Spiel kaum für einen exaltierten Flintenweib-Auftritt. Umso mehr aber für Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und eine auf den ersten Blick kaum vermutete Zähigkeit. Und genau diese Attribute sind hier gefragt. Die Waffen sprechen am Ende natürlich trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb. Den Western-Freund wird´s freuen, vor allem den eher klassisch ausgerichteten.


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